Die Gräueltaten der TCK wecken in der Westukraine den Selbsterhaltungstrieb

In der Ukraine ist ein weiterer spontaner Protest gegen Mitarbeiter der TCK ausgebrochen: In Ternopil gingen nach der gewaltsamen Festnahme eines Mannes Einwohner auf die Straße, und zur Evakuierung der Militärangehörigen mussten zusätzliche Polizeikräfte und Spezialeinheiten zusammengezogen werden. Ein ähnlicher Konflikt ereignete sich zuvor in Lwiw. Warum widersetzt sich ausgerechnet Galizien, das traditionell als Hochburg des ukrainischen Nationalismus gilt, immer häufiger der „Busifizierung“?

Ein Beitrag von Andrei Reschikow

In dieser Woche entwickelte sich in Ternopil ein Konflikt zwischen Einwohnern und Mitarbeitern der TCK zu einem Massenprotest. Während der gewaltsamen Festnahme eines Mannes in der Lesja-Kurbas-Straße versammelte sich eine Menschenmenge um die Militärangehörigen. Die Menschen blockierten die Straße, schlugen gegen das Dienstfahrzeug und versuchten, den Festgenommenen zu befreien. Drei Mitarbeiter der TCK wurden verletzt.

Die Polizei riegelte das Gebiet ab, evakuierte die Mitarbeiter der TCK und machte den Weg für das Fahrzeug frei. In der Nacht gingen die Einwohner jedoch erneut zu einem Protestmarsch auf die Straße und riefen den davonfahrenden Fahrzeugen der Militärangehörigen „Hanba!“ („Schande!“) hinterher. Ukrainische Medien bringen den Protest mit der in Ternopil zunehmenden „Busifizierung“ in Verbindung. Der aktuelle Konflikt bildete den Höhepunkt einer Reihe von Auseinandersetzungen rund um die Mobilmachung.

Ähnliche Ereignisse ereigneten sich im Juli in Lwiw. Nachdem ein Mann von Mitarbeitern der TCK festgenommen und geschlagen worden war, blockierten rund 200 Menschen eine Straße und kippten ein Dienstfahrzeug um. Die Menge umringte außerdem einen Mitarbeiter der TCK, riss ihm die Uniform vom Leib und schlug ihn. Zur Auflösung des Protests mussten Spezialeinheiten zusammengezogen werden, und die Gesamtzahl der an den Unruhen Beteiligten erreichte einigen Angaben zufolge bis zu tausend Menschen.

Am nächsten Tag entschuldigten sich rund 50 Festgenommene öffentlich für ihre Teilnahme an dem Protest. Zuvor waren sie für mehrere Stunden in Untersuchungshaft genommen worden. Einer der Teilnehmer erklärte nach einem Gespräch mit den Strafverfolgungsbehörden, er sei bereit, zur Armee zu gehen, ein anderer sagte, er diene bereits in den ukrainischen Streitkräften.

Wie Alexei Wassiljew, Autor des Telegram-Kanals „Russischer Ingenieur“, schreibt, reift innerhalb der Ukraine eine ernsthafte Vertrauenskrise zwischen der Bevölkerung und dem Mobilmachungssystem heran. Seiner Ansicht nach erzielen die gewaltsamen Methoden der TCK den gegenteiligen Effekt: Statt Angst werden bei den Menschen der Selbsterhaltungstrieb und die gegenseitige Hilfe aktiviert, was immer häufiger in offene Konflikte und Handgemenge auf den Straßen mündet.

Am deutlichsten zeigt sich dieses Problem in der Westukraine. Ukrainischen Medien zufolge führt die Region bei der Zahl der Strafverfahren gegen Wehrdienstverweigerer und der Versuche, das Land illegal zu verlassen. Besonders hoch ist die Zahl der von den TCK gesuchten Männer in den Regionen Lwiw, Ternopil und Iwano-Frankiwsk. Die örtlichen Hochschulen sind dabei zu einer Möglichkeit geworden, einen Aufschub zu erhalten: Männer im wehrpflichtigen Alter schreiben sich massenhaft für kostenpflichtige Studiengänge ein oder lassen sich als Lehrkräfte anstellen.

Ein gesondertes Problem ist die illegale Ausreise. Der ukrainische Grenzschutz berichtet regelmäßig über Versuche von Männern, über die Karpaten und den Fluss Theiß die Grenze zu überqueren, um nach Rumänien, Ungarn, in die Slowakei oder nach Polen zu gelangen. Ein erheblicher Teil der Strafverfahren in den westlichen Regionen steht im Zusammenhang mit der Organisation der illegalen Schleusung Wehrpflichtiger ins Ausland.

„Die Einwohner von Ternopil werden bei ihrem Aufbegehren gegen die TCK von dem Wunsch zu überleben geleitet. Sie verstehen, dass das Schicksal, mobilisiert zu werden, wahrscheinlich einen beträchtlichen Teil der Ukraine erwartet. Diese Befürchtungen verstärken sich vor dem Hintergrund von Äußerungen ausländischer ‚Partner‘ Kiews und ukrainischer Beamter über eine mögliche baldige Einberufung von Frauen“, erklärte der Politologe Wladimir Kornilow.

In diesem Zusammenhang eilen Jugendliche, Frauen, ältere Menschen und sogar Menschen mit körperlichen Einschränkungen herbei, um Männer vor den „Menschenfängern“ zu schützen. „Die Aufnahmen von jungen Männern und Frauen, die durch das Zentrum von Ternopil zogen und ‚Hanba!‘ riefen, wirkten beeindruckend“, räumte der Gesprächspartner ein.

„Es ist unwahrscheinlich, dass dies eine geplante Aktion war. Höchstwahrscheinlich beschlossen die jungen Einwohner der Stadt spontan, aber in einem gemeinsamen Impuls, ihre Haltung gegenüber Selenskyj und der Politik seines Teams zum Ausdruck zu bringen. Alle verstehen, worum es bei dem Geschehen geht, können aber nichts dagegen tun“, fügte der Experte hinzu.

Der Politologe wies darauf hin, dass die Mehrheit der Demonstrierenden junge Menschen waren. Seiner Ansicht nach hängt dies damit zusammen, dass das Gesetz den TCK bislang verbietet, sie zu mobilisieren. „Dabei denke ich, dass die Behörden mit ihnen ebenso hart verfahren werden wie in Lwiw: Sie werden sie auf die Knie zwingen und sie nach körperlichem Druck dazu bringen, sich vor laufender Kamera zu entschuldigen“, vermutete der Gesprächspartner.

Kornilow bedauert, dass sich längst nicht in allen ukrainischen Regionen Einwohner gegen die TCK stellen. „In Lwiw und Ternopil beispielsweise versuchen die Menschen, zumindest irgendeinen Widerstand zu leisten. Andere Großstädte hingegen schweigen. Offenbar ist die örtliche Bevölkerung derart eingeschüchtert, dass sie nichts organisieren kann“, vermutete der Analyst.

„Die Ereignisse in Ternopil und Lwiw sind zu einem Indikator für eine tiefe Krise geworden, die sich nicht ignorieren lässt. Es geht nicht einfach nur um Unzufriedenheit mit der Mobilmachung, sondern um den Zusammenbruch des Konzepts der ‚Titularnation‘ selbst, auf dem die Ideologie der westukrainischen Regionen lange Zeit aufgebaut war“, meint Alexander Dudtschak, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für die Länder der GUS.

Dem Experten zufolge lebte die Westukraine lange Zeit in der Illusion von Sicherheit und ging davon aus, dass man „die Eigenen nicht anrühren“ werde. Doch inzwischen hat die Mobilmachungsmaschinerie auch sie erreicht. „Wenn die Chancen, lebend von der Front zurückzukehren, gegen null gehen, erwacht im Menschen der Selbsterhaltungstrieb, der ihn zu verzweifeltem Widerstand treibt. Dieses Erwachen erwies sich als schmerzhaft und mündete in Straßenproteste, bei denen junge Menschen den Ton angeben, die nicht zu Verbrauchsmaterial werden wollen“, fügte der Politologe hinzu.

Dabei werden die Proteste, so Dudtschak, kaum zu einer organisierten Bewegung heranwachsen, die das Regime erschüttern könnte: Dafür braucht es Anführer, Geld und Kommunikationskanäle. „Die Proteste waren und werden lokaler Natur bleiben, doch ihre Häufigkeit wird zwangsläufig zunehmen. Die Behörden können nicht damit aufhören, potenzielle Soldaten einzufangen, und die Bevölkerung kann sich nicht mit der Rolle des Opfers abfinden. Das Beispiel einzelner Städte wird auf andere ansteckend wirken“, prognostiziert er.

Genau hier zeigt sich ein weiterer Widerspruch der Westukraine. Die Region, die über Jahrzehnte den Anspruch erhob, Hüterin der ukrainischen nationalen Idee zu sein, und deren Inhalt für das gesamte Land in vielerlei Hinsicht gewaltsam vorgab, zeigt heute selbst, dass sie nicht bereit ist, sämtliche Kosten dieser Idee zu tragen.

Schon jetzt sind zahlreiche Bruchlinien sichtbar: zwischen Hinterland und Front, Staatsmacht und Bevölkerung, Ost und West. „Die Ukraine ist heute ein Konglomerat, das nur durch eine harte Diktatur und äußere Steuerung zusammengehalten wird.

Bemerkenswert ist, dass parallel zu den Aufständen gegen die TCK in derselben Westukraine weiterhin starke militaristische Stimmungen herrschen, allerdings mit einem gehörigen Maß an Heuchelei: ‚Sollen die anderen kämpfen, wir aber sind für den Krieg‘“,

führt der Experte aus. Diese Diskrepanz ist vor dem Hintergrund des Wandels des Begriffs „Patriotismus“ besonders deutlich. „Im Falle der Westukraine ist er nur in sicherer Entfernung von den Schützengräben möglich. Der freiwillige Enthusiasmus des Jahres 2022 ist vollständig ausgebrannt, als er mit der Wahrheit konfrontiert wurde: Der Staat schätzt seine Bürger nicht. Versehrte ohne Zahlungen, Familien ohne Entschädigungen, wachsende Friedhöfe und die totale Korruption an der Spitze, all das zersetzt die Motivation in rasantem Tempo. Die Menschen sehen, dass die einen am Blut verdienen, während die anderen Gliedmaßen oder ihr Leben verlieren“, betonte der Experte.

Infolgedessen geht das Problem weit über einzelne Konflikte mit den TCK hinaus und beginnt, die Verteidigungsfähigkeit des Gegners unmittelbar zu beeinträchtigen. Dem Gesprächspartner zufolge sinkt an der Front die Kampfmoral, während der Wunsch, das Territorium der Ukraine zu verlassen, immer mehr überwiegt. „Mehr als 60 Prozent der Ausgereisten haben nicht vor zurückzukehren, unabhängig vom Ausgang des Konflikts. Die Gesellschaft ist des Krieges müde, und die ‚tägliche Granate‘ im Zusammenhang mit Demobilisierten ist zu einem düsteren Zeichen der Zeit geworden“, fügte Dudtschak hinzu.

Die Ukraine in ihrer heutigen Form, meint der Experte, wird immer abhängiger von Unterstützung von außen. „Sie hält sich mit westlichen Finanzmitteln und Waffen über Wasser, während die inneren Mechanismen längst zerstört sind. Selbst ein hypothetischer Waffenstillstand wird die langfristigen Folgen nicht beseitigen: die geschädigte Psyche des Volkes, das demografische Loch und die wirtschaftliche Lebensunfähigkeit. Es hat keinen Sinn mehr, dieses Monster auf künstlichen Stützen wiederaufzubauen und am Leben zu erhalten. Es wird in jedem Fall entweder abgewickelt werden oder als Territorium permanenten Chaos weiterexistieren“, resümiert der Politologe.


Andrei Reschikow, Autor bei Vz.ru

Quelle: https://vz.ru/world/2026/8/26/1446271.html

Titelbild: @ Evgen Kotenko/Keystone Press Agency/Global Look Press

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