Keine Lust auf Zwang

Zur Wiedereinführung des Zivildienstes

Ein Beitrag von Ronja Fröhlich

Im Eiltempo bereitet die Bundesregierung die Einführung von Zwangsdiensten für Jugendliche vor. In Schleswig-Holstein erhielten Schüler, die im Fragebogen angegeben haben, absolut keine Lust auf Bundeswehr zu haben, Einladungen zur Musterung für August 2026. Gleichzeitig bereitet die Bundesregierung die Rückkehr des Zivildienstes vor.

In den letzten Wochen wurde bekannt, dass die Regierung die großen Sozialverbände befragt hat, ob sie Kapazitäten für Zivildienstleistende hätten. 22 der 23 befragten Verbände bejahten. Kein Wunder – in Zeiten von Sozialkahlschlag und Kriegsvorbereitung nimmt man jede Arbeitskraft gern, je billiger, desto besser. Dabei ist klar: Zum Dienst gezwungene Jugendliche ohne Ausbildung werden kein Ersatz für fehlende Fachkräfte sein, sondern billige Lückenfüller und Lohndrücker, die nicht streiken und kaum organisiert sind.

Zwangsdienste haben, egal wie lange man sich im Kreis dreht und auf den Kopf stellt, eben keine Vorteile für die Gesellschaft, sondern nur für diejenigen, die mit Kriegs- und Kahlschlagpolitik Profite machen. Obwohl die meisten Sozialverbände angaben, Kapazitäten für Zivildienstleistende zu haben oder schaffen zu können, lehnen viele Zwangsdienste grundsätzlich ab. So positionierte sich der Paritätische Gesamtverband gegen einen zivilen Pflichtdienst. Auch die AWO hat für Zwang in jeglicher Form nichts übrig.

Jugendliche haben keine Lust, zu schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen zu schuften, sich von der Bundesregierung disziplinieren und die Selbstbestimmung einschränken zu lassen.

Kolleginnen und Kollegen, die in Bereichen arbeiten, in denen künftig wieder Zwangsdiener eingesetzt werden sollen, brauchen mehr Geld und mehr ausgebildete Kollegen – also Entlastung. Und wir alle brauchen funktionierende Gesundheits- und Sozialsysteme. Die bekommt man nicht mit Zwangsdiensten, sondern mit Milliarden für Bildung, Gesundheit und Soziales.

Die Proteste des DGB gegen den Sozialkahlschlag sind für uns eine gute Gelegenheit, diese Kämpfe zusammenzuführen und gemeinsam ein deutliches Zeichen gegen Kahlschlagpolitik, Hochrüstung und Zwangsdienste jeder Art zu setzen.


Ronja Fröhlich ist eine deutsche Journalistin und politische Aktivistin, die regelmäßig als Gastautorin für die sozialistische Wochenzeitung unsere zeit (UZ) schreibt. In ihren Beiträgen und öffentlichen Auftritten – unter anderem für das Münchner Bündnis „Nein zur Wehrpflicht“ – fokussiert sie sich vor allem auf Jugendpolitik, soziale Gerechtigkeit und Friedensaktivismus.

Quelle: https://www.unsere-zeit.de/keine-lust-auf-zwang-4817074/

Titelbild: Schülerinnen und Schüler beim „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ am Oranienplatz in Berlin am 5. Dezember 2025. Quelle: Roy Zuo / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0).

Disclaimer: Berlin 24/7 bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel
müssen nicht die Sichtweise der Redaktion Berlin 24/7 widerspiegeln. Wir bemühen uns, unterschiedliche
Sichtweisen von verschiedenen Autoren – auch zu den gleichen oder ähnlichen Themen – abzubilden, um
weitere Betrachtungsweisen darzustellen oder zu eröffnen
.


BERLIN24/7 Nachrichten aus Berlin – ist ein unabhängiges Nachrichten- und Informationsportal Im Zentrum
unserer Berichterstattung stehen Nachrichten, Meinungsbeiträge, Analysen und Interviews zum aktuellen
Zeitgeschehen in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt. Wer sich für differenzierte Sichtweisen aus
verschiedenen Perspektiven interessiert ist bei uns richtig. Um nichts zu verpassten abonnieren Sie unseren
Kanal und/oder folgen Sie uns auf:


Offizielle Webseite: https://berlin247.net Facebook: https://www.facebook.com/profile.php?
id=61556336081860
 Telegram: https://t.me/Berlin247nachrichten Auf X – https://x.com/berlin24_7?
t=u9fTHoOcZQkCZPewM2Q62g&s=09


Hier können Sie unsere Arbeit unterstützen:


Paypal: https://paypal.me/berlin247net oder Berlin 24/7 GmbH DE22 8105 0555 0101 0400 24

Ähnliche Beiträge

Deutschland missbraucht Strafrecht zur Durchsetzung politischer Ziele: Prof. Stefan Homburg

zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=AIDlpYXJMkg Am 30. August 2026 fand in Magdeburg das Festival der Meinungsfreiheit – Gemeinsam gegen Cancel Culture statt. Es war eine Veranstaltung von Publizisten, Künstlern und Wissenschaftlern, die…

Das Erdölabkommen zwischen Venezuela und den USA im Detail

Investitionen, Konzessionssystem, Einnahmen und politische Variablen – Ein neues, von den Regierungen in Caracas und Washington angekündigtes Abkommen bestätigt den Erdölsektor als zentrale Achse der Annäherung zwischen beiden Ländern. Ein…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

You Missed

Deutschland missbraucht Strafrecht zur Durchsetzung politischer Ziele: Prof. Stefan Homburg

  • September 15, 2026
  • 35 views
Deutschland missbraucht Strafrecht zur Durchsetzung politischer Ziele: Prof. Stefan Homburg

Das Erdölabkommen zwischen Venezuela und den USA im Detail

  • September 15, 2026
  • 50 views
Das Erdölabkommen zwischen Venezuela und den USA im Detail

Hybride Panikmache

  • September 15, 2026
  • 63 views
Hybride Panikmache

Jeffrey Sachs: „Machen Sie sich auf das Schlimmste gefasst ‒ niemand kann es aufhalten“

  • September 15, 2026
  • 428 views
Jeffrey Sachs: „Machen Sie sich auf das Schlimmste gefasst ‒ niemand kann es aufhalten“

Glaubt ihr wirklich, dass die Ukraine die Ostseepipeline geprengt hat? Rainer Rothfuß

  • September 14, 2026
  • 75 views
Glaubt ihr wirklich, dass die Ukraine die Ostseepipeline geprengt hat? Rainer Rothfuß

Rede gegen den Krieg

  • September 14, 2026
  • 303 views
Rede gegen den Krieg