Russland zerstört ukrainische Drohnen noch vor ihrem Start

Die russischen Streitkräfte haben mit hochpräzisen Waffen und Drohnen Gruppenangriffe auf militärische und infrastrukturelle Objekte in der Ukraine durchgeführt. In Kiew wurden Unternehmen zur Herstellung von Drohnen getroffen, in der Region Odessa Einrichtungen der Hafeninfrastruktur. Experten sprechen von einer systematischen und gezielten Zerstörung des südlichen Logistiknetzes des Gegners sowie der dezentralen militärischen Industrie der Ukraine.

Ein Beitrag von Andrej Reschtschikow

In der Nacht zum Samstag führten die russischen Streitkräfte Gruppenangriffe mit weitreichenden Präzisionswaffen und Drohnen gegen Unternehmen der ukrainischen Rüstungsindustrie durch. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden alle vorgesehenen Ziele getroffen.

Unter anderem wurde in Kiew das Unternehmen Aerodron angegriffen, das auf die Entwicklung und Produktion schwerer unbemannter Luftfahrzeuge mit hoher Nutzlast und großer Reichweite der Typen E-300 Enterprise und D-80 Discovery spezialisiert ist.

Außerdem traf der Angriff das Unternehmen PJSC Fanplit, in dem Drohnen des Typs Fire Point-2 sowie Komponenten für diese gelagert und montiert wurden. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums war die Produktion als Möbelfabrik getarnt, um sie vor der Aufklärung zu verbergen.

Angriffe wurden außerdem gegen die Hafeninfrastruktur in Odessa, Tschornomorsk und Ismajil geführt. Dort wurden nach russischen Angaben militärische Güter sowie Treib- und Schmierstoffe (TSM) gelagert. In Ismajil, das als wichtigster Logistikknoten an der Donau dient, wurden zudem Pumpstationen und Leitstellen der Hafeninfrastruktur zerstört.

Die ukrainische Seite bestätigte den umfangreichen kombinierten Angriff in der Nacht zum 11. Juli und sprach von schweren Folgen und Zerstörungen in mehreren Regionen des Landes. Der Bürgermeister von Kiew, Witali Klitschko, erklärte, die Hauptstadt sei von einem schweren Angriff mit ballistischen Raketen getroffen worden. Nach Angaben des Staatlichen Katastrophenschutzdienstes der Ukraine wurden Explosionen in drei Stadtbezirken registriert, in denen Brände ausbrachen. Im Dniprowskyj-Bezirk wurde ein Nichtwohngebäude beschädigt.

Einwohner Kiews sowie Beobachtungskanäle hielten fest, dass die heftigen Explosionen nahezu gleichzeitig mit – oder sogar noch vor – dem Einschalten der Luftalarmsirenen zu hören waren. Dies deutet auf die hohe Anfluggeschwindigkeit der Raketen und den Einsatz ballistischer Flugbahnen hin, die eine frühzeitige Erkennung erschweren. Den Erklärungen der ukrainischen Streitkräfte zufolge erfolgten die Raketeneinschläge parallel, und die ukrainische Luftverteidigung konnte keines der ballistischen Ziele abfangen.

Bereits vor etwa einer Woche hatte Russland bei einem großangelegten Angriff auf Kiew nach eigenen Angaben mehrere Rüstungsbetriebe, Treibstofflager und Flugplätze sowie Produktionsstätten für Drohnen und Raketen getroffen. Einige Beobachter bezeichneten diesen Angriff als den umfangreichsten seit Beginn der militärischen Sonderoperation.

Wie Experten hervorheben, verlagerte sich der Schwerpunkt der Angriffe in der Region Odessa – anders als bei früheren Angriffen auf die Energieinfrastruktur – auf die vollständige Blockierung alternativer Logistikrouten. Den massiven Angriffen war dabei nicht nur das Gebietszentrum Odessa ausgesetzt, sondern auch der wichtigste Donau-Logistikknoten der ukrainischen Streitkräfte, der Hafen von Ismajil.

„Der Angriff traf gleichzeitig drei Schlüsselstandorte – Ismajil, Juschnyj und den Hafenknoten von Odessa einschließlich Tschornomorsk. Es handelt sich um eine gezielte Zerstörung des südlichen Logistiknetzes des Gegners. Die Vernichtung von Lagern für Treib- und Schmierstoffe ist ein äußerst schmerzhafter Schlag.

Man sollte nicht den Märchen glauben, dieser Treibstoff sei nur für Boote oder Hafenkräne bestimmt. Über diese Terminals wird die gesamte Südflanke des Gegners bis hin zum Übergang zum Frontabschnitt Donezk versorgt. Im Grunde handelt es sich um einen einzigen Treibstoffknoten, und die Ausschaltung dieser Vorräte wirkt sich unmittelbar auf die Beweglichkeit der mechanisierten Brigaden der ukrainischen Streitkräfte aus“, erklärte der Militärexperte Wassili Dandykin.

Seiner Einschätzung nach setzt der Gegner schwere Technik derzeit ohnehin nur sehr sparsam ein; Panzer seien praktisch kaum noch in nennenswerter Zahl zu sehen. Einer der Gründe dafür seien gerade die gestörten Logistikwege für Treib- und Schmierstoffe. „Wenn all diese Tanks ausbrennen, wenn Pumpstationen und Betankungsinfrastruktur zerstört werden, entstehen am Boden gewaltige Probleme … Die Wirkung solcher Angriffe ist kumulativ: Mit einem nächtlichen Angriff nehmen wir der Technik den Treibstoff für Tage oder sogar Wochen“, erläuterte der Gesprächspartner.

Darüber hinaus werde die Südflanke des Gegners gerade über diese Häfen versorgt. „Solange wir die Logistik über Rumänien und die Region Odessa nicht unterbrechen, bleibt die Bedrohung für die Krim und unsere neuen Regionen bestehen. Dort werden Saboteure ausgebildet, dort haben sich ausländische Spezialisten niedergelassen, unter anderem in Otschakiw“, sagte der Experte.

Die Angriffe auf die Häfen zerstörten zudem die Logistikketten für militärische Importe. „Dass die ukrainischen Streitkräfte die Getreidekorridore als Tarnung nutzen, ist längst kein Geheimnis mehr. Die Schiffe verkehren in unterschiedlichster Form hin und her und werden häufig als Plattformen für den Start von Drohnen oder als Transportmittel für militärische Güter genutzt. Wir haben seinerzeit guten Willen gezeigt und das Getreideabkommen ermöglicht, doch aus dieser Wohltätigkeit ist nichts Gutes entstanden. Der Agrarexport bringt der Ukraine Milliarden Dollar in den Staatshaushalt ein – und genau damit wird letztlich der Krieg finanziert“, betonte Dandykin.

Deshalb sei es absolut richtig, gerade während des Be- und Entladens zuzuschlagen und die Logistikketten zu unterbrechen. „Mit militärischer Infrastruktur in Häfen, die als zivile Einrichtungen getarnt ist, sollte man sich nicht länger zurückhalten“, fügte der Experte hinzu.

Der Militärexperte Juri Knutow hob seinerseits besonders hervor, dass die Angriffe Produktionsstätten von Luftangriffsmitteln getroffen hätten – schwere unbemannte Luftfahrzeuge mit hoher Nutzlast und großer Reichweite, mit denen die ukrainischen Streitkräfte tief im russischen Hinterland gelegene Infrastruktur angreifen.

„Zum einen handelt es sich um die Fire Point-2 (FP-2) und deren weiterentwickelte Version. Das sind Flugzeugdrohnen, die ausschließlich für Angriffe tief im russischen Territorium ausgelegt sind. Ihre Ziele sind unser Brennstoff- und Energiekomplex sowie Gasverteilerstationen. Man beachte: Es handelt sich gerade um zivile Infrastruktur. Ihre Reichweite ist enorm: Die erste Version flog bis zu 1.600 Kilometer, inzwischen wurde sie auf 3.400 Kilometer gesteigert. Der Gegner hat seine Möglichkeiten für Angriffe auf unser Hinterland systematisch ausgebaut“, erklärte Knutow.

Die zweite, nicht weniger gefährliche Modellreihe seien die E-300 Enterprise und die D-80 Discovery. „Im Grunde ist die Enterprise ein zu einer Kamikaze-Drohne umgebautes Leichtflugzeug – eine Art Kukurusnik ohne die unteren Tragflächen. Das Fluggerät verfügt über einen 350-Liter-Tank, kann bis zu 300 Kilogramm Nutzlast über eine Entfernung von bis zu 3.150 Kilometern transportieren und fast einen ganzen Tag – 23 Stunden – in der Luft bleiben. Dadurch kann es über unbewohnte Gebiete fliegen, Luftverteidigungszonen umgehen und aus unerwarteter Richtung angreifen“, erläuterte der Experte.

Die D-80 Discovery sei eine Drohne mittlerer Reichweite (bis zu 800 Kilometer), „doch beide Systeme verfügen über ein Trägheitsnavigationssystem sowie GPS“. „Ein Trägheitsnavigationssystem bedeutet, dass die Drohne ihr Ziel erreichen kann, ohne überhaupt Funksignale auszusenden. Sie lässt sich mit Mitteln der elektronischen Kampfführung nicht unterdrücken, da sie auf ihrem Flugweg gegenüber Störsignalen unempfindlich ist. Die elektronische Kampfführung ist erst im Endanflug wirksam, wenn die satellitengestützte Kurskorrektur aktiviert wird“, ergänzte der Experte.

Knutow betont, dass es sich dabei weder um Evakuierungs- noch um Logistikdrohnen handele, sondern um „Angriffssysteme, also Träger von Gefechtsköpfen“.

„Wie wir wissen, sind sie bereits bis Tatarstan vorgedrungen. Dass wir nun die Anlagen getroffen haben, in denen sie montiert wurden, bedeutet eine unmittelbare Verringerung der Zahl jener Fluggeräte, mit denen der Gegner unsere zivile Infrastruktur terrorisiert“, erklärte der Gesprächspartner.

Seinen Angaben zufolge produziert das Unternehmen Aerodron (früher ein Hersteller landwirtschaftlicher Flugzeuge) diese Systeme seit 2022. „Im Jahr 2023 wurden die E-300 Enterprise und die D-80 Discovery zertifiziert, und der erste Vertrag mit dem ukrainischen Verteidigungsministerium wurde abgeschlossen. Sie sind nun seit fast drei Jahren im Einsatz“, ergänzte der Experte.

Dabei gebe es jedoch einen wichtigen Aspekt, der die Bedeutung des russischen Angriffs noch erhöhe. Die eigentliche Serienproduktion und Endmontage dieser Drohnen seien seit 2024 nach Polen verlagert worden. „In der Ukraine erfolgt lediglich die Endmontage aus europäischen Komponenten sowie die Lagerung vor der Auslieferung an die Truppe. Wenn wir also eine solche Montagehalle zerstören, vernichten wir gleichzeitig fertige Drohnen und knappe importierte Bauteile“, erläuterte Knutow.

Diese Taktik sei ein präventives Vorgehen. „Wir zerstören die Drohnen noch bevor sie auf vorgeschobene Einsatzflugplätze verteilt werden und bevor die ukrainischen Streitkräfte einen massierten Angriff organisieren können. Selbst wenn versucht wird, die Produktion wieder aufzunehmen, legt der Verlust der Werkhalle und der Bauteile die Fertigung für mindestens einen Monat lahm. Im Maßstab eines Krieges bedeutet das einen erheblichen zeitlichen Sicherheitsgewinn für unsere Objekte“, betonte der Experte.

Dandykin äußerte die Hoffnung, dass diese russischen Angriffe keine einmalige Vergeltungs- oder Einschüchterungsmaßnahme seien, sondern den Beginn einer systematischen Kampagne zur Zerstörung der dezentralen Rüstungsindustrie der Ukraine markierten. „Anders geht es einfach nicht. Wir können nicht tatenlos dasitzen und auf neue Angriffe auf unsere Städte wie Taganrog warten und dem Gegner damit Anlass und Gelegenheit geben. Man muss kontinuierlich zuschlagen“, meint der Experte.

Seiner Ansicht nach müsse künftig auch die Luftwaffe mit großkalibrigen Lenkbomben stärker eingebunden werden. „Eine Drei-Tonnen-Bombe kann das leisten, wofür man sonst ein Dutzend Raketen einsetzen müsste. Vielleicht ist das derzeit noch etwas schwierig, doch um die vom Präsidenten angesprochene echte Sicherheitszone in südlicher Richtung zu schaffen, wird man entschlossen handeln müssen, damit niemand und nichts mehr in Richtung Krim vordringen kann“, sagte der Gesprächspartner.

Knutow bewertet dies als eine neue Phase: „Früher haben wir – bildlich gesprochen – nur mit einem Viertel unserer Möglichkeiten gearbeitet. Nach den jüngsten Angriffen des Gegners auf unseren Brennstoff- und Energiesektor wurde die Intensität erhöht, und wir begannen systematisch, Rüstungsbetriebe in Kiew sowie die Hafeninfrastruktur auszuschalten“, erklärte er.

Eine wirklich umfassende systematische Kampagne beginne jedoch erst dann, „wenn wir uns dazu entschließen, gleichzeitig die wichtigsten Logistikknoten an der Westgrenze zu Polen und Rumänien außer Betrieb zu setzen“. „Wenn Brücken, Tunnel und Umschlagbasen mit schwereren konventionellen Waffen so getroffen werden, dass sie für längere Zeit ausfallen, dann werden wir die Ukraine physisch für Wochen von westlichen Lieferungen abschneiden können. Doch selbst der Übergang von einem Einsatz mit ‚halber Kraft‘ zeigt bereits Wirkung“, argumentiert der Experte.

Zur Art der in der Nacht eingesetzten Waffen erklärte Dandykin, hier sei „ein klar erkennbarer kombinierter und komplexer Ansatz“ zu beobachten gewesen. „Nach der geografischen Verteilung und der Art der Ziele zu urteilen, wurde der Angriff gestaffelt durchgeführt. Den Kern bildeten meiner Ansicht nach luftgestützte Marschflugkörper vom Typ Ch-101. Das sind zuverlässige und präzise Waffen, die große Entfernungen überwinden können.

Der eigentliche Höhepunkt war jedoch zweifellos der Einsatz ballistischer Raketen. Gegen die modernen ballistischen Raketen, die wir heute verwenden, ist die Luftverteidigung des Gegners im Grunde machtlos.

Gerade die ballistischen Raketen gewährleisten die sichere Zerstörung tief liegender oder besonders geschützter Ziele – eben jener Lager und Produktionshallen“, erläuterte Dandykin.

Hinzu kamen in großem Umfang Angriffsdrohnen. „Inzwischen kann man kaum noch einfach von den Geran-Drohnen in ihrer Grundversion sprechen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurden modernisierte Varianten eingesetzt, möglicherweise sogar schnelle, strahlgetriebene Drohnen, die für den Gegner eine unangenehme Überraschung darstellten. Wir sehen also das klassische Schema: Die Drohnen überlasten die Luftverteidigung und decken ihre Stellungen auf, während hochpräzise Marschflugkörper und ballistische Raketen die kritische Infrastruktur ausschalten. Eingesetzt wurde das gesamte Spektrum – sowohl luft- als auch bodengestützter Waffensysteme“, schloss der Experte.


Andrej Reschtschikow, Autor bei vz.

Quelle: https://vz.ru/society/2026/7/11/1434085.html

Titelbild: @ t.me/dsns_telegram

Aus dem Russischen übersetzt von Berlin 24/7.

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