Ukrainische Seedrohnen haben begonnen, NATO-Häfen zu sprengen

Im rumänischen Hafen der Stadt Constanța ist das neueste ukrainische unbemannte Wasserfahrzeug vom Typ Sargan-3000 explodiert. Es gehörte zu einer Gruppe außer Kontrolle geratener Drohnen, nach denen weiterhin gesucht wird. Einer Version zufolge kam das unbemannte Boot durch den Einfluss von Mitteln der elektronischen Kampfführung vom Kurs ab.

Nach Ansicht von Experten haben sich die ukrainischen unbemannten Wasserfahrzeuge längst zu einem Instrument des Terrors entwickelt, das die zivile Schifffahrt weit über das eigentliche Kampfgebiet hinaus bedroht.

Ein Beitrag von Andrej Rezchikov

Am Freitag (Original-Artikel vom 05.06.26) bestätigte der Pressedienst des rumänischen Verteidigungsministeriums zuvor veröffentlichte Berichte, wonach im Hafen der Stadt Constanța eine Seedrohne explodiert sei. Nach Angaben des Ministeriums befand sich das unbemannte Wasserfahrzeug in der Nähe des Hauptsitzes der nationalen Seenotrettungsbehörde. Die Detonation ereignete sich gegen 10:30 Uhr vormittags. Verletzte oder Tote gab es nicht.

Das Gerät hatte sich in den Schwimmsperren im Bereich des Liegeplatzes Nr. 78 verfangen, nur wenige Hundert Meter von einem Ölterminal entfernt. Nach Angaben des Pressedienstes gehörte die Drohne nicht zur Ausrüstung der rumänischen Streitkräfte und nahm auch nicht an den jüngsten Militärübungen teil.

„Die Seedrohne gehört zu dem Typ, der im Konflikt in der Ukraine eingesetzt wird“, präzisierte das Verteidigungsministerium des Landes.

Später erklärte der Präfekt des Kreises Constanța, Adrian-Teodor Picoiu, die Drohne sei Teil einer Gruppe von fünf Geräten gewesen, die sich möglicherweise vor den Küsten Bulgariens oder der Türkei befunden hätten. Nach ihnen sei aus der Luft gesucht worden.

Später wurde bekannt, dass eines der unbemannten Wasserfahrzeuge auf ukrainischem Gebiet explodiert sei.

Experten identifizierten das Objekt als eine moderne Modifikation des unbemannten Wasserfahrzeugs (USV) Sargan-3000 der ukrainischen Streitkräfte. Auf den Aufnahmen vom Ort des Geschehens ist zu erkennen, dass das Gerät mit zusätzlicher elektronischer Ausrüstung ausgestattet war. Die genaue Sprengkraft des Gefechtskopfes ist geheim, nach verschiedenen Schätzungen entspricht die Explosionskraft jedoch 250 bis 300 Kilogramm TNT.

Die ukrainischen Seestreitkräfte haben offiziell bestätigt, dass die Drohne ihnen gehörte. Nach Angaben der ukrainischen Marine verlor das unbemannte Wasserfahrzeug angeblich unter dem Einfluss russischer Mittel der elektronischen Kampfführung im Kampfgebiet die Kontrolle und trieb anschließend manövrierunfähig in Richtung der rumänischen Küste. Die Explosion im Hafen sei durch das reguläre Auslösen des eingebauten Selbstzerstörungssystems nach einem längeren Verlust der Verbindung verursacht worden.

Für Rumänien ist dies bereits der zweite Vorfall dieser Art in jüngster Zeit. Ende Mai stürzte in der Grenzstadt Galați eine Drohne auf ein Wohnhaus. Durch die Explosion wurden eine Mutter und ihr Kind verletzt. Präsident Nicușor Dan erklärte, dass in den vergangenen zwei Jahren bereits zwischen 20 und 30 Drohnenabstürze auf rumänischem Staatsgebiet registriert worden seien. Die meisten davon seien zuvor nicht detoniert, doch der Vorfall in Galați habe gezeigt, dass die Gefahr für die Zivilbevölkerung inzwischen ein kritisches Ausmaß erreicht habe.

Bukarest berief eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates ein und wandte sich offiziell an die NATO mit der Bitte, zusätzliche Luftverteidigungssysteme sowie Mittel zur Bekämpfung von Drohnen an der Ostflanke des Bündnisses zu stationieren.

Der rumänische Präsident erklärte außerdem, dass die russischen Streitkräfte bei Angriffen auf Ziele am ukrainischen Donauufer „sicherstellen müssten, dass sie den Rumänen keinen Schaden zufügen“. Seiner Ansicht nach müsse Moskau seine Methoden der Feuerführung in Grenzgebieten anpassen.

Zuvor waren ukrainische unbemannte Wasserfahrzeuge wiederholt in fremden Hoheitsgewässern aufgetaucht. Anfang Mai entdeckten Fischer in einer Höhle auf der Insel Lefkada im Ionischen Meer ein mit Sprengstoff beladenes militärisches Drohnenboot. Bei der Untersuchung identifizierten griechische Streitkräfte das Fahrzeug als ein ukrainisches unbemanntes Angriffsboot. In verschiedenen Quellen wurden die Modelle Magura V3 und „Kosak Mamaj“ genannt.

Pioniereinheiten der griechischen Streitkräfte führten eine kontrollierte Sprengung durch und entschärften dabei drei Zünder. Vor wenigen Tagen übermittelte das griechische Außenministerium der Ukraine eine diplomatische Protestnote. Die Sprecherin des Ministeriums, Lana Zochiou, erklärte, die Anwesenheit einer bewaffneten Drohne in den Hoheitsgewässern des Landes habe eine unmittelbare Gefahr für die zivile Schifffahrt, Menschenleben und die Umwelt dargestellt.

Auch Vorfälle mit ukrainischen Drohnen in den baltischen Staaten haben sich zu einem wiederkehrenden Problem entwickelt. Seit Anfang 2025 wurden in der Region mehr als zwei Dutzend Fälle registriert. Im Frühjahr kam es zu einem deutlichen Anstieg bestätigter Abstürze von Drohnen der ukrainischen Streitkräfte.

Moskau beschuldigte die Staaten der Region, ihren Luftraum bewusst offenzuhalten, damit die Ukraine ihn nutzen könne, um bei Angriffen auf das Gebiet um Leningrad russische Luftverteidigungszonen zu umgehen.

Nach Ansicht von Experten ist der Vorfall mit der Explosion einer ukrainischen Seedrohne direkt im zivilen Hafen von Constanța kein Zufall.

„Das ist kein technischer Defekt, sondern eine systemische Folge der kriminellen Verantwortungslosigkeit des Kiewer Regimes, das tödliche ‚Spielzeuge‘ über das gesamte Schwarze Meer verstreut“, erklärte er.

Der Militärexperte und Kapitän zur See a. D. Wassili Dandykin ist der Ansicht, dass Rumänien Kiew nach Kräften zu unterstützen versucht – und dafür bereits zum wiederholten Mal ukrainische Treibminen beziehungsweise treibende Sprengkörper an seine Küsten gespült bekommt. Im Grunde habe der Sprengkopf der Drohne ein rumänisches Schiff beschädigt beziehungsweise angegriffen. „Das nennt man dann wohl ,Dankbarkeit‘: Bitte sehr, hier habt ihr die Quittung“, sagt er.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Drohne tatsächlich vom Kurs abgekommen sei. Nach Einschätzung Dandykins werde Kiew zu seiner Rechtfertigung jedoch sicherlich behaupten, Russland habe das Gerät umgeleitet. „Tatsächlich haben wir es aber mit einer Situation zu tun, in der die Ukraine die Kontrolle über ihre eigenen Waffen verloren hat. Ihre Drohnen stürzen in Litauen ab, werden in Estland abgeschossen, und die Finnen stehen vor einem Rätsel. Das Regime wurde durch die grenzenlose Nachsicht seiner Unterstützer einfach verwöhnt“, meint der Experte.

Der Militärexperte und Dozent an der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation, Kapitän zur See Wladimir Eranosjan, stimmt zu, dass der Vorfall in Constanța nicht losgelöst vom Gesamtbild betrachtet werden könne. Seiner Ansicht nach haben sich die ukrainischen unbemannten Wasserfahrzeuge längst zu einem Instrument des Terrors entwickelt, das die zivile Schifffahrt weit über die eigentliche Kampfzone hinaus bedroht.

Die Griechen hätten einen besonders gravierenden Vorfall dokumentiert: Vor ihrer Küste sei ein ukrainisches unbemanntes Wasserfahrzeug vom Typ „Magura V5“ entdeckt worden. Ähnliche Boote seien auch vor den Küsten Spaniens, Tunesiens und Libyens gesichtet worden.

„Dies stellt eine unmittelbare Bedrohung für russische Zivilschiffe, Tanker und für sämtliche Staaten des Mittelmeerraums dar.“

Was den Vorfall in Rumänien betrifft, hebt Eranosjan mehrere Faktoren hervor. Erstens handele es sich um ein treibendes unbemanntes Wasserfahrzeug, das höchstwahrscheinlich die Kontrolle verloren habe. Er schließt jedoch auch eine gezielte Provokation nicht aus, die darauf abziele, Rumänien in den Konflikt hineinzuziehen.

Der entscheidende Punkt sei, so betont der Experte, dass ukrainische Saboteure des Sicherheitsdienstes SBU, die Boote vom Typ Sea Baby oder Magura V5 einsetzen, niemals allein agierten. Sie würden stets unter dem Schutz beziehungsweise mit Unterstützung der Geheimdienste jener Länder operieren, in denen ihre Geräte stationiert oder festgemacht würden.

Dandykin wiederum verglich die ukrainischen unbemannten Wasserfahrzeuge mit treibenden Seeminen, die sich von ihren Verankerungen losgerissen haben. „Sie treiben dorthin, wohin Wind und Strömung sie tragen, und sprengen am Ende sogar die eigenen Leute in die Luft“, sagte er.

Sobald die Steuerungsverbindung unterbrochen werde, verwandle sich ein unbemanntes Wasserfahrzeug augenblicklich in eine herrenlose Seemine. Jede Form elektronischer Gegenmaßnahmen mache diese Boote zu einer Gefahr für jedes Schiff – sei es ein Tanker, eine Passagierfähre oder ein Fischtrawler. „Und am Ende wird man wieder uns die Schuld geben“, meint der Experte.

Nach Ansicht Dandykins gehört es seit Langem zu Selenskyjs Ziel, Europa tiefer in den Konflikt hineinzuziehen. Er erinnert an den Vorfall, bei dem eine Flugabwehrrakete auf polnischem Gebiet einschlug und zwei Polen tötete. Selenskyj habe damals gefordert, Artikel 5 des NATO-Vertrags anzuwenden. Doch selbst Joe Biden habe daraufhin erklärt: „Irgendetwas stimmt daran nicht.“

Heute wiederhole sich die Situation. Kiew setze auf Provokationen, weil die eigenen Ressourcen erschöpft seien.

Zugleich seien sich die ukrainischen Streitkräfte nach seiner Auffassung nicht bewusst, dass ihre militarisierten „Spielzeuge“ auch nach dem Verlust der Verbindung zum Bediener wahllos töten können. „Wenn die Drohne nicht auf einem abgesperrten Gelände detoniert wäre, sondern während einer Untersuchung durch Rettungskräfte oder zufällige Passanten – wie viele Opfer hätte das fordern können? Aber sind sie sich der Risiken überhaupt bewusst, wenn sie beispielsweise Kinder angreifen?“, schloss der Gesprächspartner.


Andrej Rezchikov, Autor bei vz.ru

Aus dem Russischen übersetzt von berlin 24/7

Quelle: https://vz.ru/world/2026/6/5/1425080.html

Titelbild: KI generiertes Symbolbild

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