Im besten Deutschland aller Zeiten: viele Tafeln führen Wartelisten

  • POLITIK
  • Dezember 23, 2024
  • 0 Kommentare

Fast 40 Prozent der Tafeln in Deutschland haben angesichts hoher Nachfrage temporäre Aufnahmestopps oder Wartelisten. Der Vorsitzende des Dachverbandes hat einen klaren Appell.

Die Tafeln in Deutschland sind in der Dauerkrise (Archivbild). Christian Charisius/dpa

Berlin – Fast 40 Prozent der Tafeln in Deutschland haben temporäre Aufnahmestopps oder führen Wartelisten. «Diese Zahl zeigt, wie ernst die Lage ist», sagte der Vorsitzende des Dachverbandes Tafel Deutschland, Andreas Steppuhn, der Deutschen Presse-Agentur. «Wir sind mit den Tafeln an Kapazitätsgrenzen angelangt.» Der Bedarf sei aber größer. 

Die 975 Tafeln bundesweit unterstützen den Angaben zufolge etwa 1,6 Millionen Menschen mit Lebensmittelspenden. Stark gestiegene Lebensmittelpreise und Mieten, eine hohe Inflationsrate: «Das sorgt natürlich bei Menschen, die eh schon nicht viel haben, für zusätzlichen Druck», sagte Steppuhn. «Wir sind im anhaltenden Dauerkrisenmodus.»

Die Maßnahmen, die die Tafeln angesichts der hohen Nachfrage ergreifen, seien unterschiedlich, berichtete Steppuhn. «Es gibt Tafeln, die reduzieren die Ausgabetage oder die Menge ausgegebener Lebensmittel.» Sein Appell: «Staat und Politik sind in der Verantwortung, Armut endlich wirksam zu bekämpfen. Dafür brauchen wir unter anderem krisenfeste Löhne, armutsfeste Renten, bezahlbares Wohnen sowie eine ausfinanzierte Kindergrundsicherung.»

75.000 Helferinnen und Helfer engagieren sich bei Tafeln

Vor mehr als 30 Jahren wurde laut Dachverband die erste deutsche Tafel in Berlin gegründet. 75.000 Helferinnen und Helfer engagieren sich einer aktuellen Zählung zufolge bundesweit bei den Tafeln. Die Tafel sei eine Freiwilligen-Organisation und keine staatliche Einrichtung, betonte Steppuhn. «Unser Anspruch ist nicht, die Menschen voll zu versorgen, sondern mit geretteten Lebensmitteln zusätzlich zu unterstützen.» Es könne immer nur das ausgegeben werden, was vorher auch eingesammelt worden sei.

Die Tafeln retten laut Dachverband 265.000 Tonnen Lebensmittel jährlich. Die Tafeln spüren, dass Lebensmittelverschwendung ein großes Thema geworden ist. «Die Supermärkte wirtschaften nachhaltiger. Das heißt, wir bekommen über diesen Weg weniger Ware», sagte Steppuhn. Um das auszugleichen, versuche man verstärkt direkt bei den Herstellern an Ware zu gelangen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr in den Handel gelange.

Related Posts

Der trickreiche »Rechtsstaat«

Die deutsche Justiz nimmt Umwege in Anspruch, um das hohe Gut der Meinungsfreiheit so gut sie kann einzudämmen. Ein Beitrag von Roberto J. De Lapuente Es ist kaum anderthalb Jahre…

Das Zensurmonster der EU ‒ Wahlen unter Aufsicht, Teil 2

Der US-Bericht belegt noch etwas: Die Kommission hat sich in Wahlen eingemischt. Und zwar kräftig. Die Zensurstrukturen dienen nicht nur dazu, bestimmte Meinungen zu verbieten, sie sollen auch dafür sorgen,…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

You Missed

Der trickreiche »Rechtsstaat«

  • Februar 23, 2026
  • 4 views
Der trickreiche »Rechtsstaat«

Das Zensurmonster der EU ‒ Wahlen unter Aufsicht, Teil 2

  • Februar 23, 2026
  • 6 views
Das Zensurmonster der EU ‒ Wahlen unter Aufsicht, Teil 2

Wir dachten wir können mit Trump zusammen arbeiten, aber in der Praxis sieht es anders aus

  • Februar 23, 2026
  • 5 views

Steuerpläne der Merz-Regierung: oben entlasten, unten abkassieren

  • Februar 22, 2026
  • 88 views
Steuerpläne der Merz-Regierung: oben entlasten, unten abkassieren

BRICS gegen den Dollar: Warum Babakow 2026 als Wendepunkt der Weltordnung sieht

  • Februar 22, 2026
  • 18 views
BRICS gegen den Dollar: Warum Babakow 2026 als Wendepunkt der Weltordnung sieht

Ein Startup namens Quantum Frontline Industries oder warum es so schwer fällt, den Krieg zu beenden

  • Februar 21, 2026
  • 21 views
Ein Startup namens Quantum Frontline Industries oder warum es so schwer fällt, den Krieg zu beenden