Argentiniens Präsident Milei in der Zwickmühle – Ölbohrungen und Waldbrände in Patagonien verärgern die Argentinier

Die Beziehungen zwischen Argentinien und Israel sind momentan einer schweren Belastungsprobe ausgesetzt. Denn die israelische Ölfördergesellschaft Navitas lässt durch die britische Bohrfirma Rockhopper Exploration erkunden, ob sich vor den Falkland-Inseln Öl fördern lässt <1>. Das trifft die Nerven der Argentinier. Denn die argentinische Militärjunta beanspruchte die Inselgruppe als argentinisches Territorium mit dem Namen Malvinas. 1982 kam es zu einem kurzen Operettenkrieg zwischen Großbritannien und Argentinien, den Großbritannien gewann. Trotzdem ordnete die UNO an, dass keine Bodenerkundungen auf den Falkland-Inseln ohne die Zustimmung von Argentinien und Großbritannien durchgeführt werden dürfen. Darüber setzen sich nun die Israelis großräumig hinweg.

Ein Beitrag von Hermann Ploppa

Javier Milei, Präsident von Argentinien, hält eine Rede auf der Bühne des uruguayischen Verbands der Marketing-Führungskräfte (ADM). Foto: dpa

Da muss Argentiniens Präsident Milei zumindest in der Öffentlichkeit so tun, als wenn er die Interessen der argentinischen Nation vertreten würde. Er verkündete, dass die argentinische Botschaft in Israel einstweilen nun doch nicht von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt wird. Bis jetzt hatten nur die USA unter der ersten Präsidentschaft von Donald Trump ihre Botschaft nach Jerusalem verlegt. Die Verlegung nach Jerusalem ist völkerrechtlich umstritten.

Dabei ist Milei eigentlich eng verbandelt mit dem Netanyahu-Regime. Kurz nachdem Javier Milei sein Präsidentenamt angetreten hatte, pilgerte er nach New York, zum Grab des Begründers der ultraorthodoxen Schabat Lubawitsch-Sekte <2>. Milei konvertierte vor Ort vom Katholizismus zum Judentum der Schabat Lubawitsch-Richtung. Sodann pilgerte Milei zur Jerusalemer Klagemauer. Die Milei-Regierung erklärte sich zum engen Verbündeten der Netanyahu-Regierung in Israel. Aufgrund dessen wird Milei von den Argentiniern als Gewährsmann Israels wahrgenommen. Das robuste Auftreten der israelischen Ölfirma Navitas nötigt Milei jetzt jedoch, zumindest für die Öffentlichkeit auf Distanz zu gehen zu Israel. Dass die Ölexplorationen vor Ort ausgerechnet eine britische Firma durchführt, macht die Sache für Milei noch schwieriger.

Ein Unglück kommt selten allein <3>. Denn jetzt sind auch noch israelische Staatsbürger in der südlichen argentinischen Provinz Patagonien auffällig geworden. Es handelt sich um angebliche israelische Touristen <4>. Sie werden von Einheimischen verdächtigt, Wälder in Brand gesetzt zu haben. Dabei würden sie, wie Zeugen vermuten, darauf setzen, dass der Wert der Grundstücke durch Brände gemindert werden könnte. Interessierte Israelis würden die Grundstücke gerne kaufen. Womöglich gar im Auftrag der israelischen Regierung. Es wird in Argentinien sogar gemutmaßt, dass es sich bei den Touristen um verkappte Mossad-Agenten handeln könnte. Zugleich gerät Milei in ein Zwielicht. Denn unter der Regierung seiner Vorgänger wurde ein Gesetz erlassen, das es ausländischen Investoren untersagt, größere Landflächen in Patagonien zu erwerben. Genau dieses Gesetz hatte Milei als eine seiner ersten Amtshandlungen außer Kraft gesetzt. Milei hatte damals sogar damit geprahlt, dass er den Weg für ausländische Investoren frei gemacht habe. Daran erinnern sich jetzt viele Argentinier im Zusammenhang mit den Waldbränden. Die Zukunft wird erweisen, was dran ist an diesen Vermutungen.

Argentiniens Präsident befindet sich damit in einer Zwickmühle. Zudem steigert Mileis Politik der sozialen Kälte auch nicht gerade dessen Beliebtheit. Die britische Regierungschefin Margaret Thatcher befand sich mit ihrer Austerity-Politik 1982 auch in einem Demokopie-Tief. Daraus befreite sie sich mit dem Falkland-Krieg, den Großbritannien gewann. Milei könnte doch seine Unbeliebtheit dadurch mindern, dass er die Falkland-Inseln besetzt, die Briten verjagt und die Inselgruppe als Malvinas übernimmt.

Dazu wird es nicht kommen. Denn dann würde Mileis großer Förderer, US-Präsident Donald Trump, intervenieren. Nachdem Trump dem bedrängten Milei großzügig mit einer Spende in Höhe von vierzig Milliarden Dollar aus US-amerikanischen Steuergeldern beschenkt hatte, wird Milei sicher nichts unternehmen, was die westliche Wertegemeinschaft unter Führung der USA und Großbritannien schwächen könnte.

Quellen

<1> https://www.aa.com.tr/en/middle-east/argentina-halts-plan-to-move-israel-embassy-to-jerusalem-report/3796655

<2> https://apolut.net/der-verrueckte-und-die-reichen-von-hermann-ploppa/

<3> https://www.zdfheute.de/panorama/argentinien-patagonien-waldbraende-zerstoerung-chubut-duerre-100.html

<4> 

https://www.youtube-nocookie.com/embed/p9qCB20a_mU?rel=0&autoplay=0&showinfo=0&enablejsapi=0

Quelle: https://hermannploppa.substack.com/p/argentiniens-prasident-milei-in-der

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Neu von Hermann Ploppa: Der Neue Feudalismus – Privatisierung, Blackrock, Plattformkapitalismus. Marburg 2025

Hermann Ploppa

Hermann Ploppa, Jahrgang 1952, ist Politologe und Publizist. Er hat zahlreiche Artikel über die Eliten der USA veröffentlicht, unter anderem über den einflussreichen Council on Foreign Relations. 2008 veröffentlichte er „Hitlers Amerikanische Lehrer“, in dem er bislang nicht beachtete Einflüsse US-amerikanischer Stiftungen und Autoren auf den Nationalsozialismus offenlegte und öffnete bereits einem großen Publikum die Augen über die tatsächlichen Hintermänner des Diktators. Sein Bestseller „Die Macher hinter den Kulissen – Wie transatlantische Netzwerke heimlich die Demokratie unterwandern“ sorgt nach wie vor für angeregte öffentliche Diskussionen. Seine neueste Veröffentlichung „Der Griff nach Eurasien“ beschäftigt sich mit den Hintergründen des ewigen Krieges gegen Russland.

Ploppa widmet sich den tiefen Strukturen und komplexen Zusammenhängen in Bezug auf das eurasische Verhältnis. Wer hat Interesse, dass Europa und Asien nicht weiter zusammenwachsen? Was sind die Bestrebungen des US-Imperiums, wenn China derzeit zur neuen Weltmacht aufsteigt? Welche Mittel und Wege werden gefunden, um der Herzland-Theorie von Mackinder folgend, Europa und Asien ewig zu spalten? Hermann Ploppa ist bekannt für seine akribische Recherche und pointierte Interpretation historischer und politischer Ereignisse. Er bringt zusammen, was in der deutschen Medienlandschaft, vor allem auch im Hinblick auf die eigene Historie, komplett verdrängt wurde.

Disclaimer: Berlin 24/7 bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion Berlin 24/7 widerspiegeln. Wir bemühen uns, unterschiedliche Sichtweisen von verschiedenen Autoren – auch zu den gleichen oder ähnlichen Themen – abzubilden, um weitere Betrachtungsweisen darzustellen oder zu eröffnen.

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