Am Freitag dem 23. Januar tagte auf Schloss Döbbelin bei Stendhal der „Bismarck Dialog“. Im Ergebnis wurde folgende Erklärung verabschiedet:
Eine Erklärung von Alexander von Bismarck und Michael von der Schulenburg

Uns eint die feste Überzeugung, dass wir alles daransetzen müssen, die Würde jedes Menschen zu wahren und künftige Kriege zu verhindern. Mit der UN-Charta haben sich alle Staaten der Welt und mit der Charta von Paris zusätzlich alle Staaten Europas, die USA und Kanada verpflichtet, ihre Konflikte durch Verhandlungen und Diplomatie friedlich zu lösen.
Diplomatie ist somit kein bloßer Idealismus, sondern eine rechtliche Pflicht und das Fundament der internationalen Ordnung. Konfrontation widerspricht diesen Normen und untergräbt die Legitimität des internationalen Systems.
Diplomatie zielt darauf ab, Eskalationen zu verhindern und gemeinsame Lösungen zu finden. Konfrontation hingegen führt häufig zu Eskalationsspriralen, die schwer kontrollierbar sind. Vor allem Kriegsrhetorik ist der größte Feind der Diplomatie.
Im Falle des Ukraine-Krieges könnte eine direkte militärische Konfrontation zwischen NATO und Russland katastrophale globale Folgen haben. Diplomatie schafft hingegen Kanäle zur Deeskalation, auch wenn Fortschritte langsam verlaufen.
Deutschland kann seine Geschichte nicht ausblenden, sie gehört zur Realität. Die deutsche Ostpolitik wurde verstanden als Europas Stabilität von Dialog, Rüstungskontrolle, Wirtschaftsbeziehungen und der Achtung der legitimen Sicherheitsinteressen Russlands. Dahin müssen wir wieder zurückkommen. Wir brauchen endlich eine europäische Sicherheitsarchitektur.So könnte sich eine diplomatische Lösung des Ukrainekrieges – wie sie kürzlich von einer deutschen Gruppe eminenter Experten aus Militär, Politik und Diplomatie (Harald Kujat, Peter Brandt, Hajo Funke, Johannes Kotz, Horst Teltschik und Michael von der Schulenburg) vorgeschlagen wurde – auf drei grundlegende Verhandlungsziele konzentrieren:
Dem Aufzeigen möglicher Lösungswege für die zentralen Konfliktpunkte,
die – bei ausreichender Kompromissbereitschaft aller Seiten – geeignet wären, den Krieg zu beenden.
Der Sicherung des Fortbestands der Ukraine als souveräner, unabhängiger und funktionsfähiger europäischer Staat,
um der Bevölkerung nach vier Jahren eines grausamen Krieges wieder Hoffnung auf eine Zukunft zu geben.
Einer Schaffung der Grundlagen für eine gesamteuropäische Sicherheits- und Friedensordnung,
die sowohl die Sicherheitsinteressen Russlands als auch jene der Ukraine berücksichtigt.
Auch Sanktionen gegen Großmächte nützen niemandem aber schaden allen. Sanktionen haben, auch das zeigt die Geschichte, nie ihren Zweck erfüllt. Gerade Deutschland – aus ihrer Geschichte heraus – könnte hier eine Schlüsselrolle als Vermittler einnehmen, indem es diplomatische Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und internationalen Akteuren unterstützt.
Die Charta von Paris legt großen Wert auf Zusammenarbeit, Transparenz und Sicherheit durch gemeinsame Institutionen. Deutschland kann dies verstärken, Dialogforen initiieren, um Vertrauen zwischen Konfliktparteien zu fördern. Die Charta von Paris betont die Unteilbarkeit der Sicherheit in Europa.
Deutschland kann auf diplomatischem Wege an einem Sicherheitsarchitektur-Model arbeiten, das legitime Sicherheitsinteressen Russlands, der Ukraine und der EU berücksichtigt. Verhandlungen mit dem Gegner über bestehende Konflikte lohnen sich und sind keineswegs ein Zeichen von Schwäche, wie heute behauptet wird. Sie müssen aber ernsthaft und aufrichtig geführt werden.
Dass sich eine Kriegspolitik nicht auszahlt, sollten wir Deutschen aufgrund unserer Geschichte besser wissen als alle anderen. Gerade in diesen Zeiten geopolitischer Spannungen stellt eine Politik, die sich von der UN-Charta leiten lässt, eine reale politische Alternative dar und könnte Deutschland helfen, einen Weg zurück zu einer Friedenspolitik zu finden.
Wahre Diplomatie bedeutet, Konflikte zu verhindern, bevor sie entstehen.
Döbbelin, 23. Januar 2026
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