Trumps autoritär-elitärer „Friedensrat – Wird die UNO überflüssig? Teil 1

Am 19. Februar 2026 fand in Washington unter Leitung des US-Präsidenten Donald Trump der erste Gipfel des von ihm initiierten „Friedensrats“ (Board of Peace) statt. (1) Im Vorfeld hatte Trump den ehemaligen, wegen Kriegsverbrechen umstrittenen britischen Premier Tony Blair sowie mehrere enge Verbündete und Experten in seinen „Friedensrat“ berufen. (2)

Ein Beitrag von Wolfgang Effenberger

US-Präsident Donald Trump beantwortet Fragen von Reportern. Foto dpa

Zu den Kernmitgliedern gehören:

Tony Blair, Ex-Premierminister Großbritanniens.

Marco Rubio, US-Außenminister.

Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn und Berater.

Steve Witkoff, US-Sondergesandter für den Nahen Osten.

Ajay Banga, Weltbank-Präsident.

Marc Rowan, CEO von Apollo Global Management.

Robert Gabriel, Nationaler Sicherheitsrat der USA.

Weitere Mitglieder sind Nickolay Mladenov (bulgarischer Diplomat), Hakan Fidan (türkischer Außenminister) und Hassan al-Thawadi (katarischer Diplomat), sowie Vertreter aus Ägypten, den VAE und der UN (z. B. Sigrid Kaag). Später stießen Länder wie Indonesien, Saudi-Arabien, Türkei und Israel, dazu oft mit Beiträgen ab einer Milliarde Dollar. (3)

Das Treffen formalisierte die Struktur des Gremiums mit über 20 Mitgliedsländern –

Trump konnte Staatschefs wie Viktor Orbán (Ungarn), Javier Milei (Argentinien), den FIFA-Chef Gianni Infantino (Italien) sowie Vertreter aus Saudi-Arabien, VAE, Türkei und Indonesien begrüßen. Deutschland war durch einen hochrangigen Beobachter vertreten. (4)

Ausgehend vom 20-Punkte-Friedensplan für Gaza vom Oktober 2025 – unter Punkt 9 wurde explizit die Leitung des Wiederaufbaus durch einen Friedensrat unter Trump festgeschrieben – diente der Gipfel als Geberkonferenz für den Wiederaufbau des Gazastreifens nach einem Waffenstillstandsabkommen; erhebliche Ressourcen für Gaza wurden mobilisiert: Über 7 Milliarden US-Dollar insgesamt, darunter 1 Milliarde Dollar von Katar, 1,2 Milliarden von den VAE sowie Beiträge aus Albanien, Aserbaidschan, Bahrain, Jordanien, Kuwait, Marokko, Saudi-Arabien und Usbekistan. (5) 

In seiner vollständigen Rede am Board of Peace Summit am 19. Februar 2026  geißelte Tony Blair in Washington Gazas Regierung als „geprägt von Extremismus, Korruption und ineffektiven Institutionen“ (characterized by extremism, corruption, ineffective institutions) und forderte einen Neubau „nicht so wie es war, sondern so wie es sein sollte“ (not as it was but as it should be) mit neuen Institutionen, Wirtschaft und Bildung unter westlicher Leitung. Er stellte die Palästinenser als unfähig dar, ihr „vast potential“ (junge Bevölkerung, Lage) nutzen zu können – ohne Erwähnung historischer Ursachen wie Blockade oder Besatzung.

Im arabischen Raum dürfte unvergessen sein:

            Zerstörung des Flughafens in Gaza durch Israel (2001)

            Blockade der Seehäfen

            Unregelmäßige Bombardierungen…

Kritiker wie britische Abgeordnete verglichen dies direkt mit Kolonialismus: Blair als „Überwacher“ für eine „technokratische Regierung“, ähnlich Kosovo oder Osttimor. Die Rede ignoriert palästinensische Selbstbestimmung, betont stattdessen westliche „Effektivität“ und Prosperität – ein Topos des 19.-Jahrhunderts („White Man’s Burden“). (6)

Weiter lag der Fokus auf Stabilisierung inklusive Entwaffnung der Hamas und israelischem Truppenabzug, mit Plänen für eine internationale Gaza-Stabilisierungstruppe. (7)

Dafür boten Indonesien bis zu 8.000 Soldaten, Ägypten die Ausbildung palästinensischer Polizei und Kasachstan medizinische Einheiten sowie Beobachter und 500 Stipendien für palästinensische Studenten an.

Darüber hinaus kündigte Trump die langfristige Erweiterung auf andere „Hotspots“ an und betonte die Kooperation mit der UN. Diese als „historisch“ gefeierten Ergebnisse demonstrieren zwar Trumps Führungs-Fähigkeit, schnelle multilaterale Zusagen zu sichern; sie bleiben aber vage in ihren Umsetzungsdetails. (8) So markiert dieser erste Gipfel Trumps Versuch, eine parallel zur UN laufende Plattform für Konfliktlösungen zu etablieren. Kritiker sehen darin eine Konkurrenz zu den Vereinten Nationen; (9) Spannungen mit UN-Strukturen sind nur eine Frage der Zeit. (10)

Der „Friedensrat“, der inzwischen auch von anderen Ländern als Rivalin zum UN-Sicherheitsrat wahrgenommen wird, entstand schon wenige Wochen nach Trumps 20-Punkte-Friedensplan im November 2025 mit UN-Segnung durch Resolution 2803– Russland und China enthielten sich. Trump positioniert ihn als effizientere Alternative, die US-Zentralität betont und UN-Bürokratie umgeht. (11)

Kritik entzündet sich auch daran, dass der Rat über Gaza hinausgeht – Frankreich lehnt ihn aus Angst vor Verletzung von UN-Grundsätzen ab; Norwegen und Schweden zögern bei den Beitrittsbedingungen. Trump konterte mit Drohungen wie 200% Zöllen auf französischen Wein und unterstrich seinen „America First“-Ansatz. Im Gegensatz zur UN, die universell und konsensorientiert agiert, wirkt der Rat als „imperiales Gericht“ unter US-Dominanz, was Allianzen belastet und die UN potenziell schwächt. (12)

Bisher blieb die UN offiziell zurückhaltend; sie erkennt Erfolge an, blockt aber Ausweitungsversuche – ein Balanceakt zwischen Pragmatismus und Schutz der UN-Ordnung. (13)

UN-Generalsekretär António Guterres äußerte sich kurz nach der Gründung des „Friedensrats“ im Januar 2026 indirekt und zurückhaltend, ohne ihn namentlich zu benennen und unterstrich die alleinige Befugnis des UN-Sicherheitsrats, Gewaltanwendungen zu genehmigen und Völkerrecht durchzusetzen. Während sich Trump dominierende Befugnisse einräumt (Vorsitz, Einladungen, Vetorecht), positioniert Guterres die UN als unverzichtbare multilaterale Instanz gegenüber US-zentrierten Alternativen. Diese Haltung spiegelt die UN-Linie wider: Pragmatische Kooperation bei Gaza-Zusagen willkommen, aber klare Abgrenzung gegen Parallelstrukturen, die die UN-Legitimität unterlaufen könnten. Guterres vermeidet direkte Konfrontation, signalisiert aber Wachsamkeit. (14)

Guterres kritisiert weltweit eklatante Verstöße gegen die UN-Charta und die Missachtung internationaler Regeln, die für alle Staaten – ob groß oder klein – gleichermaßen gelten. (15)

So führten 1999 USA/NATO ihr 78-tägiges Bombardement Jugoslawien (Serbien und Montenegro) ohne UN-Mandat, ein eindeutig völkerrechtswidriger Angriffskrieg. Seither verzichteten die USA bei den folgenden Kriegen (Irak, Libyen, Syrien…) auf ein Mandat, mandatieren sich seither ihre als „Interventionen“ deklarierten Angriffskriege selbst und schufen als Ersatz die von Washington vorgegebene „regelbasierte internationale Ordnung“. Die UN-Charta und das Gewaltverbot der UN sind seit 1999 obsolet geworden. 

Anmerkungen und Quellen

1)https://www.n-tv.de/der_tag/Der-Tag-am-Donnerstag-den-19-Februar-2026-id30379278.html

2)https://www.tagesschau.de/ausland/asien/gaza-friedensrat-mitglieder-100.html

3)https://www.deutschlandfunk.de/trumps-friedensrat-was-von-der-ersten-sitzung-zu-erwarten-ist-100.html

4)https://www.deutschlandfunk.de/deutschland-auf-hoher-beamtenebene-bei-morgiger-zusammenkunft-von-trumps-friedensrat-100.html

5)https://alexanderdugin.substack.com/p/the-5-poles-of-the-trumped-west

6)https://www.tagesschau.de/ausland/asien/nahost-grossbritannien-blair-100.html

7)https://unn.ua/en/news/end-of-the-un-what-is-trumps-peace-council-and-what-is-it-for

8)https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-trump-friedensrat-102.html

9)https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-trump-friedensrat-102.html

10)https://unn.ua/en/news/end-of-the-un-what-is-trumps-peace-council-and-what-is-it-for

11)https://www.theguardian.com/us-news/2026/jan/20/trumps-board-of-peace-is-an-imperial-court-completely-unlike-what-was-proposed

12)https://unn.ua/en/news/end-of-the-un-what-is-trumps-peace-council-and-what-is-it-for

13)https://dgvn.de/meldung/gruendung-eines-sogenannten-friedensrats-unter-us-fuehrung-und-deren-auswirkungen-auf-das-multilaterale-system

14)https://www.dw.com/de/trump-usa-friedensrat-board-of-peace-bop-un-vereinte-nationen-gaza-israel-nahost-friede-voelkerrecht/a-75567954

15)https://www.stern.de/news/nach-gruendung-von-trumps–friedensrat—guterres-betont-bedeutung-des-un-sicherheitsrats-37078676.html

16)https://www.democracywithoutborders.org/de/40346/trumps-friedensrat-in-der-kritik-kein-tragfaehiges-modell/

17)https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/trump-friedensrat-104.html

18)https://www.focus.de/die-debatte/erpressung-ist-die-neue-diplomatie-leser-lehnen-trumps-friedensrat-ab_ef7f2ed8-8629-4ed8-9756-0c363b0b07b7.html

19)https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-02/board-of-peace-donald-trump-friedensrat-washington

20)https://www.washingtonpost.com/national-security/2025/08/31/trump-gaza-plan-riviera-relocation/

21)https://www.globaltimes.cn/page/202508/1342199.shtm

22)https://theconversation.com/trump-plans-to-permanently-resettle-palestinians-outside-gaza-the-very-reason-unrwa-was-originally-created-249185

23)https://www.washingtonpost.com/national-security/2025/08/31/trump-gaza-plan-riviera-relocation/

24)https://theconversation.com/trump-plans-to-permanently-resettle-palestinians-outside-gaza-the-very-reason-unrwa-was-originally-created-249185

25)https://www.deutschlandfunk.de/laith-arafeh-palaestinensischer-botschafter-interview-100.html

26)https://www.fr.de/politik/land-palaestinenser-in-deutschland-das-ist-nicht-mehr-mein-93337073.html

27)https://www.washingtonpost.com/national-security/2025/08/31/trump-gaza-plan-riviera-relocation/

28)https://www.globaltimes.cn/page/202508/1342199.shtml

29)https://alexanderdugin.substack.com/p/the-5-poles-of-the-trumped-west

30)https://www.arktosjournal.com/p/the-5-poles-of-the-trumped-west

31)https://alexanderdugin.substack.com/p/the-5-poles-of-the-trumped-west

32)https://www.arktosjournal.com/p/the-5-poles-of-the-trumped-west

33)https://www.arktosjournal.com/p/the-5-poles-of-the-trumped-west

34)https://www.multipolarpress.com/p/the-irreversible-split-of-the-west

35)https://www.arktosjournal.com/p/war-is-ahead-of-us

36)https://www.novinky.cz/clanek/valka-na-ukrajine-trump-rozdelil-zapad-na-pet-casti-tvrdi-dugin-rusko-by-toho-podle-nej-melo-vyuzit-40562429

37)https://www.multipolarpress.com/p/the-irreversible-split-of-the-west

38)https://alexanderdugin.substack.com/p/the-5-poles-of-the-trumped-west

39)https://hpd.de/artikel/trump-revolution-23034

40)https://uncutnews.ch/trump-hat-den-westen-in-fuenf-teile-gespalten/

41)https://alexanderdugin.substack.com/p/the-5-poles-of-the-trumped-west

42)https://dgvn.de/meldung/gruendung-eines-sogenannten-friedensrats-unter-us-fuehrung-und-deren-auswirkungen-auf-das-multilaterale-system

43)https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-02/friedensrat-donald-trump-mitglieder-kritik-fa

44)https://www.saluut.de/pdf/Trumpismus-von-Dugin.pdf

Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete “atomare Gefechtsfeld” in Europa. Während seiner Verwendung als Wirkungsberater bereitete Effenberger vor allem nach Vorgabe des scharfen General Defense Plans (Ausschnitt bayerische Grenze zur damaligen Tschechoslowakei) Befehle für den Kriegsfall aus und studierte abends zum Ausgleich an der Hochschule für Politik. Mit der Einsicht in die geplante Vernichtungsorgie entschloss er sich, 1976 aus der Bundeswehr auszuscheiden. An der TU studierte er Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020) sowie “Die unterschätzte Macht” (2022).

Disclaimer: Berlin 24/7 bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion Berlin 24/7 widerspiegeln. Wir bemühen uns, unterschiedliche Sichtweisen von verschiedenen Autoren – auch zu den gleichen oder ähnlichen Themen – abzubilden, um weitere Betrachtungsweisen darzustellen oder zu eröffnen.

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