Das Dreigestirn europäischer Schäbigkeit

Schlussendlich muss man sagen, dass der Iran richtig lag: Eine Atombombe hätte wohl weitergeholfen. Und die westeuropäischen Stooges werden von Mal zu Mal lächerlicher.

Ein Kommentar von Roberto J. De Lapuente

Drei Stooges, KI-generiert
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Israel und die Vereinigten Staaten haben also den Iran angegriffen – überfallen, wie man auch sagen könnte. Rechtfertigt wird das in (libertären) deutschen Kreisen damit, dass man endlich Schluss machen musste mit den Mullahs und der menschenverachtenden Art, wie sie ihr Land führten. Dass uns das in unseren Gefilden kümmern sollte, ist tatsächlich überraschend. Souveränität beinhaltet auch, dass andere Völker ihr Land so bestellen dürfen, wie es ihnen beliebt – ob das in anderen Teilen der Welt gefällt, nun ja, das ist eher von geringem Interesse.

Es ist erstaunlich, dass es nun in der deutschen Öffentlichkeit dieselben Stimmen laut werden, die bis neulich noch den moralistischen Kurs der deutschen Außenpolitik unter der Obergrünen aus New York monierten, die nun aber die Ethik im Kampf gegen den Iran für sich entdeckt haben – sie irren sich freilich, sie sind nur die andere Seite der Medaille namens Doppelmoral. Der Iran muss uns im Inneren nun wirklichen nicht zusprechen – aber da wir uns hierzulande nicht im Inneren jenes Landes befinden, hat uns das nicht zu kümmern. Das ist kaltherzig gegenüber den Opfern jenes Regimes – aber es ist, wie es ist. Sich gegen einen Angriff von außen zu wehren, das wissen wir nun auch seit dem letzten Wochenende, ist im Augenblick lediglich ein Verbrechen, das gerügt werden muss – während der Angreifer, der aus dem Nichts losschlägt, doch bitte unbehelligt bleiben soll.

Die drei Stooges 

So jedenfalls lässt sich das Dreigestirn Westeuropas zitieren. Jene seltsamen Herren, die wie Drillinge auf das internationale Parkett treten. Tick, Trick und Track einer westeuropäischen Außenhaltung, die sogar den Brexit überwunden hat: Friedrich Merz, Emmanuel Macron und der Keir Starmer. Zielsicher weiß diese Trias stets, welchen intellektuellen Slapstick sie als nächster veranstaltet. So wie nun, als man den Iranern die Situation in der Art und Weise eines übergriffigen Onkels erklärte, der seinem Opfer ins Ohr säuselt, es solle sich doch nicht wehren – denn es sei besser für das Opfer, wenn es stillhält und es einfach über sich ergehen lässt. Darauf muss man erstmal kommen, dem Überfallenen das Recht auf Widerstand abzuerkennen – das haben sich bislang nicht mal all jene getraut, die die Sache der Russen in der Ukraine nicht ganz so einseitig sahen, diejenigen, die man gemeinhin als »prorussisch« bezeichnet. Dass die Ukraine sich wehren dürfe, stand auch für sie außer Frage.

Diese drei Herren, die nun ständig als Dreierkette zitiert werden und die sich auch mit Vorliebe so zeigen, erinnern zunehmend an diese Blödeltruppe, die von den Dreißigern an, bis tief hinein in die Fünfziger vor allem das US-amerikanische Publikum unterhielt. Die drei Stooges nannten sie sich. Sie verbreiteten Chaos, neigten zu Grimassen und übertriebenen Reaktionen und fielen teils durch Gaga-Sprache aus der Rolle bürgerlicher Anständigkeit – es ist an und für sich nur konsequent, dass die erwähnten drei Staatsmännlein an diese Stooges erinnern. Das Wort hat übrigens mindestens zwei Bedeutungen. Erstens: es bedeutet ganz lapidar »Depp« oder »Tölpel«. Oder aber, das ist zweitens, man ist a stooge of the boss, also ein Handlanger des Chefs. Beiden Bedeutungen könnte man im Bezug auf die genannten Herren etwas abgewinnen – wobei festzuhalten ist, dass der Autor dieser Zeilen das sehr verurteilt, er will schließlich nicht morgens aus dem Bett geklingelt werden.

Westeuropa gefällt sich zunehmend in der Pose der Entschlossenheit – und dies je weniger man den westlichen Teil des Kontinents eigentlich noch wahrnimmt. Wer könnte denn den Bedeutungsverlust bei gleichzeitiger Belanglosigkeit trefflicher abbilden, als dieses Dreigestirn? Morgen erklären dieselben Herren dann, dass die Selbstverteidigung der Ukraine nicht nur berechtigt ist, sondern uns auch was kosten darf – Geld, Material, Söhne. Aber die Iraner, die wir natürlich nicht unterstützen – warum auch? – sollten es sich gefallen lassen. Glauben diese drei Figuren eigentlich, dass man im Rest der Welt nicht wahrnimmt, welche Komödie hier inszeniert wird? Und wie schäbig sich der westliche Teil des europäischen Kontinents benimmt? Diese Stooges, diese Handlanger und Vasallen, wollen zwar beständig Westeuropa verteidigungsfähig machen und damit emanzipieren, sind aber nicht in der Lage, nach einem solchen weltgeschichtlichen Ereignis wie am letzten Wochenende, eine eigene Position zu beziehen. Ein Foto dieser drei Regierungschefs wird in 50 Jahren das allgemein akzeptierte historische Sinnbild für den intellektuellen und sittlichen Verfall des alten Europas sein, der sich – aus künftiger Sicht – damals ereignete.

Es braucht halt doch eine Atombombe

Es drängt sich außerdem leider etwas sehr Unangenehmes auf in diesen Tagen. Ein Gedanke, der nahelegt, dass die, die eine Atombombe fordern, nicht per se falsch liegen. Denn sagen wir so: Mit einer Atombombe wäre das dem Iran nicht widerfahren – Nordkorea weiß schon, warum es diese Waffe besitzt. Es spielt keine Rolle, wie sich die Situation in jenem fernen asiatischen Land wirklich darstellt, ob da einer sein Volk schlachtet oder nicht: eine Atommacht überfällt man nicht einfach so. Die Iraner wussten das und wollten das. Es wäre ihre Lebensversicherung gewesen. Die Geschehnisse des letzten Wochenendes zeigen nun, dass sie mit ihrem Bestreben nicht falsch lagen. Aber nun ist es zu spät.

Natürlich formierte sich mit dem Angriff auf den Iran – ich werde nicht sagen »völkerrechtswidrige Angriffskrieg«, denn dieses Völkerrecht, was soll das eigentlich sein? – dieselbe Frontlinie wie schon seit Jahren, wenn es in der Welt zu Konflikten und Krisen: Es bilden sich Teams in den sozialen Netzwerken und man lebt seine Wut auf Andersdenkende aus. Wer freilich von der Souveränität des Irans auch nur spricht, der ist ganz sicher und hundertprozentig ein Stooge der Mullahs, ein Sympathisant des Regimes. Und einen Bart hat der Autor ja auch! Ist das kein Beweis? Und wenn man dann auch noch zu müde ist, sich abgrenzen zu wollen, zu erklären, dass man natürlich wisse oder wenigstens ahne oder sich vorstellen könne, wie im Iran gelebt und gestorben wurde, dann scheint die Sache noch klarer. Und hat der Autor oben nicht eine iranische Atombombe gelobt? Es ist einfach bloß noch müßig, Differenziertheit nur noch unter Vorsagen einleitender Erklärungen ausleben zu dürfen.

Die innere Konstitution des Iran ist doch nicht das Thema. Schon gar nicht das Thema der Angreifer, auch wenn sie das jetzt so raushängen lassen. Der israelische Ministerpräsident tut im Moment ja so, als sei der der Garant für eine bessere iranische Zukunft. Und da die Mutter der Dummheit immer schwanger ist, glauben es selbstverständlich genug Menschen, sodass aus dem Unsinn eine Wahrheit werden könnte. Als Israeli würde ich mir allerdings Sorgen machen, wenn ein gewählter Vertreter – er ist doch gewählt, oder? – des Volkes die Zukunft eines anderen Volkes retten möchte und die Zukunft der eigenen Leute gefährdet. Denn sollte das zutreffen, dann hätte er seinen Auftrag nicht verstanden. Oder gerade deswegen doch? Nur trifft es eben nicht zu, den Mann kümmern iranische Frauen herzlich wenig – und das wissen auch alle. Es ist der Mumpitz, den jeder Kriegsführende erzählt, ja erzählen muss, um die unschuldigen Toten irgendwie zu rechtfertigen – und um Anton Hofreiter zu beeindrucken, der dann seine groteske Politikauffassung als Expertise bei phoenix austretendarf.

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
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