Während US-Präsident Donald Trump versucht, den Konflikt mit Iran als „schnellen Sieg“ zu verkaufen, spitzt sich die Situation zu. Der Krieg, den Trump ohne Kongress-Zustimmung begonnen hat, droht zu einem politischen und wirtschaftlichen Desaster zu werden.
Ein Beitrag von Rainer Rupp

In den letzten Tagen hat sich die Lage dramatisch verschärft: Eine US-Luftbetankungsmaschine ist über dem Irak abgestürzt, iranische Drohnen haben eine französische Basis getroffen, und die Golfstaaten distanzieren sich zunehmend von Washington.
Das US Central Command (CENTCOM) mit Sitz im deutschen Wiesbaden bestätigte letzten Donnerstag den Verlust eines KC-135-Stratotankers über dem West-Irak. Von den sechs Besatzungsmitgliedern wurden inzwischen vier tot geborgen, zwei werden noch vermisst. Die Maschine war Teil der Operation „Epic Fury“ gegen Iran. Die US-Militärführung spricht von einem Unfall ohne Feindeinwirkung – doch die iranisch gestützte „Islamic Resistance of Iraq“ beansprucht den Abschuss und meldet, dass sogar ein zweites Tankflugzeug zur Notlandung gezwungen worden sei. Es ist bereits der vierte bekannte Verlust bemannter US-Flugzeuge in diesem Krieg.
Gleichzeitig trafen iranische Drohnen eine gemeinsame Peshmerga-Französische-Basis in Makhmour bei Erbil (Nord-Irak). Mindestens sechs französische Soldaten wurden verletzt, ein französischer Offizier (Stabsfeldwebel Arnaud Frion) kam ums Leben. Präsident Emmanuel Macron verurteilte den Angriff als „inakzeptabel“. Eine italienische Basis in der Nähe wurde ebenfalls attackiert. Der Konflikt breitet sich damit weiter auf NATO-Partner aus.
Der Ölpreis bleibt extrem volatil. Die Straße von Hormus ist seit zehn Tagen faktisch blockiert – Irans neuer Oberster Führer Modschtaba Chamenei hat geschworen, sie als Druckmittel geschlossen zu halten. Gleichzeitig beteuert der iranische UN-Botschafter, Teheran wolle die Schifffahrt nicht behindern. Freundliche Schiffe (etwa nach China oder zu iranischen Häfen) dürfen offenbar passieren. US-Finanzminister Scott Bessent gab am Donnerstag in einem Sky-News-Interview zu: „Die US Navy allein schafft das nicht.“ Die USA bräuchten eine internationale Koalition, um Tanker zu eskortieren – „sobald es militärisch möglich ist“.
In den Golfstaaten wächst die Unruhe. Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate führen nach Reuters-Informationen ernste Gespräche über neue regionale Sicherheitsarrangements – nicht mehr primär mit den USA, sondern mit Iran. Die Golfstaaten fühlen sich durch den von den USA und Israel begonnenen Krieg destabilisiert und bezweifeln Washingtons Schutzzusage. Selbst mit der mächtigsten Armee der Welt habe Trump bewiesen, dass er nicht wisse, was er tue, heißt es hinter vorgehaltener Hand.
Trump selbst wirkt zunehmend nervös. NBC und andere Quellen berichten, er fürchte die Folgen für die Finanzmärkte und die Benzinpreise vor den Herbstwahlen. Der Präsident versuchte, die Preissprünge herunterzuspielen („If they rise, they rise“), doch die Börsen reagieren empfindlich. Gleichzeitig startete Iran eine Social-Media-Kampagne, die Trump als „Epstein-Präsident“ verspottet.
Auch Irans Oberster Nationaler Sicherheitsrat-Sekretär Ali Laridschani konterte scharf: „Trump träumt von einem schnellen Sieg. Einen Krieg anzufangen ist einfach – ihn zu gewinnen, das geht nicht mit ein paar Tweets. Wir werden nicht nachgeben und sie diese fatale Fehlkalkulation bereuen lassen. Trump muss zahlen!“
Bemerkenswert ist auch die Reaktion von Trumps Chef-Propagandistin Karoline Leavitt. Sie forderte die sofortige Rücknahme eines ABC-Berichts über iranische Bedrohungen gegen die USA – mit der Begründung, eine solche Gefahr habe „nie existiert“. Kritiker sehen darin ein unfreiwilliges Eingeständnis: Waren nicht genau solche Bedrohungen einer der offiziellen Kriegsgründe?
Die Lage spitzt sich weiter zu. In den letzten Stunden meldeten Quellen zusätzliche Drohnenangriffe auf US-Basen und steigende Spannungen in der Region. Während Trump von einem „fast beendeten“ Krieg spricht, zeigen die Fakten das Gegenteil: steigende Verluste, wachsende internationale Kritik und eine Weltordnung, die sich gerade neu formiert – zulasten der US-Dominanz im Nahen Osten.
Der Konflikt, den viele als „Trumps Krieg“ bezeichnen, hat längst globale Dimensionen angenommen. Ob Washington die Kontrolle zurückgewinnen kann, darf bezweifelt werden.
Rainer Rupp, Jahrgang 1945, arbeitete von 1977 bis 1989 für die Hauptverwaltung Aufklärung, die Auslandsspionage der DDR. Er war live dabei, als in den 80iger Jahren ein Atomkrieg geplant wurde. Rainer Rupp ist es zu verdanken, dass die NATO – Übung “Able Archer” 1983 nicht zum atomaren Armageddon führte. Er verhinderte es, als die Sowjetunion eine irrtümliche atomare Gegenreaktion auslöste. Er wurde von der BRD-Justiz 1994 wegen Landesverrats zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Er arbeitete unter dem Decknamen „Topas“ und war der wichtigste Spion des Warschauer Paktes im NATO-Hauptquartier. Seit seiner Entlassung arbeitet er als Publizist. Im März 2023 organisierte er in Berlin die Friedenskonferenz «Dialog statt Waffen» mit ehemaligen Generälen der Bundeswehr und der Nationalen Volksarmee.
Rainer Rupp ist Mitglied des Beirats des Deutschen Freidenker-Verbandes
Disclaimer: Berlin 24/7 bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion Berlin 24/7 widerspiegeln. Wir bemühen uns, unterschiedliche Sichtweisen von verschiedenen Autoren – auch zu den gleichen oder ähnlichen Themen – abzubilden, um weitere Betrachtungsweisen darzustellen oder zu eröffnen.







