Zerstörungen in Katar bescheren USA globale LNG-Dominanz

Ein Jackpot für die USA. Die Reparatur der zerstörten Flüssiggasanlagen in Katar wird bis zu fünf Jahre dauern. Nur die USA können kurz- und mittelfristig die Lücke auf dem LNG-Weltmarkt füllen. Den USA fällt die globale Gas-Herrschaft in den Schoß, mit weitreichenden geopolitischen Folgen.

Ein Beitrag von Rainer Rupp

shutterstock/GreenOAK

Die geopolitische Landkarte des globalen LNG-Markts hat sich in den letzten Wochen radikal verändert. Iranische Drohnenangriffe auf katarische LNG-Anlagen, massive Schäden an Produktionssträngen und die unbefristete Blockade der Straße von Hormus haben Katar in eine tiefe Krise gestürzt. Was auf dem internationalen Gasmarkt bisher als Zweikampf zwischen Katar und den USA um die Vorherrschaft im LNG-Exportgeschäft galt, ist seit Beginn des brutalen, unprovozierten und völkerrechtswidrigen US-israelischen Angriffskriegs gegen Iran zu einem eindeutigen US-Sieg geworden. Nachdem Israel und die USA zuvor Irans LNG-Gasanlagen von Pars bombardiert hatten, haben Irans Vergeltungsangriffe auf die LNG-Anlagen von Katar der US-amerikanischen LNG-Industrie den Jackpot beschert.

Damit sind bereits nach den ersten drei Wochen dieses US-Angriffskriegs die Aktionäre von zwei mächtigen US-Industriebranchen – Rüstung und Öl und Gas –, die beide bedeutende Wahlkampfspender für Donald Trump waren – sehr viel reicher geworden. Ohne dass sie etwas hätten dazutun müssen, fiel ihnen der zusätzliche Reichtum wie das biblische Manna vom Himmel in den Schoß. Böse Zungen und Verschwörungstheoretiker, die gerne „dem Geld folgen“, würden jetzt behaupten, dass das alles eine abgekartete Sache war: Dass mit der Zerstörung iranischer Gasanlagen von Anfang an auch die Eliminierung des US-Konkurrenten in Katar beabsichtigt war.

Denn Teheran hatte eindeutig gewarnt, dass auf eine Zerstörung seiner Pars-Gasanlagen die sofortige Zerstörung der Gasanlagen in Katar folgen würde. Und da China bisher der größte Abnehmer von iranischem Gas aus Pars war, für das es so schnell keinen Ersatz gibt, haben die Kriegstreiber in Washington auch der chinesischen Wirtschaft einen schweren Schlag zugefügt. Das könnte der Grund sein, warum Trump auf einmal nichts mehr mit dem Angriff auf Pars zu tun haben will und behauptet, die Israelis hätten das ohne Abstimmung mit ihm getan. Dagegen behaupten Benjamin Netanjahu und die Regierung Israels, das Gegenteil.

Analysten von „Criterion Research„, einer auf die Entwicklungen im globalen Gasmarkt spezialisierten Unternehmensberatungsgesellschaft, haben nach den iranischen Angriffen auf Katars Gasanlagen eine erste Einschätzung der Lage an ihre Kunden geschickt, wonach sich die LNG-Gas-Exporte der USA bis zum Jahr 2030 fast verdoppeln werden – mit erheblichem weiteren Aufwärtspotenzial in den 2030er-Jahren. Die Lücke, die Katar hinterlässt, sei so groß, „dass sie den Markt für ein Jahrzehnt umstrukturieren wird“.

Für bis zu fünf Jahre Desaster in Katar

Der Chef der „QatarEnergy“-Gesellschaft, die die LNG-Anlagen betreibt, ein Herr Saad al-Kaabi, hat die Lage schonungslos beschrieben. Demnach haben die jüngsten iranischen Angriffe zwei von 14 Produktionssträngen und eine der beiden Verflüssigungsanlagen zerstört. Die Reparaturen würden „drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen“. In dieser Zeit würden pro Jahr 12,8 Millionen Tonnen LNG Exporte von Katar ausfallen.

Die finanziellen Folgen seien verheerend: „20 Milliarden US-Dollar“ an entgangenen Jahreseinnahmen. Doch das wäre nur der Anfang. Teile der Anlage standen bereits nach einem früheren iranischen Drohnenangriff still. Die neuesten Treffer verursachten „erhebliche Brände und umfangreiche weitere Schäden“. Katar muss nun für bis zu fünf Jahre „Force Majeure“ auf langfristige Lieferverträge erklären – vor allem gegenüber Kunden in Westeuropa und Asien. Die Exporte von Gas-Kondensat würden um fast ein Viertel einbrechen.

Noch dramatischer wird die Versorgungslage, wenn man sie vor dem Hintergrund der blockierten Straße von Hormus sieht. Selbst bei einer nominellen Wiedereröffnung wird es laut Experten Monate oder Jahre dauern, bis Reeder und Versicherer wieder normale Transite riskieren. Denn in einem Konflikt ohne absehbares Ende bleibt diese Schifffahrtsroute ein permanentes Risiko. Keine Ingenieurskunst, kein Militär und keine Diplomatie lösen dieses Problem kurzfristig.

Auch die Perspektive für LNG-Gas-Exporte aus Katar für die Zeit nach dem Jahr 2030 ist laut „Criterion Research“ düster, denn das North-Field-Expansionsprogramm – das Herzstück von Katars Ambitionen – sei „ebenfalls tot“. In drei Phasen sollten dort die Kapazitäten bis zum Jahr 2030 auf 142 Millionen Tonnen angehoben werden. Nun stünden alle Projekte auf unbestimmte Zeit still. Zusammengenommen entstünde demnach eine Versorgungslücke von „über 100 Millionen Tonnen pro Jahr bis in die frühen 2030er-Jahre“. Kein anderer Produzent könnte „diese Menge in absehbarer Zeit ersetzen“.

USA übernehmen die globale LNG-Herrschaft

Die USA waren schon vor den zwei jüngsten US-Angriffskriegen gegen Iran auf Expansionskurs. Die Firma „Golden Pass LNG“ befindet sich in der Inbetriebnahme: Weitere Großprojekte wie Port Arthur und Rio Grande LNG sind für das Jahr 2027 geplant. Allein diese Projekte sollen bis zum Jahr 2033 etwa „39 Milliarden Kubikfuß pro Tag“ LNG erreichen – das entspricht einer Verdopplung der aktuellen Exportkapazität. Es ist zu erwarten, dass diese und weitere Projekte durch die neue dringliche Nachfrage massiv beschleunigt werden. Die USA haben das Kapital, die Genehmigungen und die Infrastruktur, während Katar nur auf Trümmern und Unsicherheit sitzt. Dennoch wachsen auch die US-amerikanischen Bäume nicht in den Himmel, denn das Volumen der zusätzlichen Nachfrage wird vom relativen Preis von Gas zu anderen Energieträgern abhängen.

Die zukünftige Nachfrage ist der Knackpunkt

Ob die Welt die zusätzliche Gasproduktion der USA wirklich aufnimmt, hängt vom Preis ab. Mit Blick auf die nächsten Jahre hinkt laut „Criterion Research“ zum Beispiel in Süd- und Südostasien der Ausbau von Re-Gasifizierung-Terminals von LNG und entsprechenden Gasnetzen massiv hinterher. Dieser Ausbau dürfte jetzt durch hohe Gaspreise, knappe Staatskassen und die zunehmende Attraktivität erneuerbarer Energien zusätzlich gebremst werden. Ohne diese Infrastruktur wird es jedoch weder in den späten 2020er-Jahren noch in den frühen 2030er-Jahren bedeutende Abnehmer für US-Flüssiggas in Süd- und Südostasien geben.

Ironischerweise könnte der aktuelle LNG-Schock die Gaspreise sogar so hochtreiben, dass genau dieser Ausbau der LNG-Infrastruktur auch in Westeuropa verzögert wird. West-Europäische Gas-Futures sind bereits um bis zu 35 Prozent und mehr gestiegen und liegen nun mehr als doppelt so hoch wie vor dem US-Angriffskrieg.

Die große geopolitische Verschiebung

China, einer der größten LNG-Abnehmer aus dem Golf, steht vor einem Dilemma: Die Versorgung mit katarischem und iranischem LNG wurde abrupt unterbrochen. Russland kann kurzfristig die Lücke nicht füllen. Peking bleibt nichts anderes übrig, als auf US-LNG umzuschwenken – was Washington geopolitisch und wirtschaftlich enorm stärkt, aber auch nur kurzfristig.

Selten hat eine Versorgungskrise so perfekt mit dem Aufstieg eines Konkurrenten zusammengepasst. Katar kämpft mit physischen Schäden, Expansionsstopp und einer Blockade, die länger dauern könnte als der gesamte Konflikt. Die USA hingegen verfügen über eine liquide, gut finanzierte Projektpipeline und große Exportkapazitäten.

Die LNG-Dominanz der Vereinigten Staaten wird in den kommenden Jahren nahezu unausweichlich. Ob alle Projekte hohe Renditen erzielen, hängt davon ab, welche Nachfrage sich letztlich durchsetzt – und zu welchem Preis. Doch eines steht fest: Der globale LNG-Markt wird US-amerikanischer. Die Energieabhängigkeiten verschieben sich nach Westen. Westeuropa und Asien zahlen den Preis – in Form höherer Rechnungen, größerer Abhängigkeit und strategischer Schwäche. Vor diesem Hintergrund bekommen die Pipelines, die über Land russisches Gas noch nach Asien pumpen werden, eine besondere Bedeutung.

Die West-Europäer müssen sich jetzt entscheiden, ob sie sich für die Zukunft weiterhin der politischen und wirtschaftlichen Willkür des US-Diktats unterwerfen wollen oder ob sie sich für eine stabile Partnerschaft mit Russland entscheiden. Die Tür in diese Richtung scheint laut Präsident Putins jüngsten Worten für die West-Europäer noch offen zu stehen, aber das wird nicht ewig der Fall sein. Auch hier drängt die Zeit und verlangt eine Entscheidung.

Ein erster Schritt wäre zum Beispiel, wenn die West-Europäer ihren ukrainischen Kriegsclown zurückpfeifen würden, der aktuell versucht, Westeuropa zusätzlich von noch verbliebener russischer Gasversorgung abzuschneiden. Vielleicht wird der Kiewer Clown von den USA besser bezahlt als von Brüssel. Denn die ukrainischen Drohnenangriffe richten sich gegen die russischen Gasexporte über die Pipelines „TurkStream“ und „Blue Stream“ nach Südosteuropa. Laut Unternehmensangaben von „Gazprom“ wurden allein im Zeitraum vom 17. bis 19. März die Pipeline-Kompressorstationen „Russkaja“, „Kossak“ und „Beregowaja“ wiederholt angegriffen. Auf die Station „Russkaja“ wurden laut Gazprom 22 Drohnenangriffe, auf „Kossak“ drei, und auf „Beregowaja“ einer registriert. Alle konnten abgewehrt werden. Doch wie lange wird es dauern, bis auch diese Pipelines getroffen werden?

Fazit:

Vor dem Hintergrund der Zukunft der globalen Gasversorgung, unter der West-Europa und besonders Deutschland leiden wird, versucht eine demokratisch nicht gewählte EU-Führungsclique in Brüssel, der Ukraine 90 Milliarden Euro auf Kosten westeuropäischer Steuerzahler zuzuschanzen, während das kriminelle Regime in Kiew tatkräftig versucht, die Pipeline zur Versorgung von EU-Mitgliedsländern mit russischem Gas wegzusprengen. Selbst in einem absurden Theaterstück käme man nicht auf eine solche abwegige Idee.

Rainer Rupp, Jahrgang 1945, arbeitete von 1977 bis 1989 für die Hauptverwaltung Aufklärung, die Auslandsspionage der DDR. Er war live dabei, als in den 80iger Jahren ein Atomkrieg geplant wurde. Rainer Rupp ist es zu verdanken, dass die NATO – Übung “Able Archer” 1983 nicht zum atomaren Armageddon führte. Er verhinderte es, als die Sowjetunion eine irrtümliche atomare Gegenreaktion auslöste.  Er wurde von der BRD-Justiz 1994 wegen Landesverrats zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Er arbeitete unter dem Decknamen „Topas“ und war der wichtigste Spion des Warschauer Paktes im NATO-Hauptquartier. Seit seiner Entlassung arbeitet er als Publizist. Im März 2023 organisierte er in Berlin die Friedenskonferenz «Dialog statt Waffen» mit ehemaligen Generälen der Bundeswehr und der Nationalen Volksarmee. 

Rainer Rupp ist Mitglied des Beirats des Deutschen Freidenker-Verbandes

Disclaimer: Berlin 24/7 bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion Berlin 24/7 widerspiegeln. Wir bemühen uns, unterschiedliche Sichtweisen von verschiedenen Autoren – auch zu den gleichen oder ähnlichen Themen – abzubilden, um weitere Betrachtungsweisen darzustellen oder zu eröffnen.

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