Operation Blind Fury – Trumps Iran‑Politik-Strategie oder Selbstzerstörung? Teil 3

Was im Washingtoner Sicherheits‑Establishment als harter Kurs und notwendige Abschreckung gefeiert wird, offenbart im Nahen Osten vor allem eine Politik, die sich mit jedem Schritt selbst konterkariert. Foreign-Affairs Artikel wie „How America´s War on Iran Backfired“ und der The Economist Titel „Operation Blind Fury“ legen nahe, dass die aktuelle US‑Linie gegenüber dem Iran nicht nur wenig Erfolg zeigt – sondern die eigenen Ziele untergräbt. Um Teheran einzuschüchtern, zeigen Trump und die US‑Administration theatralische Drohgebärden oder übertriebene militärische Stärke (sogenanntes militärisches Sabre‑Rattling), statt auf substanzielle, stabilisierende Diplomatie gegenüber dem Iran zu setzen.

Ein Beitrag von Wolfgang Effenberger

Strategische Konstanz und Scheitern

Diese Politik – von Sanktionen über Eindämmung bis zu Militärschlägen – zielte auf Regimewechsel oder Verhaltenstransformation, führte aber zu Irans Militarisierung, Proxy-Netzwerken und einer Zerstörung des Nuklearprogramms, wie aktuelle Analysen kritisieren. (33)

Roberts: Iran gewinnt propagandistisch und strategisch

Roberts argumentiert, dass Trump die USA zwischen zwei unerträgliche Alternativen stellt:

Entweder USA und Israel eskalieren weiter, was den Energie- und Finanzmarkt destabilisiert.

Oder die USA akzeptieren einen Waffenstillstand, der Iran weitgehend unverändert lässt und Israel nicht mehr vollständig freie Hand gibt. (34)
Er unterstreicht, dass der Iran genau diese Zwickmühle ausnutzt, um auf Dauer seine Bedingungen zu setzen.

Roberts bezeichnet die Darstellung der USA und Israels im Konflikt als propagandistisch stark verfälscht:

Die westlichen Medien würden den Iran als einseitig schuldhaft und aggressionsbereit darstellen, während die Verantwortung der USA und Israels für die Eskalation heruntergespielt werde. (35)

Die tatsächlichen Kosten des Krieges für die Weltwirtschaft, die Nahostbevölkerung und die Glaubwürdigkeit der USA würden populär nicht korrekt reflektiert. (36)

Roberts charakterisiert den Kriegsbeginn als strategisch und moralisch gescheitert:

Es gebe keine klare Begründung, die den Aufwand und die Gefahr eines größeren Krieges rechtfertige; stattdessen würden nationale Interessen und Öl‑ bzw. Machtpositionen als Entschuldigung missbraucht. (37)

Für Paul Craig Roberts ist Trumps Rede vom 11. März ein weiterer Schritt in einen falsch geplanten Krieg, der die USA in die Rolle eines Eroberers drängt, während Iran die moralische und, langfristig, auch die politische Initiative an sich zieht. Die eigentlichen „Gewinner“ seien nicht die militärischen Sieger, sondern diejenigen, die den Krieg als Legitimation für innere Repression und als Hebel in der geopolitischen Auseinandersetzung nutzen.

Paul Craig Roberts hat seine grundsätzliche Haltung zu Donald Trump nicht plötzlich von „pro Trump“ zu „gegen Trump“gewechselt, aber seine Einschätzung ist deutlich kritischer und differenzierter geworden, vor allem im Lichte des Kriegs mit dem Iran und von Trumps autoritären Tendenzen.

Roberts war von Beginn an kein einfacher Trump‑Supporter, sondern sah in ihm eher eine Chance, die aggressive US‑Außenpolitik zu bremsen – vor allem im Irak‑Erfolg und gegenüber China und Russland.

In seinen jüngeren Interviews (2025–2026) betont er aber zunehmend, dass Trump in der Praxis eine extrem kriegerische und expansionistische Rolle eingenommen habe, die eher der alten, von Washington-Lobbies gesteuerten Linie entspricht als seiner früheren „America First“ Rhetorik. „

2. Verstärkte Kritik nach dem Iran‑Krieg

Nach Trumps Kriegsrede und der Eskalation gegen den Iran wendet sich Roberts klar gegen die Strategie und spricht von einem „sinnlosen Krieg“, der die USA moralisch und strategisch schwächt, statt den Einfluss der Militär‑ und Kriegslobby zu brechen.

Er verknüpft Trumps Kurs nun weniger mit „anti‑Kriegs“ sondern mit einer Form von aggressiver, expandierender Kriegspolitik, die von Roberts gerade abgeschafft werden sollte.

3. Bleibende politische Nähe, aber andere Bewertung

Er bleibt inhaltlich ideologisch nahe bei Trumps Kritik an Globalismus, Eliten und ökonomischer Transferpolitik, etwa was Steuern, Schulden und Finanzsysteme angeht.

Roberts hat seine Haltung zu Trump also nicht vollständig umgekehrt, sondern verschärft und enttäuscht weiterentwickelt: Er kritisiert heute stärker die Kriegs‑ und Außenpolitik des Präsidenten, während er in innenwirtschaftlichen Fragen weiterhin nahe bei Trumps Kernkritik an Establishment Ökonomie bleibt. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt also nicht auf einer „Umkehr der Loyalität“, sondern auf der Erkenntnis, dass Trump sich in die Kriegslogik integriert hat, die Roberts eigentlich bekämpfen wollte

Internationale Reaktionen

Viele westeuropäische Regierungen äußern sich „besorgt“ bis „erschrocken“ und warnen vor einer Eskalation zu einem größeren regionalen Krieg; offizielle EU-Stellungnahmen betonen formal die Verpflichtung zum Völkerrecht und zur Nicht‑Eskalation, kritisieren aber die völkerrechtliche Debatte um die Notwehr‑ und Präventivschlag‑Einschätzung. (38)

USA und Israel beschreiben die Operation als „notwendigen, präzisen Präventivschlag“ gegen eine existenzielle Bedrohung und betonen gemeinsame militärische und strategische Interessen. (39)

Die Reaktionen der Arabischen und der Golf‑Staaten sind gemischt: Einige Staaten begrüßen eine Reduzierung der iranischen Macht geheimdienstlich oder indirekt, während andere öffentlich Zurückhaltung und Verurteilung von Gewalt zeigen, um nicht in die Konfliktspirale gezogen zu werden.

Russland und China verurteilen die Militärschläge als „Verletzung der Souveränität“ und „gefährliche Eskalation“, kündigen aber bisher keine unmittelbaren militärischen Kontermaßnahmen an; sie fordern de‑facto eine Rolle als „Garanten“ der internationalen Sicherheit.

Der Iran reagierte auf Trumps Äußerungen und die Ankündigung der Militäroperationen mit scharfer Verurteilung, Drohungen weiterer Vergeltung und einer klaren Kapitulationsverweigerung.

Die iranische Führung bezeichnete Trumps Drohungen und die Luftangriffe als „unrechtmäßige Aggression“ und „Verletzung der Souveränität“, die sie mit „entschlossener Verteidigung“ der eigenen Sicherheits- und Wirtschaftsinfrastruktur beantworten werde. (40)

Der iranische UN‑Botschafter sprach in New York von gezielter Zerstörung ziviler Infrastruktur und beklagte sich über US-Forderungen, bei der internen Nachfolgeregelung nach dem Tod des obersten Führers mitentscheiden zu wollen; Teheran sieht das als inakzeptable Einmischung. (41)

Militärsprecher und Revolutionsgarden betonten, der Iran werde „bestimmen, wann der Krieg endet“, und drohten mit Gegenangriffen – etwa auf Öl‑ und Gasanlagen von Staaten, die sich an der Blockade der Straße von Hormuz oder an Angriffen beteiligen. (42)

Offizielle Medien und Führungsfiguren stellten die eigene Fähigkeit zur Urananreicherung und zur regionalen Stärke als „unveräußerliches Recht“ dar, was eine grundsätzliche Zurückweisung der vom Iran verlangten Bedingungen unterstreicht. (43)

Der Iran lehnte zeitweise Gespräche über einevollständige Öffnung der Straße von Hormuz ab, solange die Angriffe andauern, und erklärte, ein Waffenstillstand sei erst möglich, wenn die Aggression beendet sei. (44)

Gleichzeitig verwendete Teheran die Rhetorik, dass der Krieg nur enden werde, „wenn der Feind seine Aggression bereut“ – eine Formulierung, die sowohl militärische Widerstandsfähigkeit als auch politische Selbstbehauptung signalisiert. (45)

Insgesamt zeigt die iranische Reaktion auf Trumps Aussagen eine Mischung aus Drohungen, Betonung eigener Rechte und einer klaren Abwehr jedes Szenarios der bedingungslosen Kapitulation, ergänzt durch den Versuch, die internationale Öffentlichkeit für die eigene Sicht zu gewinnen. (46)

Beide Artikel „How America´s War on Iran Backfired“ und „Operation Blind Fury“ kritisieren die US-Politik gegenüber dem Iran im Kontext eines laufenden Konflikts unter Präsident Trump. Sie wurden veröffentlicht, um strategische Fehlschläge aufzudecken und die Öffentlichkeit über unerwartete Konsequenzen aufzuklären.

Anmerkungen und Quellen

1)https://www.merriam-webster.com/wordplay/saber-rattling-word-history

2)https://www.economist.com/weeklyedition/2026-03-21

3)https://josricardomartins.substack.com/p/operation-blind-fury-war-in-iran

4)https://www.economist.com/briefing/2026/03/19/there-is-plenty-of-scope-for-the-iran-war-to-intensify

5)https://www.italianwinesandspirits.com/index.php/it/25-redazione/6655-read-the-economist-operation-blind-fury

6)https://www.linkedin.com/pulse/what-second-week-iran-war-bring-the-economist-bfeue

7)https://josricardomartins.substack.com/p/operation-blind-fury-war-in-iran

8)https://www.economist.com/briefing/2026/03/19/there-is-plenty-of-scope-for-the-iran-war-to-intensify

9)https://www.foreignaffairs.com/united-states/how-americas-war-iran-backfired?utm_medium=newsletters&utm_source=twofa&utm_campaign=How%20America%E2%80%99s%20War%20on%20Iran%20Backfired&utm_content=20260320&utm_term=N

10)https://omidsouresrafil.substack.com/p/the-ceasefire-fiasco-how-americas

11)https://diplomatizzando.blogspot.com/2026/03/trump-operation-blind-fury-economist.html

12)https://josricardomartins.substack.com/p/operation-blind-fury-war-in-iran

13)https://omidsouresrafil.substack.com/p/the-ceasefire-fiasco-how-americas

14)https://www.dohainstitute.org/en/PoliticalStudies/Pages/from-imperial-containment-to-catastrophe-why-the-us-israeli-strategy-against-iran-collapsed.aspx

15)https://diplomatizzando.blogspot.com/2026/03/trump-operation-blind-fury-economist.html

16)https://josricardomartins.substack.com/p/operation-blind-fury-war-in-iran

17)https://www.spiegel.de/ausland/iran-greift-usa-im-irak-an-wer-reagiert-wie-a-21be5f47-787e-466d-a33c-e8739688e3ff

18)https://www.zdfheute.de/politik/ausland/iran-israel-angriff-teheran-100.html

19)https://www.zdfheute.de/politik/ausland/iran-israel-angriff-teheran-100.html

20)https://www.spiegel.de/ausland/iran-greift-usa-im-irak-an-wer-reagiert-wie-a-21be5f47-787e-466d-a33c-e8739688e3ff

21)https://omidsouresrafil.substack.com/p/the-ceasefire-fiasco-how-americas

22)https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-03/angriff-usa-iran-israel-rekonstruktion-ueberblick

23)https://www.handelsblatt.com/politik/international/nahost-trumps-angriff-auf-iran-loest-debatte-im-us-kongress-aus/100204475.html

24)https://www.zdfheute.de/politik/ausland/usa-iran-angriff-kongress-trump-100.html

25)https://www.deutschlandfunk.de/der-shutdown-in-den-usa-und-die-politischen-folgen-100.html

26)https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/us-kongress-irankrieg-100.html

27)https://www.dw.com/de/die-usa-und-der-iran-eine-jahrzehntelange-feindschaft/a-51878178

28)https://de.euronews.com/2026/02/28/73-jahre-feindseligkeiten-usa-iran-konflikt

29)https://www.news.at/politik/usa-iran-beziehung-geschichte

30)https://www.sueddeutsche.de/politik/usa-iran-konflikt-1.4569478

31)https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/309946/von-verbuendeten-zu-erzfeinden/

32)https://omidsouresrafil.substack.com/p/the-ceasefire-fiasco-how-americas

33)https://www.dohainstitute.org/en/PoliticalStudies/Pages/from-imperial-containment-to-catastrophe-why-the-us-israeli-strategy-against-iran-collapsed.aspx

34)https://www.handelsblatt.com/politik/international/iran-krieg-trump-verschiebt-gipfeltreffen-mit-xi/100136895.html

35)https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Craig_Roberts

36)https://epub.sub.uni-hamburg.de/epub/volltexte/2025/192424/pdf/2023_DJ_1_23.pdf

37)https://epub.sub.uni-hamburg.de/epub/volltexte/2025/192424/pdf/2023_DJ_1_23.pdf

38)https://de.euronews.com/my-europe/2026/02/28/europa-reagiert-militarschlage-der-usa-israels-auf-iran

39)https://www.thepioneer.de/originals/others/articles/usa-greifen-iran-an-militaer-trump-washington-teheran-ansprache

40)https://www.deutschlandfunk.de/trump-fordert-bedingungslose-kapitulation-des-irans-102.html

41)https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-03/donald-trump-iran-gespraeche-ajatollah-ali-chamenei

42)https://de.euronews.com/2026/03/10/trump-iran-krieg-ende-drohung

43)https://www.deutschlandfunk.de/trump-fordert-bedingungslose-kapitulation-des-irans-102.html

44)https://www.tagesspiegel.de/internationales/liveblog/strasse-von-hormus-wird-sich-von-selbst-offnen-trump-lehnt-feuerpause-mit-dem-iran-ab-10586281.html

45)https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-03/donald-trump-widersprueche-irankrieg-zeitplan-motive

46)https://www.handelsblatt.com/politik/international/iran-krieg-trump-verschiebt-gipfeltreffen-mit-xi/100136895.html

Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete “atomare Gefechtsfeld” in Europa. Während seiner Verwendung als Wirkungsberater bereitete Effenberger vor allem nach Vorgabe des scharfen General Defense Plans (Ausschnitt bayerische Grenze zur damaligen Tschechoslowakei) Befehle für den Kriegsfall aus und studierte abends zum Ausgleich an der Hochschule für Politik. Mit der Einsicht in die geplante Vernichtungsorgie entschloss er sich, 1976 aus der Bundeswehr auszuscheiden. An der TU studierte er Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020) sowie “Die unterschätzte Macht” (2022).

Disclaimer: Berlin 24/7 bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion Berlin 24/7 widerspiegeln. Wir bemühen uns, unterschiedliche Sichtweisen von verschiedenen Autoren – auch zu den gleichen oder ähnlichen Themen – abzubilden, um weitere Betrachtungsweisen darzustellen oder zu eröffnen.

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