Operation Blind Fury – Trumps Iran‑Politik-Strategie oder Selbstzerstörung? Teil 4

Was im Washingtoner Sicherheits‑Establishment als harter Kurs und notwendige Abschreckung gefeiert wird, offenbart im Nahen Osten vor allem eine Politik, die sich mit jedem Schritt selbst konterkariert. Foreign-Affairs Artikel wie „How America´s War on Iran Backfired“ und der The Economist Titel „Operation Blind Fury“ legen nahe, dass die aktuelle US‑Linie gegenüber dem Iran nicht nur wenig Erfolg zeigt – sondern die eigenen Ziele untergräbt. Um Teheran einzuschüchtern, zeigen Trump und die US‑Administration theatralische Drohgebärden oder übertriebene militärische Stärke (sogenanntes militärisches Sabre‑Rattling), statt auf substanzielle, stabilisierende Diplomatie gegenüber dem Iran zu setzen.

Ein Beitrag von Wolfgang Effenberger

Mögliche Motive der Veröffentlichung

Journalistische Analysen wie diese dienen primär der kritischen Berichterstattung über US-Fehlentscheidungen, etwa fehlende klare Kriegsziele oder unzureichende Vorbereitung. Sie spiegeln eine Debatte wider, in der Medien wie „Foreign Affairs“ und „The Economist“ US-Strategien hinterfragen, um politisch Verantwortliche und Leser zu informieren – oft mit Fokus auf langfristige Risiken wie wirtschaftliche Stabilität und globale Märkte. Sensationswert und Timing (nach zwei Wochen Krieg) verstärken die Reichweite, ohne propagandistische Absichten zu belegen.

Die Motive hinter beiden Artikeln lassen sich recht klar einordnen – sie sind weniger „neutral beschreibend“ als vielmehr analytisch-kritisch und warnend angelegt.

Hier sind zentrale Beweggründe solcher Analysen:

1. Strategische Fehlentwicklung aufzeigen

Beide Publikationen gehören zu den einflussreichsten außenpolitischen Stimmen des Westens. Ihr Hauptmotiv ist es, auf Fehlanreize und unbeabsichtigte Folgen hinzuweisen:

Warnung vor Selbstüberschätzung westlicher Macht

Die Artikel richten sich an politische Eliten und Entscheidungsträger. Daher betonen sie die

enormen finanziellen Belastungen (Milliardenkosten in wenigen Tagen), die militärische Abnutzung (begrenzte Ressourcen, „magazine depth“) sowie die innenpolitischen Folgen 

2. Normativer Anspruch (liberal-internationalistische Perspektive)

Beide Medien vertreten (in unterschiedlicher Nuance) eine Ordnungsperspektive:

–          Stabilität durch Diplomatie und Institutionen 

–          Skepsis gegenüber unilateralem militärischem Vorgehen 

–          Kritik an impulsiver oder personalisierter Außenpolitik 

Beiden geht es vermutlich kaum um die Verteidigung von Völkerrecht und Charta der Vereinten Nationen, sondern die von Washington nach dem ohne UN-Mandat gerührten Krieg gegen Jugoslawien 1999 eingeführte regelbasierte Weltordnung.

So sind die Analysen von Foreign Affairs und The Economist wie eine nüchterne, aber unmissverständliche Warnung zu interpretieren: 

Die amerikanische Iran-Politik ist nicht Ausdruck strategischer Stärke, sondern ein Lehrbeispiel für geopolitische Selbstsabotage. Was als Demonstration von Abschreckung gedacht war, entfaltet in der Praxis den gegenteiligen Effekt – es stärkt Irans Handlungsspielräume, destabilisiert zentrale Handelsrouten wie die Straße von Hormus und treibt die Kosten für Washington in die Höhe. Statt klare Ziele zu verfolgen, wirkt die Politik sprunghaft, undurchdacht, reaktiv und von kurzfristiger Eskalationslogik geprägt. Der eigentliche Befund ist damit ebenso simpel wie brisant: Militärische Macht ersetzt keine Strategie – und wo sie diese überlagert, produziert sie genau jene Krisen, die sie zu lösen vorgibt

Der gemeinsame Kern beider Artikel:
Die US-Politik gegenüber dem Iran wirkt kontraproduktiv – militärisch stark, aber strategisch selbstschädigend.

Der lange Vorlauf zum Iran-Krieg – eine alte Strategie

Der aktuelle Iran-Krieg markiert nicht den Beginn eines Konflikts, sondern den Höhepunkt 

jahrzehntelanger US-Strategien gegen Teheran. Schon unter Präsident George W. Bush wurde Iran 2002 als Teil der „Achse des Bösen“ (neben Irak und Nordkorea) definiert – ein Signal, dass Regimewechsel oder Zerstörung auf der Agenda stand.

Bush-Ära: Iran als Feindbild

Bushs „Axis of Evil“-Rede nach 9/11 stellte den Iran als Bedrohung für die Weltordnung dar. Neokonservative wie Cheney und Rumsfeld planten militärische Optionen, inklusive taktischer Nuklearwaffen. Der Irak-Krieg 2003 diente als Warnschuss: Iran beobachtete, wie ein Nachbar fiel.

Obama: Strategische Planung

Unter Obama verschärfte sich die militärische Planung. Das TRADOC-Dokument 525-3-1 „Win in a Complex World “(2014) nannte Russland, China, Nordkorea – und implizit Iran – als Gegner bis 2040. Es ging um hybride Kriege, Cyberangriffe und Proxys, um die US-Hegemonie zu sichern. Sanktionen und Stuxnet (Cyberangriff auf Natanz) schwächten den Iran wirtschaftlich, ohne offenen Krieg.

Biden: Der finale Rahmen

Bidens Nationale Sicherheitsdirektive 2022 (veröffentlicht unter dem Titel „National Security Strategy“) eskalierte die Rhetorik: Der Iran als „Stabilitätsstörer“ neben Russland und China. Sie priorisierte regionale Allianzen (Israel, Golfstaaten) und militärische Abschreckung. Proxys wie die Huthis wurden bekämpft, während Israel Natanz angriff.

Kontinuität als Schlüssel

Drei Präsidenten, ein Ziel: Den Iran als regionale Macht zu brechen. Bush setzte das Feindbild, Obama die Doktrinen, Biden die Koordination. Trumps Eskalation 2025/26 (Angriffe auf Urananlagen) war die logische Folge – kein Zufall, sondern mit Vorlauf seit 20 Jahren. Der „Krieg gegen den Terror“ mutierte also zum Kampf um die Weltordnung.

Anmerkungen und Quellen

1)https://www.merriam-webster.com/wordplay/saber-rattling-word-history

2)https://www.economist.com/weeklyedition/2026-03-21

3)https://josricardomartins.substack.com/p/operation-blind-fury-war-in-iran

4)https://www.economist.com/briefing/2026/03/19/there-is-plenty-of-scope-for-the-iran-war-to-intensify

5)https://www.italianwinesandspirits.com/index.php/it/25-redazione/6655-read-the-economist-operation-blind-fury

6)https://www.linkedin.com/pulse/what-second-week-iran-war-bring-the-economist-bfeue

7)https://josricardomartins.substack.com/p/operation-blind-fury-war-in-iran

8)https://www.economist.com/briefing/2026/03/19/there-is-plenty-of-scope-for-the-iran-war-to-intensify

9)https://www.foreignaffairs.com/united-states/how-americas-war-iran-backfired?utm_medium=newsletters&utm_source=twofa&utm_campaign=How%20America%E2%80%99s%20War%20on%20Iran%20Backfired&utm_content=20260320&utm_term=N

10)https://omidsouresrafil.substack.com/p/the-ceasefire-fiasco-how-americas

11)https://diplomatizzando.blogspot.com/2026/03/trump-operation-blind-fury-economist.html

12)https://josricardomartins.substack.com/p/operation-blind-fury-war-in-iran

13)https://omidsouresrafil.substack.com/p/the-ceasefire-fiasco-how-americas

14)https://www.dohainstitute.org/en/PoliticalStudies/Pages/from-imperial-containment-to-catastrophe-why-the-us-israeli-strategy-against-iran-collapsed.aspx

15)https://diplomatizzando.blogspot.com/2026/03/trump-operation-blind-fury-economist.html

16)https://josricardomartins.substack.com/p/operation-blind-fury-war-in-iran

17)https://www.spiegel.de/ausland/iran-greift-usa-im-irak-an-wer-reagiert-wie-a-21be5f47-787e-466d-a33c-e8739688e3ff

18)https://www.zdfheute.de/politik/ausland/iran-israel-angriff-teheran-100.html

19)https://www.zdfheute.de/politik/ausland/iran-israel-angriff-teheran-100.html

20)https://www.spiegel.de/ausland/iran-greift-usa-im-irak-an-wer-reagiert-wie-a-21be5f47-787e-466d-a33c-e8739688e3ff

21)https://omidsouresrafil.substack.com/p/the-ceasefire-fiasco-how-americas

22)https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-03/angriff-usa-iran-israel-rekonstruktion-ueberblick

23)https://www.handelsblatt.com/politik/international/nahost-trumps-angriff-auf-iran-loest-debatte-im-us-kongress-aus/100204475.html

24)https://www.zdfheute.de/politik/ausland/usa-iran-angriff-kongress-trump-100.html

25)https://www.deutschlandfunk.de/der-shutdown-in-den-usa-und-die-politischen-folgen-100.html

26)https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/us-kongress-irankrieg-100.html

27)https://www.dw.com/de/die-usa-und-der-iran-eine-jahrzehntelange-feindschaft/a-51878178

28)https://de.euronews.com/2026/02/28/73-jahre-feindseligkeiten-usa-iran-konflikt

29)https://www.news.at/politik/usa-iran-beziehung-geschichte

30)https://www.sueddeutsche.de/politik/usa-iran-konflikt-1.4569478

31)https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/309946/von-verbuendeten-zu-erzfeinden/

32)https://omidsouresrafil.substack.com/p/the-ceasefire-fiasco-how-americas

33)https://www.dohainstitute.org/en/PoliticalStudies/Pages/from-imperial-containment-to-catastrophe-why-the-us-israeli-strategy-against-iran-collapsed.aspx

34)https://www.handelsblatt.com/politik/international/iran-krieg-trump-verschiebt-gipfeltreffen-mit-xi/100136895.html

35)https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Craig_Roberts

36)https://epub.sub.uni-hamburg.de/epub/volltexte/2025/192424/pdf/2023_DJ_1_23.pdf

37)https://epub.sub.uni-hamburg.de/epub/volltexte/2025/192424/pdf/2023_DJ_1_23.pdf

38)https://de.euronews.com/my-europe/2026/02/28/europa-reagiert-militarschlage-der-usa-israels-auf-iran

39)https://www.thepioneer.de/originals/others/articles/usa-greifen-iran-an-militaer-trump-washington-teheran-ansprache

40)https://www.deutschlandfunk.de/trump-fordert-bedingungslose-kapitulation-des-irans-102.html

41)https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-03/donald-trump-iran-gespraeche-ajatollah-ali-chamenei

42)https://de.euronews.com/2026/03/10/trump-iran-krieg-ende-drohung

43)https://www.deutschlandfunk.de/trump-fordert-bedingungslose-kapitulation-des-irans-102.html

44)https://www.tagesspiegel.de/internationales/liveblog/strasse-von-hormus-wird-sich-von-selbst-offnen-trump-lehnt-feuerpause-mit-dem-iran-ab-10586281.html

45)https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-03/donald-trump-widersprueche-irankrieg-zeitplan-motive

46)https://www.handelsblatt.com/politik/international/iran-krieg-trump-verschiebt-gipfeltreffen-mit-xi/100136895.html

Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete “atomare Gefechtsfeld” in Europa. Während seiner Verwendung als Wirkungsberater bereitete Effenberger vor allem nach Vorgabe des scharfen General Defense Plans (Ausschnitt bayerische Grenze zur damaligen Tschechoslowakei) Befehle für den Kriegsfall aus und studierte abends zum Ausgleich an der Hochschule für Politik. Mit der Einsicht in die geplante Vernichtungsorgie entschloss er sich, 1976 aus der Bundeswehr auszuscheiden. An der TU studierte er Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020) sowie “Die unterschätzte Macht” (2022).

Disclaimer: Berlin 24/7 bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion Berlin 24/7 widerspiegeln. Wir bemühen uns, unterschiedliche Sichtweisen von verschiedenen Autoren – auch zu den gleichen oder ähnlichen Themen – abzubilden, um weitere Betrachtungsweisen darzustellen oder zu eröffnen.

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