WHO-Bericht: Jugendliche greifen immer seltener zum Kondom

  • PANORAMA
  • September 1, 2024
  • 0 Kommentare

Die jüngere Generation in Europa greift nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor dem Sex immer seltener zum Kondom. Der Gebrauch von Kondomen sei unter sexuell aktiven Heranwachsenden seit 2014 deutlich zurückgegangen, während die Rate an ungeschütztem Sex besorgniserregend hoch sei, teilte das in Kopenhagen ansässige WHO-Regionalbüro Europa bei der Vorstellung eines neuen Berichts zu dem Thema mit. Dies setze junge Leute einem erheblichen Risiko sexuell übertragbarer Infektionskrankheiten und ungewollter Schwangerschaften aus, warnte die Organisation.

shutterstock/Timof

Für den Bericht, der Teil einer noch umfassenderen Gesundheitsstudie unter Jugendlichen ist, wurden im Zeitraum von 2014 bis 2022 alle vier Jahre jeweils Zehntausende 15-Jährige aus 42 Ländern und Regionen in Europa, Zentralasien und Kanada zu ihrer sexuellen Gesundheit befragt. Eines der Ergebnisse: Der Anteil der Jungen, die angaben, beim letzten Sex mit Kondom verhütet zu haben, sank von 2014 bis 2022 von 70 auf 61 Prozent, bei Mädchen von 63 auf 57 Prozent. 30 Prozent benutzten demnach beim letzten Geschlechtsverkehr weder ein Kondom noch die Anti-Baby-Pille.

Beim Kondomgebrauch liegen deutsche Jugendliche im Durchschnitt: Wie aus dem Bericht hervorgeht, gaben 59 Prozent der sexuell aktiven Jungen und 58 Prozent der Mädchen 2022 an, beim letzten Sex ein Kondom verwendet zu haben. 2014 waren es noch 72 Prozent der Jungen und 68 Prozent der Mädchen gewesen. 

Im Vergleich zu den meisten anderen Ländern scheint die Pille in Deutschland deutlich häufiger genutzt zu werden: Nur 16 Prozent der Mädchen und 23 Prozent der Jungen aus der Bundesrepublik verwendeten weder Pille noch Kondom. Bessere Werte wiesen in der Hinsicht nur Österreich und die Schweiz auf.

Die Ergebnisse des Berichts seien bestürzend, nicht aber überraschend, erklärte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge. Die altersgerechte Sexualerziehung werde in vielen Ländern weiterhin vernachlässigt – und dort, wo es sie gebe, sei sie in den vergangenen Jahren fälschlicherweise unter Beschuss geraten, weil sie angeblich sexuelles Verhalten fördere.

Umfassende Sexualerziehung sei der Schlüssel, um allen jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, informierte Entscheidungen über Sex in einem besonders verletzlichen Augenblick ihres Lebens – dem Übergang von der Jugend zum Erwachsenenalter – zu treffen, sagte der Hauptautor des Berichts, András Költo von der Universität von Galway.

(red/dpa)

  • Related Posts

    KI und der totale Vertrauensverlust

    Das ZDF könnte sich schon bald die Bilder zu den Nachrichten durch eine Maschine liefern lassen. Den ersten Vorgeschmack haben wir bereits bekommen. Ein Beitrag von Roberto J. De Lapuente…

    Das Versagen der Wächter

    Die Epstein Files zeigen ein mediales System, das selbst zu tief verstrickt ist, um als unabhängiger Kontrolleur zu agieren. Ein Beitrag von Bastian Alexander Werner Foto: Geoff Livingston, CC BY-SA…

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    You Missed

    Markus Krall über Zensur und Meinungsfreiheit in UNSERERDEMOKRATIE

    • März 20, 2026
    • 2 views

    KI und der totale Vertrauensverlust

    • März 20, 2026
    • 6 views
    KI und der totale Vertrauensverlust

    Das Versagen der Wächter

    • März 20, 2026
    • 7 views
    Das Versagen der Wächter

    Internet-Altersgrenze – umstrittenes Verbot macht nicht klüger

    • März 20, 2026
    • 7 views
    Internet-Altersgrenze – umstrittenes Verbot macht nicht klüger

    Markus Krall – wie 13 tapfere deutsche Soldaten Grönland gerettet haben

    • März 19, 2026
    • 14 views

    Neugroßdeutschland und die Pressefreiheit – schon wieder Kontokündigung eines kritischen Journalisten

    • März 19, 2026
    • 17 views
    Neugroßdeutschland und die Pressefreiheit – schon wieder Kontokündigung eines kritischen Journalisten