Deutsche besuchen Sankt Petersburg und Kaliningrad – für Frieden zwischen Deutschen und Russen

Eine Gruppe von 21 Menschen aus Deutschland reist trotz Warnungen in die russische Exklave Kaliningrad und nach Sankt Petersburg. Ihr Haupziel war, den Menschen in Russland zu zeigen, dass sie für den Frieden sind. Als Datum wählten sie den geschichtsträchtigen 9. Mai, den Tag des Sieges der Roten Armee über den Faschismus.

Tilo Gräser / Hermann Kopp von der Marx-Engels-Stiftung und Alexander Hüser in Kaliningrad

Die Reise hatte Hermann Kopp von der Marx-Engels-Stiftung organisiert. Der Kaliningrader Lokalfernsehsender kaskad.tv sprach mit der Delegation über die Motive ihrer Reise und ihre Eindrücke.

In der ehemaligen deutschen Stadt Königsberg, die seit Ende des 2. Weltkrieges russisch ist und heute den Namen Kaliningrad trägt, wirken die Deutschen als „Rarität“, sagten Einwohner. Sie fanden es „bewunderswert“, trotz der gegenwärtigen politischen Lage nach Russland zu reisen.

Die deutsche Gruppe kam nach einem Besuch in St. Petersburg das zweite Mal nach Kaliningrad. Ihre Mitglieder waren noch beeindruckt von der Parade zum 79. Jahrestag des Sieges in der ehemaligen Blockandenstadt. „Zunächst feierten die Gäste aus Deutschland gemeinsam mit unseren Landsleuten den 9. Mai in St. Petersburg und flogen dann nach Kaliningrad. Und das alles zu dem Zweck, wie man so schön sagt, um Stereotypen über Russen in ihrer Heimat zu zerstören“, kommentiert kaskad-tv-Journalistin Ksenija Grjasnova die Aussagen der deutschen Delegation.

Alexander Hüser, einer der Deutschen, sagte dem Sender: „Natürlich ist es für uns Deutsche auf der einen Seite ein beschämendes Gefühl, hier zu stehen. Wir wissen nämlich, dass unser Land, die Faschisten Ihr Land angegriffen haben. Sie haben Zivilisten getötet. Aber auf der anderen Seite wissen wir natürlich auch, dass nicht wir es waren, die das getan haben, nicht die Leute, die hier stehen, sondern es waren Faschisten“.

Der Russischstudent erzählte über sein Schlüsselerlebnis voriges Jahr: „Wir haben in Deutschland eine Veranstaltung auf den sowjetischen Friedhöfen gefeiert, und es war uns verboten, dort russische und sowjetische Flaggen zu zeigen. Die ukrainischen durften gezeigt werden.“ Es sei ihm klar geworden, erzählte er, dass „wir die historischen Fakten nicht vergessen dürfen“.

Éva Péli, eine weitere Teilnehmerin aus der Gruppe, berichtete dem Sender über die Atmosphäre in Sankt Petersburg bei der Parade am 9. Mai, „mit so vielen Menschen, dass wir kaum Luft bekamen“. Aber die lebendigste Erinnerung an die Parade sei die Umarmung ihres Mannes, dessen Großvater als deutscher Soldat an der Belagerung von Leningrad teilnahm, mit einem russischen Mann, dessen Angehörige im Krieg gefallen sind:

Tilo Gräser / Éva Péli erzählt in Kaliningrad über ihre Erlebnisse bei der Parade in St. Petersburg

„Wassili stand dort mit seinen vier Großvätern. Er zeigte uns Fotos von seinen Großvätern und erzählte uns ihre Geschichte. Alle vier wurden im Krieg vermisst. Wir haben uns mit ihm fotografiert, sprachen mit ihm, es war sehr emotional.“

Die deutschen Besucher von Kaliningrad sagten in einem TV-Bericht des Senders, dass sie in vielen Orten der Bernsteinregion die Architektur ihrer Heimat wiedererkannten und mit den Einheimischen sprachen. Die Deutschen würden diese Eindrücke bei Veranstaltungen in ihrer Heimat weitergeben.

Delegationsleiter Hermann Kopp nannte gegenüber kaskad-tv zwei Hauptziele der Reise: „Das erste ist, die russischen Menschen, Russland kennenzulernen, zu spüren, wie das Leben hier abläuft. Und das zweite ist das Hauptziel für uns. Wir haben jetzt eine sehr heftige Russophobie in Deutschland. Unsere Politiker sagen, wir sollten uns auf einen Krieg mit Russland vorbereiten. Und wir wollen mit dieser Reise zeigen, dass wir für den Frieden mit Russland sind.“

In Deutschland gebe es nur noch wenige Organisationen, die friedliche Beziehungen zu Russland pflegen wollen, berichteten die Reisenden. Daher hoffen sie nach ihren Worten, dass diese Reise nach Russland neue Gleichgesinnte anziehen und Stereotypen über Russen verändern kann.

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