Die Linke (Selbst-)Zerstörung ist vollendet – Quo vadis Sahra?

  • MEINUNG
  • Oktober 25, 2023
  • 0 Kommentare

Ein Kommentar von Sven Brajer 

Aus und vorbei. Mit der lang erwarteten Gründung der Wagenknecht-Partei wird sich die Linke von der bundespolitischen Bühne endgültig verabschieden. Im Karl-Liebknecht-Haus hat man den Schuss aber immer noch nicht gehört und gibt sich trotzig wie ein Kleinkind – doch Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. 

Promedia/ Buchtitel „Die Selbstzerstörung der deutschen Linken“

Endlich ist die Katze aus dem Sack! Am vergangenen Montag wurde der Verein „Bündnis Sahra Wagenknecht“ auf der Bundespressekonferenz vorgestellt. Die prominente Namensgeberin will vor allem für „wirtschaftliche Vernunft und soziale Gerechtigkeit“ einstehen, und auch beim Thema Außenpolitik fühlt man sich direkt an die SPD der 1970er bzw. die CDU der 1980er Jahre erinnert. Im Gründungsmanifest heißt es: „Unsere Außenpolitik steht in der Tradition des Bundeskanzlers Willy Brandt und des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow, die dem Denken und Handeln in der Logik des Kalten Krieges eine Politik der Entspannung, des Interessenausgleichs und der internationalen Zusammenarbeit entgegengesetzt haben.“ Das war erwartbar, Überraschungen blieben aus – Wagenknecht bewegte sich stehts im Rahmen des Sagbaren. Beispiel gefällig? Die EU und ihre zentralistische Bürokratie kritisieren? Ja! Den ganzen Laden revolutionär vom Kopf auf die Füße stellen? Wo denkst du hin? Vielleicht wird man aber auch nicht gleich mit der Tür ins Haus gefallen – wer weiß? Denn Sahra Wagenknecht ist klar – und hat es auch kurz angedeutet –, dass sie in der Bundespressekonferenz die ganzen Missstände der geballten, hochdotierten bundesdeutschen Lohnschreiberei vor sich sitzen hat. Deren Fragen zeichnen sich dementsprechend durch die eigene wohlstandsverwahrloste und moralinsaure Filterblase und die bundesdeutsche Staatsräson (der universalistischen „linksgrünen“ Angst vor „rechts“) aus: „Haben Sie ein schlechtes Gewissen?“, „Wird ihre geplante Partei ‚gemeinsame Sache machen‘ mit.“ .“ der AfD ausschließen“? [sic!, Thilo Jung] „Wollen Sie eine Obergrenze bei der Zuwanderung?“, „Sie haben gesagt, Gaza ist ein Freiluftgefängnis – wer ist denn da der Gefängniswärter?“ 

Wagenknechts Team – das noch einige Fragenzeichen hinterlässt,   den man dennoch nur alles Gute mit auf dem Weg geben kann – wirkt auf jeden Fall entschlossen – ganz im Gegensatz zu den „Restlinken“ um Martin Schirdewan. Dem komplett schwarz gekleideten Parteivorsitzenden, welchen im Gegensatz zu seinem Großvater bis 2022 niemand kannte, steht (mal wieder) die schlechte Laune ins Gesicht geschrieben: „Unverantwortlich“ sei das Verhalten von Wagenknecht und Co. – es geht ja auch um Arbeitsplätze und Geld – Nämlich von der Fraktion und der Mitarbeiter. 

Gleichzeitig sieht Schirdewan nun „eine große Chance für die Linke“ und meint „heute ist ein guter Tag, um in die Linke einzutreten“ – von Selbstkritik – wie immer in den letzten Jahren bei den verantwortlichen linken Bundesparteivorsitzenden – keine Spur. So soll es denn sein: Die Transformation der einstmals stolzen ostdeutschen Identitäts- und Arbeiterpartei hin zu einer bedeutungslosen ultrawoken Klimasekte ist damit abgeschlossen – doch wie heißt es so schön: „In jedem Ende liegt ein neuer Anfang.“ (Miguel de Unamuno)

Zum Autor: Sven Brajer ist promovierter Historiker, freier Journalist sowie gelernter Einzelhandelskaufmann. Er stammt aus der Oberlausitz, hat in Göttingen und lange in Dresden gelebt, lebt derzeit in Berlin. Er interessiert sich für die deutsche und europäische Sozial-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte des 19.-21. Jahrhunderts, Revolutionsforschung, Geopolitik mit Schwerpunkt Mittel- und Osteuropa, aber auch für aktuelle (finanz-)politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen, insbesondere von Parteien und Bewegungen. Brajers Aufsätze behandeln darüber hinaus die Makrosoziologie und Kommunikationswissenschaft, insbesondere die Funktion und Funktionsweise von Propaganda. Seit dem 22. April 2023 ist er Vizepräsident der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften eV .  

  • Related Posts

    Der März 1848 soll in Ehren gehalten werden – aber nicht von Steinmeier

    Tag der Demokratiegeschichte. Soll das ein neuer Feiertag werden? Oder der billige Ersatz dafür, tatsächlich die deutsche Geschichte in den Schulen zu vermitteln? Im Falle Frank-Walter Steinmeiers ist das eher…

    12 Jahre Krimreferendum – Einwohner feiern, deutsche Botschaft spuckt Gift und Galle

    Am letzten Mittwoch feierte Russland zum zwölften Mal die Wiedervereinigung mit der Krim und Sewastopol. Den Russen in die Suppe und ins Herz spucken musste natürlich wieder die deutsche Botschaft…

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    You Missed

    Der März 1848 soll in Ehren gehalten werden – aber nicht von Steinmeier

    • März 24, 2026
    • 40 views
    Der März 1848 soll in Ehren gehalten werden – aber nicht von Steinmeier

    12 Jahre Krimreferendum – Einwohner feiern, deutsche Botschaft spuckt Gift und Galle

    • März 24, 2026
    • 28 views
    12 Jahre Krimreferendum – Einwohner feiern, deutsche Botschaft spuckt Gift und Galle

    Rumänien und Ukraine eskalieren den Transnistrien-Konflikt

    • März 24, 2026
    • 6 views
    Rumänien und Ukraine eskalieren den Transnistrien-Konflikt

    Wird der Iran-Krieg für USA/Israel zu einem neuen Vietnam?

    • März 24, 2026
    • 4 views

    Verstoßen weisungsgebundene Staatsanwaltschaften in Komplizenschaft mit dem RBB gegen den Datenschutz?

    • März 23, 2026
    • 190 views
    Verstoßen weisungsgebundene Staatsanwaltschaften in Komplizenschaft mit dem RBB gegen den Datenschutz?

    Blackout Deutschland

    • März 23, 2026
    • 25 views
    Blackout Deutschland