Wirtschaft will keinen Krieg

  • MEINUNG
  • August 24, 2023
  • 0 Kommentare

Eine Analyse von Rüdiger Rauls 

Obwohl alle am Konflikt beteiligten Parteien beteuern, Frieden zu wollen, geht der Krieg in der Ukraine weiter. Jede Seite hat andere Vorstellungen über den Frieden und die Bedingungen für Verhandlungen.

Shutterstock/ Africa Studio

Schuld am Krieg sind immer die anderen, denn niemand will Krieg und dennoch ist er allgegenwärtig. Es ist ein beliebter Ansatz, die Rüstungsindustrie als Triebfeder hinter den Kriegen zu sehen. Das entspricht aber nicht den Gegebenheiten. Zwar sind die Waffenschmieden unbestritten jener Wirtschaftszweig, der am meisten am Krieg verdient, aber sie machen nur einen geringen Prozentsatz aus an der Wirtschaftsleistung der Industriestaaten. In Deutschland betrugen die Ausgaben für das Militär insgesamt in den vergangenen 10 Jahren im Schnitt etwa 1,2 Prozent des Staatshaushalts.

Diese Gelder kamen aber nicht nur der inländischen Rüstungsindustrie zugute. Ein großer Teil davon wurde für ausländische Waffensysteme ausgegeben. Das bedeutet, dass die deutsche Rüstungsindustrie sich die deutschen Verteidigungsausgaben mit ausländischen Konkurrenten teilen muss. Hinzu kommt, dass Rüstungsgüter bei den meisten Waffenherstellern nicht das Kerngeschäft ausmachen. Beim Flugzeughersteller Airbus macht der Anteil der Rüstung nur etwa 20 Prozent am Gesamtumsatz aus und selbst der Leopard-Bauer Rheinmetall macht einen nicht unwesentlichen Teil seines Umsatzes mit der Herstellung von zivilen Produkten, zum Beispiel mit Wärmepumpen.

Der überwiegende Teil der Wirtschaft hat vom Krieg wenig Vorteile. Er ist teuer und Verlauf wie auch Ergebnis sind nicht abzuschätzen. Denn Krieg führt nicht immer zum Sieg, er kann auch in der Niederlage enden. Das weiß man in der Wirtschaft, besonders in der deutschen, die zwar an zwei Weltkriegen gut verdiente, danach aber durch die Zerstörung der eigenen Industrieanlagen und Auflagen der Siegermächte zurückgeworfen worden war.

Der überwiegende Teil der deutschen Industrieprodukte nach 1945 dienten und dienen der Zivilwirtschaft, nicht dem Krieg. Damit wird Gewinn gemacht. Rüstung ist für die meisten Unternehmen ein Randgeschäft, das man aber gerne mitnimmt, wenn daraus Gewinne zu erzielen sind. Aber selbst heute in Zeiten der Konfrontation mit Russland und den zunehmenden Spannungen mit China steht die deutsche wie auch die europäische Wirtschaft dieser Entwicklung nicht erfreut gegenüber. Märkte brechen weg, gewaltige Umsätze gehen verlogen. Abgesehen von der Rüstungsindustrie hat die Wirtschaft insgesamt mehr Interesse am Frieden als am Krieg. Friedenszeiten sind die Zeiten für Investitionen, Handel und Ausweitung der Wirtschaftstätigkeit, nicht die Kriegszeiten. Deshalb warten die meisten Unternehmen auf das Ende der Kriege, ehe sie beginnen zu investieren. Bis auf Rheinmetall gilt das auch für den Ukraine-Krieg.

Related Posts

Wie im Kolonialstaat – Die besondere Situation in Ostdeutschland, Teil 1

Am 21. März referierte Arnold Schölzel im Parteivorstand der DKP über die Entwicklungen auf dem Gebiet der DDR seit der Konterrevolution. Wir dokumentieren im Folgenden einen Auszug in redaktioneller Bearbeitung.…

NATO bereitet einen baltisch-skandinavischen Schlag gegen Russland vor

Angefangen bei der Blockade der Region Kaliningrad bis zu Angriffen auf Sankt Petersburg – so schätzen Experten die potenziellen Gefahren für Russland vor dem Hintergrund der Militarisierung des Baltikums und…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

You Missed

Der westliche Globalismus ist gescheitert, trotzdem wollen die Eliten nicht davon lassen

  • April 15, 2026
  • 3 views

Wie im Kolonialstaat – Die besondere Situation in Ostdeutschland, Teil 1

  • April 15, 2026
  • 5 views
Wie im Kolonialstaat – Die besondere Situation in Ostdeutschland, Teil 1

NATO bereitet einen baltisch-skandinavischen Schlag gegen Russland vor

  • April 15, 2026
  • 7 views
NATO bereitet einen baltisch-skandinavischen Schlag gegen Russland vor

Vom Zehn-Punkte-Plan zum verheerendsten außenpolitischen Fehlschlag der modernen US-Geschichte

  • April 15, 2026
  • 25 views
Vom Zehn-Punkte-Plan zum verheerendsten außenpolitischen Fehlschlag der modernen US-Geschichte

Die Folgen des Iran-Krieges verändern den wirtschaftlichen Status Russlands

  • April 14, 2026
  • 206 views
Die Folgen des Iran-Krieges verändern den wirtschaftlichen Status Russlands

Das China-Pakistan-GCC-Rätsel

  • April 14, 2026
  • 9 views
Das China-Pakistan-GCC-Rätsel