Die Russen wollen unsere Kohle – Achtung Satire!

Der Außenminister hat gesagt, Russland werde immer unser Feind bleiben, und der Verteidigungsminister hat gesagt, die Deutschen müssten bis 2029 kriegstüchtig werden, weil die Russen Deutschland angreifen wollen. Diese Russen sind nämlich unser Erbfeind. Sie sind furchtbar aggressiv und kriegslüstern, das wissen alle, besonders die Berliner und die Brüsseler Politiker, ihre Journalisten und – nicht zu vergessen – die wissenschaftlichen Experten, die uns das in den Talkshows erklären.

Ein Beitrag von Wolfgang Bittner

Russische Soldaten nehmen an der Militärparade zum Tag des Sieges teil. Anlass ist der 80. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Auf dem Monitor wird die Rede von Russlands Präsident Putin gezeigt. Foto: dpa

Wie aus ungewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet, wollen die Russen uns nicht nur überfallen, sondern – ich formuliere das mal ganz vorsichtig, damit meine Wohnung nicht demnächst durchsucht wird – sie wollen sich über unsere Bodenschätze hermachen und den Kohlebergbau im Ruhrgebiet wieder aufleben lassen. Außerdem wollen sie in Norddeutschland Fracking-Gas fördern. Weil sie doch bekanntlich unter Energieknappheit leiden. Deswegen haben sie ja auch die Ostseepipelines gesprengt, weil sie den Deutschen nichts von ihrer knappen Energie abgeben wollten.

Nachdem das Ruhrgebiet erobert ist, soll dann die Kohle verflüssigt und eine neue Pipeline gebaut werden, nämlich vom Ruhrgebiet – Dortmund, Bochum und Essen sind im Gespräch – über Polen, das sie noch erobern müssen, direkt nach Moskau. Damit die Moskauer nicht plötzlich im Dunkeln sitzen.

Ja, und deswegen müssen wir kriegstüchtig werden und am besten gleich ein paar Taurus-Marschflugkörper nach Russland schicken, nachdem sich unsere Panzerhaubitzen und Leopardpanzer nicht in dem Maße bewährt haben, wie es sich der Herr Selenskyj gewünscht hatte. Der sagt ja auch: Wenn uns die Ukrainer nicht bis zum letzten Mann verteidigen würden, hätten die Russen schon lange unser Ruhrgebiet besetzt.

Aber die werden sich noch wundern, diese Russen, die werden uns noch kennenlernen. Sie haben offenbar zu schnell vergessen, wie kampfesmutig der deutsche Soldat ist, dessen Sold der Herr Bundeskanzler demnächst angemessen erhöhen will. Ich gehe mal davon aus, dass dann unsere Jungs in Scharen zu den Waffen eilen werden, um die Schmach von Stalingrad wieder gutzumachen. Viele haben schon ihr Mindset erhalten und vorsichtshalber – wie angeordnet – ihr Testament gemacht sowie ihre Kaltstartakte gelesen. Damit sie beim Alarm unverzüglich in den Einsatz an die „Ostflanke“ gehen können. 

Ich sage nur: Danke, liebe Jungs! Danke auch Herr Außenminister, Herr Verteidigungsminister und Herr Bundeskanzler. Das deutsche Volk weiß Ihre Fürsorge zu schätzen. Wir haben Ihnen so viel zu verdanken und stehen tief in Ihrer Schuld. Wir werden Sie jederzeit wiederwählen.

Quelle: https://globalbridge.ch/diese-russen-wollen-unsere-kohle/

Der Schriftsteller und Publizist Dr. jur. Wolfgang Bittner lebt in Göttingen. Er hat über 80 Bücher veröffentlicht, u. a. „Der neue West-Ost-Konflikt. Inszenierung einer Krise“ (2021), „Deutschland – verraten und verkauft“ (2021), „Ausnahmezustand. Geopolitische Einsichten und Analysen unter Berücksichtigung des Ukraine-Konflikts“ (2023) sowie den Roman „Die Heimat, der Krieg und der Goldene Westen“ (2019). Von Wolfgang Bittner ist kürzlich das Buch „Niemand soll hungern, ohne zu frieren – So wie es ist, kann und wird es nicht bleiben“ im Verlag zeitgeist erschienen. Der vorstehende Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch „Geopolitik im Überblick. Deutschland-USA-EU-Russland“, das am 28. Juli im Verlag Hintergrund in der Reihe WISSEN KOMPAKT erscheint.

Disclaimer: Berlin 24/7 bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion Berlin 24/7 widerspiegeln. Wir bemühen uns, unterschiedliche Sichtweisen von verschiedenen Autoren – auch zu den gleichen oder ähnlichen Themen – abzubilden, um weitere Betrachtungsweisen darzustellen oder zu eröffnen. Die Meinungen und Ansichten der Autoren müssen nicht der Redaktion von Berlin 24/7 entsprechen.

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