Was im Washingtoner Sicherheits‑Establishment als harter Kurs und notwendige Abschreckung gefeiert wird, offenbart im Nahen Osten vor allem eine Politik, die sich mit jedem Schritt selbst konterkariert. Foreign-Affairs Artikel wie „How America´s War on Iran Backfired“ und der The Economist Titel „Operation Blind Fury“ legen nahe, dass die aktuelle US‑Linie gegenüber dem Iran nicht nur wenig Erfolg zeigt – sondern die eigenen Ziele untergräbt. Um Teheran einzuschüchtern, zeigen Trump und die US‑Administration theatralische Drohgebärden oder übertriebene militärische Stärke (sogenanntes militärisches Sabre‑Rattling), statt auf substanzielle, stabilisierende Diplomatie gegenüber dem Iran zu setzen.
Ein Beitrag von Wolfgang Effenberger

Kritisches Interview mit dem Republikaner Paul Craig Roberts
Am 16. März 2026 moderierte Nima Rostami Alkhorshid auf dem Kanal „Dialogue Works“ unter dem Titel „Paul Craig Roberts: Iran gewinnt! “ im Interview mit dem politischen US-Urgestein Paul Craig Roberts. Im Vorspann wurde ausführlich Trumps Rede vom 11. März 2026 zum Iran-Krieg eingespielt:
„Die militärische Kampagne zur Beendigung der Bedrohung durch das iranische Regime wurde in den letzten Tagen mit voller Kraft fortgesetzt. Sie wurden buchstäblich ausgelöscht.
Die Luftwaffe ist weg, die Marine ist weg. Viele, viele Schiffe wurden versenkt. Es sind Kriegsschiffe, aber offenbar wussten sie nicht, wie man sie benutzt. Ihre Flugabwehr ist vernichtet, ihr Radar ist zerstört und ihre Anführer sind verschwunden. Abgesehen davon geht es ihnen ganz gut.“
Auf die Frage von Alkhorshid:
„Wie sehen Sie die aktuelle Phase des Konflikts, die aktuelle Phase des Krieges?“
antworte Paul Craig Roberts:
„Nun ich denke, Trump hat nicht die Zerstörung des Iran beschrieben, sondern die aller amerikanischen Militärbasen im Persischen Golf. Es scheint als sei das die eigentliche Zerstörung. Wir haben all unsere Radarfähigkeit verloren. Eines der Golfstaaten hat uns Berichten zufolge, die offenbar korrekt sind, gebeten zu gehen. Und ich vermute, das wird ansteckend sein, dass die übrigen Golfstaaten uns ebenfalls bitten werden zu gehen, weil sie unsere Präsenz mit Luftwaffen- und Marinestützpunkten nur als Schutz für sich selbst gesehen haben. Und nun stellen sie fest, dass sie unter militärischem Angriff stehen. Menschen fliehen aus Dubai. Es bricht als Finanzzentrum zusammen. Es scheint mir, dass Trump über den Zusammenbruch der amerikanischen Position sprach, nicht über die iranische.
Wenn wir tatsächlich eine Situation haben, Nima, in der der Präsident der Vereinigten Staaten so unrealistisch ist, dass er nicht erkennt, dass er am Rande einer nuklearen Konfrontation steht, weil wir den Krieg nicht gewinnen, weil Israel den Krieg nicht gewinnt. Wer gewinnt dann den Krieg? Iran. Alles was sie tun müssen, ist nicht zu kapitulieren und sie haben gewonnen“ (Minute 3:51)
Roberts betont, dass die USA und ihre Verbündeten den Iran zwar militärisch stark getroffen haben, aber keine klare politische Zielvorstellung oder einen Plan für den Tag danach hatten. Dadurch hat sich der Konflikt eher zu einem langen Krieg der Ermüdung entwickelt, in dem Iran mit gezielten Angriffen auf Energie und Schifffahrt Druck auf die USA und die Golf‑Staaten ausübt.
Für viel überraschend reagierte der Iran auf die US-Luftangriffe (im Kontext von „Operation Blind Fury“) mit einer koordinierten, mehrstufigen Vergeltungsstrategie. Diese zielte auf Demonstration von Stärke ab, ohne eine vollständige Eskalation zu riskieren, und umfasste direkte Raketenangriffe sowie Proxy-Aktionen, (17) die sich gegen US-Basen in Bahrain und Saudi-Arabien richteten; Teheran betonte „verheerende und mächtige“ Präzisionsschläge als direkte Antwort auf US-Angriffe auf Atomanlagen wie Fordo, Natanz und Isfahan. (18)
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi nannte die US-Angriffe „empörend“ und „völkerrechtswidrig“, behielt sich „alle Optionen“ vor und wandte sich per Brief an den UN-Sicherheitsrat (Artikel 51 UN-Charta). Präsident Massud Peseschkian warnte auf X: „Wir werden die Aggression nicht unbeantwortet lassen.“ (19)
Religionsführer Ali Chamenei sprach von einer „vernichtenden Antwort“ und warnte vor einem „umfassenden Regionalkrieg“. Verteidigungsminister Amir Hatami versprach „verhältnismäßige“ Reaktionen auf weitere US-Schläge.(20)
Dazu intensivierten Houthis und Hisbollah parallele Angriffe (z. B. im Roten Meer), was Irans „Achse des Widerstands“ stärkte, ohne direkte Konfrontation zu vertiefen.
Die Reaktion festigte das Regime innenpolitisch, da sie als Erfolg verkauft werden konnte – trotz angeblicher US-Zerstörung von Nuklearanlagen blieb das System intakt und radikalisierte sich weiter. (21)
Diese detaillierte Reaktion unterstreicht Irans Fähigkeit zu asymmetrischer Kriegsführung: Präzise, aber nicht regimevernichtend, um den Verhandlungsspielraum zu wahren. (22)
Der Iran-Konflikt hat die US-Politik tief gespalten und das fragile Machtgleichgewicht zwischen Exekutive und Kongress auf die Probe gestellt. (23)
Kongressdebatte und Abstimmungen
Die Republikaner unterstützen Trump weitgehend und blocken Einschränkungen ab: Eine Senatsresolution zur Beendigung des Kriegs scheiterte mit 52:47 Stimmen; ähnliche Vorstöße im Repräsentantenhaus haben nur symbolische Wirkung.
Die Demokraten werfen Trump einen Verstoß gegen die War Powers Resolution vor: Ohne Kongress-Zustimmung seien die Angriffe illegal, fehlten klare Ziele und ein Exit-Plan – Kritik von Figuren wie Tim Kaine und Ro Khanna.
Einige Republikaner (z. B. Thomas Massie, Warren Davidson) stimmen mit den Demokraten überein und fordern Mitsprache, doch die parteipolitische Mehrheit schützt Trump.
Der Iran-Konflikt belebt den Streit um Kriegsbefugnisse seit 1973; Präsidenten umgehen den Kongress routinemäßig, doch hier eskaliert die Kritik an „ewigen Kriegen“. (24)
Neue Kriegskosten drohen, ohne Kongress-Finanzierung; dies könnte zu Shutdown-Risiken oder Kompromissen führen, die Trumps Agenda bremsen. (25)
Trotz republikanischer Mehrheiten zementiert der Konflikt eine polarisierte Politik: Trump behält die militärische Freiheit, riskiert aber langfristig einen Legitimitätsverlust und weitere institutionelle Konflikte. (26)
Die US-Strategie gegenüber Iran seit 1979 basiert auf einer Mischung aus Isolation, wirtschaftlichem Druck und gelegentlichen verdeckten oder militärischen Maßnahmen, um das Regime zu schwächen und sein Nuklearprogramm einzudämmen – mit zunehmend eskalierenden Mitteln.
Unmittelbare Reaktionen post-1979 (Carter/Reagan-Ära)
Nach der Besetzung der US-Botschaft in Teheran (444 Tage) froren die USA iranische Vermögenswerte ein (Executive Order 12170), brachen diplomatische Beziehungen ab und verhängten erste Sanktionen sowie Embargos – ein Präzedenzfall für „Maximum Pressure“.
Iran-Irak-Krieg (1980er): Indirekte Unterstützung des Irak durch Waffenlieferungen und Geheimoperationen (z. B. Iran-Contra-Affäre 1985/86, paradoxer Waffenverkauf an Iran); Iran wird als „Staatssponsor des Terrorismus“ eingestuft. (27)
Sanktions- und Eindämmungspolitik (Clinton bis Obama)
Härtephase Clinton (1995): Vollständiges Handels- und Investitionsembargo, Vorwurf des Strebens nach Atomwaffen und die Terrorfinanzierung; Fokus auf Ölexporte und Banken. (28)
Bush-Doktrin (2002): Iran in „Achse des Bösen“ eingeordnet; Cyberangriffe (Stuxnet 2010 mit Israel) und Sanktionen gegen das Nuklearprogramm, ergänzt durch UN-Embargos. (29)
Obama-Versuch (2015): JCPOA-Atomdeal als Entspannung, doch mit militärischen Garantien (Drohnen, Sanktionen beibehalten). (30)
Eskalation unter Trump I/II (2018–2026)
„Maximum Pressure“ mit totalen Sanktionen, Soleimani-Tötung (2020), Flugzeugträger-Verlegungen und Drohnenabschüssen; Übergang zu offenen Luftangriffen („Operation Blind Fury“ 2026). (31)
Verdeckte Operationen (Sabotage an Atomanlagen), Proxy-Kriege (via Israel/Saudi-Arabien gegen Houthis/Hisbollah) und rhetorische Eskalation, die nun in direkte Konfrontation mündet. (32)
Anmerkungen und Quellen
1)https://www.merriam-webster.com/wordplay/saber-rattling-word-history
2)https://www.economist.com/weeklyedition/2026-03-21
3)https://josricardomartins.substack.com/p/operation-blind-fury-war-in-iran
4)https://www.economist.com/briefing/2026/03/19/there-is-plenty-of-scope-for-the-iran-war-to-intensify
5)https://www.italianwinesandspirits.com/index.php/it/25-redazione/6655-read-the-economist-operation-blind-fury
6)https://www.linkedin.com/pulse/what-second-week-iran-war-bring-the-economist-bfeue
7)https://josricardomartins.substack.com/p/operation-blind-fury-war-in-iran
8)https://www.economist.com/briefing/2026/03/19/there-is-plenty-of-scope-for-the-iran-war-to-intensify
9)https://www.foreignaffairs.com/united-states/how-americas-war-iran-backfired?utm_medium=newsletters&utm_source=twofa&utm_campaign=How%20America%E2%80%99s%20War%20on%20Iran%20Backfired&utm_content=20260320&utm_term=N
10)https://omidsouresrafil.substack.com/p/the-ceasefire-fiasco-how-americas
11)https://diplomatizzando.blogspot.com/2026/03/trump-operation-blind-fury-economist.html
12)https://josricardomartins.substack.com/p/operation-blind-fury-war-in-iran
13)https://omidsouresrafil.substack.com/p/the-ceasefire-fiasco-how-americas
14)https://www.dohainstitute.org/en/PoliticalStudies/Pages/from-imperial-containment-to-catastrophe-why-the-us-israeli-strategy-against-iran-collapsed.aspx
15)https://diplomatizzando.blogspot.com/2026/03/trump-operation-blind-fury-economist.html
16)https://josricardomartins.substack.com/p/operation-blind-fury-war-in-iran
17)https://www.spiegel.de/ausland/iran-greift-usa-im-irak-an-wer-reagiert-wie-a-21be5f47-787e-466d-a33c-e8739688e3ff
18)https://www.zdfheute.de/politik/ausland/iran-israel-angriff-teheran-100.html
19)https://www.zdfheute.de/politik/ausland/iran-israel-angriff-teheran-100.html
20)https://www.spiegel.de/ausland/iran-greift-usa-im-irak-an-wer-reagiert-wie-a-21be5f47-787e-466d-a33c-e8739688e3ff
21)https://omidsouresrafil.substack.com/p/the-ceasefire-fiasco-how-americas
22)https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-03/angriff-usa-iran-israel-rekonstruktion-ueberblick
23)https://www.handelsblatt.com/politik/international/nahost-trumps-angriff-auf-iran-loest-debatte-im-us-kongress-aus/100204475.html
24)https://www.zdfheute.de/politik/ausland/usa-iran-angriff-kongress-trump-100.html
25)https://www.deutschlandfunk.de/der-shutdown-in-den-usa-und-die-politischen-folgen-100.html
26)https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/us-kongress-irankrieg-100.html
27)https://www.dw.com/de/die-usa-und-der-iran-eine-jahrzehntelange-feindschaft/a-51878178
28)https://de.euronews.com/2026/02/28/73-jahre-feindseligkeiten-usa-iran-konflikt
29)https://www.news.at/politik/usa-iran-beziehung-geschichte
30)https://www.sueddeutsche.de/politik/usa-iran-konflikt-1.4569478
31)https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/309946/von-verbuendeten-zu-erzfeinden/
32)https://omidsouresrafil.substack.com/p/the-ceasefire-fiasco-how-americas
33)https://www.dohainstitute.org/en/PoliticalStudies/Pages/from-imperial-containment-to-catastrophe-why-the-us-israeli-strategy-against-iran-collapsed.aspx
34)https://www.handelsblatt.com/politik/international/iran-krieg-trump-verschiebt-gipfeltreffen-mit-xi/100136895.html
35)https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Craig_Roberts
36)https://epub.sub.uni-hamburg.de/epub/volltexte/2025/192424/pdf/2023_DJ_1_23.pdf
37)https://epub.sub.uni-hamburg.de/epub/volltexte/2025/192424/pdf/2023_DJ_1_23.pdf
38)https://de.euronews.com/my-europe/2026/02/28/europa-reagiert-militarschlage-der-usa-israels-auf-iran
39)https://www.thepioneer.de/originals/others/articles/usa-greifen-iran-an-militaer-trump-washington-teheran-ansprache
40)https://www.deutschlandfunk.de/trump-fordert-bedingungslose-kapitulation-des-irans-102.html
41)https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-03/donald-trump-iran-gespraeche-ajatollah-ali-chamenei
42)https://de.euronews.com/2026/03/10/trump-iran-krieg-ende-drohung
43)https://www.deutschlandfunk.de/trump-fordert-bedingungslose-kapitulation-des-irans-102.html
44)https://www.tagesspiegel.de/internationales/liveblog/strasse-von-hormus-wird-sich-von-selbst-offnen-trump-lehnt-feuerpause-mit-dem-iran-ab-10586281.html
45)https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-03/donald-trump-widersprueche-irankrieg-zeitplan-motive
46)https://www.handelsblatt.com/politik/international/iran-krieg-trump-verschiebt-gipfeltreffen-mit-xi/100136895.html
Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete “atomare Gefechtsfeld” in Europa. Während seiner Verwendung als Wirkungsberater bereitete Effenberger vor allem nach Vorgabe des scharfen General Defense Plans (Ausschnitt bayerische Grenze zur damaligen Tschechoslowakei) Befehle für den Kriegsfall aus und studierte abends zum Ausgleich an der Hochschule für Politik. Mit der Einsicht in die geplante Vernichtungsorgie entschloss er sich, 1976 aus der Bundeswehr auszuscheiden. An der TU studierte er Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020) sowie “Die unterschätzte Macht” (2022).
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