„Win in a Complex World 2020-2040“ – Die aktuelle Situation im Rahmen des sogenannten Irankriegs 2026 lässt sich auch nach 11 Tagen kaum objektiv abbilden. Die Lage auf beiden Kriegsschauplätzen ist angespannt, dümpelt auf hohem Niveau vor sich hin, eskaliert im Moment nicht weiter in neue Großoffensiven und bleibt in der Golfregion auf Luftangriffe, Drohnenoperationen und die Unterbrechung der Öllieferkette in der Straße von Hormus sowie weitgehend auf negative Auswirkungen auf benachbarte Regionen (sogenannte regionale Spillover-Effekte) beschränkt.
Ein Beitrag von Wolfgang Effenberger

Washington wurde im Vorfeld des Krieges gewarnt
Am 24. Februar 2026 erschien in Foreign Affairs mit dem wegweisenden Artikel „Why Iran Will Escalate“ (44) eine wirklichkeitsnahe Prognose des ehemaligen NSC-Direktors für Iran und heutigen Fellow am Atlantic Council, Nate Swanson. Er schreibt, dass ein neuer US-Angriff auf Iran unter Präsident Donald Trump anders verlaufen wird als frühere Aktionen – diesmal mit erheblicher Eskalationsgefahr.
Swanson argumentiert, dass ein weiterer US‑Angriff auf Iran diesmal sehr wahrscheinlich zu einer Eskalation führen wird – anders als bei früheren Aktionen Trumps, die ohne große Folgen geblieben sind. Er begründet das vor allem mit der Mischung aus der inneren Schwäche des iranischen Regimes und dessen Überzeugung, dass die USA und Israel seine Raketenfähigkeit dauerhaft zerstören wollen.
Weiter betonte Swanson, dass Irans Schwäche nicht zu mehr Kompromissbereitschaft, sondern zu geringeren Verhandlungsspielräumen führt; das Regime fürchte um sein Überleben und könne symbolische „Siege“ Trumps innenpolitisch kaum verkaufen.
Die US‑Verhandlungsführung unter Trump sei oberflächlich und stark symbolorientiert (großer Deal, totale Aufgabe von Nuklearprogramm und Raketen), während Iran traditionell auf detaillierte, schrittweise Gegenleistungen setze; diese Diskrepanz blockiere jede Einigung.
Khamenei und die Führung hätten das Raketenprogramm als Fundament der eigenen Sicherheit und Macht gesehen; seine Aufgabe sei für sie faktisch nicht infrage gekommen, selbst unter massivem Druck.
Weil Israel und die USA das iranische Militär (Luftabwehr, Nuklearprogramm, Milizen) stark geschwächt haben und nun auch die Raketen bedrohen, glaube Teheran, es müsse härter und sichtbarer zurückschlagen, um weitere regelmäßige Angriffe abzuschrecken.
Trump verfolge gleichzeitig mehrere Ziele (Macht-Demonstration, innenpolitische Profilierung, Abgrenzung von Obama, angeblicher Schutz der iranischen Protestbewegung), ohne klare Priorität – das erhöhe das Risiko, im Fall einer Fehleinschätzung keinen Plan für die Eskalation zu haben.
Iran könne, statt einen großen Krieg zu suchen, gezielt eskalieren: etwa US‑Soldaten in der Region töten, Israel mit mehr Raketen beschießen oder die Energieversorgung und Schifffahrt im Nahen Osten stören (Straße von Hormuz, Angriffe über Huthi‑Verbündete, Infrastruktur der Golfstaaten).
Solche Schritte würden die USA innenpolitisch unter Druck setzen, da die Mehrheit der Amerikaner einen Iran‑Krieg ablehnt und steigende Ölpreise sowie US‑Opfer Trump geschadet hätten.
Insgesamt sieht der Autor Trump in einer selbstgebauten Falle: Er hat viele „Auswege“ ausgeschlagen, lässt sich von Falken antreiben und könnte, entgegen seinem Versprechen, „endlose Kriege“ zu beenden, tiefer in einen teuren Konflikt mit Iran hineingezogen werden, als er beabsichtigt.
Colonel Douglas Macgregors zentrale Thesen
Der pensionierte US-Oberst und Kritiker der US-Außenpolitik Colonel Douglas Macgregor diskutierte mit Prof. Glenn Diesen (russisch-norwegischer Geopolitik-Experte) mehrmals im Februar/März 2026 die Eskalation im Iran-Krieg. Er prognostizierte dort explizit, dass der Iran siegen und überleben wird, während USA/Israel scheitern.
Macgregor sieht den Konflikt als US-/israelischen Fehltritt, da Iran einen „totalen Krieg“ ums Überleben führt: „Iran wird kämpfen, bis wir aufgeben, zerstört sind oder sie nicht mehr können – sie haben den Heimvorteil.“
Er argumentiert, USA/Israel hätten die iranische Widerstandsfähigkeit (Hyperschallraketen wie Schahab, Drohnen, Proxys, Hormus-Blockade) unterschätzt; Logistikprobleme (Munitionsmangel) würden den Westen langfristig schwächen.
Iran müsse nur überleben – je länger der Krieg dauere, desto schwächer wirkten USA/Israel global, was BRICS (mit China/Russland) stärke; er prophezeit einen „neuen Nahen Osten“, in dem Israel „nicht überleben“ könnte.
Kontext der Interviews
26. Feb. 2026 (vor dem Krieg): Macgregor warnte vor unvermeidbarem Krieg, Iran würde asymmetrisch siegen.
1./2. März 2026 (Kriegstag 2–3): Er analysierte erste iranische Treffer (27 US-Basen, Häfen) als Erfolg; USA seien „verpflichtet“, aber logistisch überfordert; Iran als BRICS-Schlüsselspieler in Richtung einer multipolaren Weltordnung, wo Iran/Russland/China den Hegemonie-Wechsel beschleunigen.
9. März 2026
Macgregors „Iran-Sieg“-These passt zu aktuellen Entwicklungen (abnehmende iranische Raketenintensität, aber anhaltende Hormus-Störung): Er sieht US-Auszug als wahrscheinliches Ende, ähnlich wie in Afghanistan. Kritiker nennen ihn „pro-russisch“, doch seine Militäranalyse (Raketenreserven, keine Bodentruppen) wird in alternativen Kreisen zitiert.
Washingtoner Geheimdienst-Leak
Die Washington Post veröffentlichte nach den weniger erfreulichen Meldungen vom Golf-Kriegsschauplatz eine Analyse, die vor dem 28.Februar 2026 von den vier wichtigsten US-Geheimdiensten – der CIA, der Defense Intelligence Agency, dem Bureau of Intelligence and Research des Außenministeriums und der National Security Agency – im „National Intelligence Council“ (NIC) entstanden war. (45)
In diesem unter der Leitung von Tulsi Gabbard stehenden Gremium kamen die vier Dienste zu dem Schluss, dass die iranische Klerika und das Militärestablishment auf die Ermordung des Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei reagieren würde, indem sie Protokolle befolgten, die die „Kontinuität der Macht“ wahren sollen. (46)
Dieses gezielte Geheimdienst-Leak offenbart, dass der Krieg im Iran nicht gut läuft und der US-amerikanische Geheimdienst das Washington-Spiel beginnt:
„Gib mir nicht die Schuld, ich habe dich gewarnt, es nicht zu tun“.
Neue Situation auf dem Kriegsschauplatz in der Ukraine
Anfang März 2026 meldeten westliche Medien (vor allem MSN) eine Patt-Situation mit ukrainischen Geländegewinnen im Süden und Osten sowie massive russische Drohnen-/Raketenangriffe auf Infrastruktur und Verlegungen russischer Eliteeinheiten als Reaktion. Seit Ende Februar 2026 habe die Ukraine erstmals netto mehr Boden zurückerobert (ca. 400 km²), z. B. 8 Siedlungen bei Oleksandriwka (Donezk) und Vorstöße Richtung Hulyaipole/Saporischschja; Russland habe Pokrowsk eingenommen, würde aber an mehreren Fronten verlieren. Als Reaktion würde Russland Luftlandetruppen und Marineinfanterie aus dem Pokrowsk-Abschnitt in den Süden (Dnipropetrowsk/Saporischschja) verlegen, um Gegenoffensiven zu stoppen. Von den Hunderten von Shahed-Drohnen (480 am 6. März) plus ballistischen Raketen (Iskander, Oreschnik) würde die ukrainische Luftwaffe 70–90% abfangen und im Gegenzug russische Drohnenstarts und Schiffe (z. B. Noworossijsk) angreifen.
Die Ernennung von General Sergei Surowikin (oft „General Armageddon“ genannt) zum neuen Oberbefehlshaber der „militärischen Spezialoperation“ (SMO) scheint derartigen Rückschlüssen Nahrung gegeben zu haben, signalisiert aber in jedem Fall eine Eskalation und die Umstellung auf eine härtere Kriegsführung durch Russland.

Was sind die Signale der Ernennung?
Offensive-Planung:
Surowikin steht für Großangriffe mit Drohnen, Raketen und Artillerie auf Energie-/Zivilziele, um die Ukraine wirtschaftlich zu zermürben – das passt zum russischen Ziel, bis Ende 2026 die Truppen in der Ukraine auf 800.000 Mann zu verstärken.
Signal der Härte inmitten des Iran-Kriegs:
Nachdem der alten Befehlshaber Belusow keine spektakulären Erfolge (keine „schnelle Befreiung“ der DPR) vorweisen konnte – eine kämpfende Truppe braucht Erfolge – ist dieser Schritt zugleich ein Signal an Washington, dass Moskau nun in die Eskalation des Kriegsgeschehens einsteigt.
Im Kontext des Iran-Kriegs könnte Surowikin in der Ukraine eine „Zweite Front“ schaffen, die den Iran entlastet, indem er NATO-Ressourcen bindet – ohne Russland zu überfordern.
Am 11. März 2026 scheint die Frontlinie weitgehend stabil mit russischen Vorstößen im Osten, etwa nahe Pokrowsk in Donezk, wo Russland Gebiete gewinnt, während die Ukraine vereinzelt Dörfer wie Hruske oder Rubischne zurückerobert hat. Seit Ende Februar meldet die Ukraine erste territoriale Gewinne, doch keine umfassenden Erfolge im Süden und Osten. Russische Eliteeinheiten wurden nicht explizit als Reaktion auf ukrainische Gewinne bestätigt; stattdessen verlegt Kiew Reserven wie die Asow-Brigade.
Russland führt weiterhin massive Drohnen- und Raketenangriffe durch, mit Rekordzahlen wie über 800 Drohnen in einer Nacht gegen Kiew und Infrastruktur im gesamten Land, was Tote, Brände und Stromausfälle verursacht. Ziele sind Energieversorgung, Bahnanlagen und Städte wie Charkiw; die ukrainische Luftabwehr wehrt viele ab, doch die Einschläge häufen sich. Das ist also keine Patt-Situation, sondern eine eskalierende russische Offensive. (47)
Die Ukraine kontert mit Angriffen auf russische Drohnenbasen und baut die Flugabwehr aus, leidet aber unter anhaltenden russischen Bombardements auf Zivilinfrastruktur. Die Diplomatie stockt mit russischen Gebietsforderungen und NATO-Verhandlungen ohne Fortschritt. Insgesamt also eine Steigerung des russischen Drucks trotz bescheidener ukrainischer Verteidigungserfolge. (48)
Die Gesamtsituation im 6. Jahr von „Win in a Complex World 2020-2040“ deutet daraufhin, dass die US-Planer recht gut im Zeitmanagement liegen. Der Krieg dürfte auf beiden Schauplätzen weitergehen und sich in Zukunft weiter ausweiten. Das angestrebte Ziel dürften die USA jedoch verfehlen. Nachdem sich der Pulverdampf gelegt und der Gefechstlärm verklungen ist, wird es keine unipolare Weltordnung, sondern eine mulipolare Friedensordnung geben.
Anmerkungen und Quellen
1)https://www.marchanzeiger.ch/2026/03/05/drohnen-in-aserbaidschan-iran-krieg-weitet-sich-aus/
2)https://www.zeit.de/news/2026-03/05/neuer-raketenangriff-irans-auf-israel-sirenen-in-tel-aviv
3)https://www.tagesspiegel.de/internationales/die-lage-im-uberblick-drohnen-in-aserbaidschan-iran-krieg-weitet-sich-aus-15317402.html
4)Die neue moderne deutsche Übersetzung von „The Art of War“ (Übersetzt und kommentiert) – Timeless Lore Taschenbuch – 22. Dezember 2025
5)https://chinesische-weisheiten.com/40-sun-tzu-zitate/
6)https://chinesische-weisheiten.com/40-sun-tzu-zitate/
7)https://defence-network.com/us-raketenabwehr-thaad-unterstuetz-israel
8) https://missilethreat.csis.org/system/thaad/
9)https://esut.de/2024/11/meldungen/54555/usa-verstaerken-israels-schutz-thaad-raketenabwehr-und-soldaten-fuer-mehr-sicherheit/
10)https://en.sputniknews.africa/20260304/1083991141.html
11)https://www.nytimes.com/2026/03/03/world/middleeast/iran-strikes-us-military-communication-infrastructure-in-mideast.html
12)https://www.solaceglobal.com/news/2026/03/06/iranian-attacks-gulf-security-outlook/
13)https://www.nytimes.com/2026/03/01/world/middleeast/iran-strikes-us-military-facilities.htm
14) https://www.fw-mag.com/shownews/950/iran-strikes-american-radar-and-communication-systems-in-the-gulf
15)https://www.fw-mag.com/shownews/950/iran-strikes-american-radar-and-communication-systems-in-the-gulf
17) https://www.fw-mag.com/shownews/950/iran-strikes-american-radar-and-communication-systems-in-the-gulf
18)https://www.fw-mag.com/shownews/950/iran-strikes-american-radar-and-communication-systems-in-the-gulf
19)https://www.solaceglobal.com/news/2026/03/06/iranian-attacks-gulf-security-outlook
20) https://www.solaceglobal.com/news/2026/03/06/iranian-attacks-gulf-security-outlook/
21)https://www.fw-mag.com/shownews/950/iran-strikes-american-radar-and-communication-systems-in-the-gulf
22)https://en.sputniknews.africa/20260304/1083991141.html
23)https://www.fw-mag.com/shownews/950/iran-strikes-american-radar-and-communication-systems-in-the-gulf
24)https://www.fw-mag.com/shownews/950/iran-strikes-american-radar-and-communication-systems-in-the-gulf
25)https://www.fw-mag.com/shownews/950/iran-strikes-american-radar-and-communication-systems-in-the-gulf
26)https://www.fw-mag.com/shownews/950/iran-strikes-american-radar-and-communication-systems-in-the-gulf
27)https://en.sputniknews.africa/20260304/1083991141.html
28)https://www.solaceglobal.com/news/2026/03/06/iranian-attacks-gulf-security-outlook/
29)https://en.sputniknews.africa/20260304/1083991141.html
30)https://www.solaceglobal.com/news/2026/03/06/iranian-attacks-gulf-security-outlook/
31)https://timesofindia.indiatimes.com/world/middle-east/satellite-images-show-damage-at-us-fifth-fleet-naval-base-in-bahrains-manama-see-before-after-pics/amp_articleshow/128938261.cms
32)https://www.ynetnews.com/article/bybbtvpyz
33) https://www.ynetnews.com/article/bybbtvpyzl
34)https://www.fw-mag.com/shownews/950/iran-strikes-american-radar-and-communication-systems-in-the-gulf
35)https://seniora.org/politik-wirtschaft/politik/der-schutzschild-ist-weg-iran-zerstoert-vier-thaad-systeme-am-golf
36)https://islanderreports.substack.com/p/the-shield-is-gone-iran-takes-out
37)https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-strasse-hormus-usa-100.html
38)https://www.reuters.com/business/energy/azerbaijan-says-it-foils-iranian-plots-including-plan-attack-major-pipeline-2026-03-07/?utm_source=chatgpt.com
39)https://www.theguardian.com/world/2026/mar/05/azerbaijan-accuses-iran-drone-attack-airport-injured-people?utm_source=chatgpt.com
40)https://georgiatoday.ge/iran-signals-possible-strike-on-baku-tbilisi-ceyhan-pipeline-supplying-israel/?utm_source=chatgpt.com
41)https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-krieg-angriff-aserbaidschan-100.html
42)https://www.gmx.at/magazine/politik/nahostkonflikt/iran-krieg-live-blog-eu-chefdiplomatin-iran-krieg-putin-helfen-41967054
43)https://www.rferl.org/amp/azerbaijan-iran-plot-oil-pipeline-energy-attack-middle-east/33698209.html
44)https://www.foreignaffairs.com/middle-east/why-iran-will-escalate?utm_medium=newsletters&utm_source=twofa&utm_campaign=Why%20Iran%20Will%20Escalate&utm_content=20260227&utm_term=N
46)https://archive.ph/vDsAU#selection-379.0-397.66
47)https://www.lpb-bw.de/chronik-ukrainekonflikt
48)Ebda.
Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete “atomare Gefechtsfeld” in Europa. Während seiner Verwendung als Wirkungsberater bereitete Effenberger vor allem nach Vorgabe des scharfen General Defense Plans (Ausschnitt bayerische Grenze zur damaligen Tschechoslowakei) Befehle für den Kriegsfall aus und studierte abends zum Ausgleich an der Hochschule für Politik. Mit der Einsicht in die geplante Vernichtungsorgie entschloss er sich, 1976 aus der Bundeswehr auszuscheiden. An der TU studierte er Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020) sowie “Die unterschätzte Macht” (2022).
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