Trumps acht Phantom-Frieden

Welche Länder meint Trump, wenn er in seiner selbst ernannten Rolle als „Präsident des Friedens“ behauptet, er habe im letzten Jahr acht Kriege beendet? Laut seinen öffentlichen Äußerungen und Beiträgen in den sozialen Medien handelt es sich um die hier vorgestellten Konflikte.

Ein Beitrag von Rainer Rupp

US-Präsident Donald Trump spricht mit Reportern, während er an der feierlichen Vereidigung von Paul Atkins als Vorsitzender der Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde im Oval Office des Weißen Hauses teilnimmt. Foto: dpa

Donald Trump ist bei weitem nicht der einzige Präsident der Vereinigten Staaten, der als Narzisst und Fantast beschrieben wurde, aber wenn Trump in einem olympischen Wettkampf zwischen Bill Clinton, George W. Bush, Barack Obama und Joe Biden antreten würde, „wäre er der Goldmedaillengewinner“, urteilte jüngst der frühere hochrangige CIA-Analyst Larry Johnson auf seinem Substack-Kanal.

In der großen Inszenierung von Donald Trumps zweiter Präsidentschaft kommt keine Rolle besser an als die des „Präsidenten des Friedens“. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos letzte Woche prahlte er erneut damit, in seinem ersten Amtsjahr „acht Kriege gestoppt“, Millionen Leben gerettet und die Welt „reicher und sicherer“ gemacht zu haben.

Sogar seine skurrilen Eroberungsträume um Grönland verknüpfte er mit der verpassten Verleihung des Nobel-Friedenspreises. In einer SMS-Botschaft an Norwegens Ministerpräsidenten erklärte er wie ein kleines Kind patzig, er fühle sich jetzt nicht mehr verpflichtet, „rein an Frieden zu denken“, nachdem er den Preis dieses Jahr nicht bekommen hat. Und das, obwohl sein einflussreicher guter Freund ‒ der wegen vermutlicher Kriegsverbrechen während des Krieges in Gaza vom Internationalen (UN-)Gerichtshof gesuchte Netanjahu ‒ dem Friedensnobelpreis-Komitee in Oslo persönlich Trump für den Preis wärmstens vorgeschlagen hatte.

Schauen wir uns die acht „Kriege“ auf Trumps Friedensliste an, inklusive des Hintergrunds, den er geflissentlich auslässt.

1. Israel und Hamas (Gaza)

Trump bezeichnet den Krieg in Gaza für beendet und reklamiert für sich den vollen Verdienst für den Waffenstillstand von 2025, der die in die Zigtausende gehende Toten unter der Zivilbevölkerung in Gaza nach zwei brutalen Jahren bremste. Tatsächlich ließen die Kämpfe nach, Israels Tötungsrate sank auf kleinere Dimensionen. Doch der Trump-Deal ist brüchig, in sich widersprüchlich und zunehmend in der Sackgasse, während sporadische Angriffe mit hunderten Toten pro Woche anhalten, die Bevölkerung in Gaza weiterhin in jeder Beziehung – Lebensmittel, Wasser, Medizin, Decken und Schutz gegen Regen und Kälte – brutal unterversorgt ist und der von Trump viel zitierte „Wiederaufbau“ so fern wie der Mars ist.

2. Israel und Iran  

Hier reklamiert Trump, eine direkte Konfrontation zwischen Israel und Iran entschärft zu haben, wobei er vermutlich auf den gegenseitigen, kurzen Raketenbeschuss im Jahr 2025 anspielt. Trump stilisiert sich zum Retter vor dem Weltuntergang. Er vergisst zu erwähnen, dass er unprovoziert, nur zur Unterstützung der Netanjahu-Regierung schwere US-Luftangriffe auf iranische Ziele angeordnet hat. Das ist nicht die Tat eines Friedenspräsidenten, sondern eines Kriegspräsidenten, der einen angeblichen „Frieden“ durch überlegene Feuerkraft erzwingt.

3. Indien und Pakistan  

Trump prahlt wiederholt damit, einen Atomkrieg um Kaschmir verhindert und „Millionen“ (manchmal „Milliarden“) Leben gerettet zu haben. Indische Regierungsmitglieder, darunter Außenminister Jaishankar, dementierten jede US-Vermittlung. Der Waffenstillstand war bilateral! Wieder eine klassische Trump-Konfabulation: Aus einem militärischen Grenzgeplänkel wird der abgewendete Dritte Weltkrieg.

4. Ruanda und Demokratische Republik Kongo

Ein tatsächlicher US-vermittelter Waffenstillstand im Juni 2025, im Dezember formalisiert, wurde von Trump als „glorreicher Triumph“ gefeiert. Die Realität: Die von Ruanda unterstützten M23-Rebellen rücken weiter vor, Kinshasa wirft Kigali Vertragsbrüche vor, Kämpfe wüten weiter. Der Frieden hielt nicht länger als ein Neujahrsvorsatz.

5. Thailand und Kambodscha 

Trump nannte dies scherzhaft einen zusätzlichen „Viertelkrieg“ und reklamierte mehrere Waffenstillstände. Grenzgefechte flammten kurz darauf wieder auf, mit Luftangriffen und Toten. Kein Land schreibt den USA eine entscheidende, mäßigende Rolle in diesem Konflikt zu, den Trump zur persönlichen Heldentat aufblies.

6. Armenien und Aserbaidschan

Hier gibt es wenigstens eine belastbare Basis für eine Frieden stiftende Rolle der USA: Eine Zeremonie im Weißen Haus mit den Präsidenten Paschinjan (Armenien) und Alijew (Aserbaidschan) brachte ein Rahmenabkommen für die vor einem Jahr noch umkämpfte Region „Berg-Karabach“ zustande. Beide Seiten äußerten sich positiv zur US-Vermittlung. Doch das Abkommen wartet auf Ratifizierung und Referenden – vereinzelte Gewaltakte halten an. Fortschritt gibt es, aber den Konflikt für „beendet“ zu erklären, ist noch zu früh.

7. Ägypten und Äthiopien (Der GERD-Staudamm)

Trump behauptet, einen Krieg um den Großen Äthiopischen GERD-Staudamm verhindert zu haben. Es war immer nur eine Verhandlung um Wassernutzungsrechte, nie ein bewaffneter Konflikt. Trotz Trumps „Friedenseinmischung“ gibt es kein formales Abkommen zwischen den beiden Ländern. Die Spannungen schwelen weiter. Trump machte aus diplomatischem Feilschen eine verhinderte Apokalypse.

8. Serbien und Kosovo

Im Kosovo gab es seit 1999 keine bewaffneten Konflikte zwischen Albaner und der serbischen Minderheit, doch Trump will letztes Jahr einen „potenziellen Krieg“ durch wirtschaftliche Normalisierung gestoppt haben. Das Grundproblem, der serbische Widerstand gegen die von der NATO mit militärischer Gewalt durchgesetzte Abtrennung der serbischen Provinz Kosovo, schwelt jedoch weiter. 

Parallel zu seinen imaginären „Frieden stiftenden Erfolgen“ hat Trump ein ganz reales Register von Bombardements in Syrien, Nigeria und Iran. Da gibt es die Versenkung angeblicher „Drogenboote“ in der Karibik, einen mörderischen Überfall auf Venezuela und die Entführung eines Staatsoberhauptes und seiner Frau. Im Sinne einer „Pax Americana“ sieht Trump das alles anscheinend auch als friedensstiftend an.

Leider hat das beeindruckende Bild, das Trump von sich selbst hat, so gut wie nichts mit der Realität zu tun. Viele dieser angeblich von ihm gestoppten „Kriege“, über die Trump immer wieder konfabuliert, waren nie echte Kriege ‒ andere toben weiter, und Trumps Rolle dabei war, wenn sie überhaupt existierte, höchstens grenzwertig.

Konfabulieren bedeutet, dass jemand unbewusst Lücken in seinem Gedächtnis mit frei erfundenen, aber als wahr empfundenen Geschichten oder Details füllt, ohne bewusst zu lügen. Dies geschieht laut meiner KI-Software „oft bei neurologischen Erkrankungen wie dem Korsakow-Syndrom oder Demenz und dient dem Versuch, die lückenhafte Realität zu vervollständigen und ihr Sinn zu geben. Es handelt sich nicht um eine absichtliche Täuschung, sondern um eine unbewusste Fehlfunktion des Gedächtnisses, bei der die Betroffenen fest davon überzeugt sind, die Wahrheit zu sagen.“

Wahrscheinlich ist das, was wir bei dem Verhaltensmuster des „Friedenspräsidenten“ Trump sehen, keine absichtliche Täuschung, sondern die aufrichtige Erfindung falscher Erinnerungen, oft verbunden mit kognitivem Abbau. Es ist weniger Täuschung als Wahn eines zu bedauernden alten Mannes, der seinen eigenen „Wahrheiten“ in seiner eigenen, anderen Welt glaubt.

Rainer Rupp, Jahrgang 1945, arbeitete von 1977 bis 1989 für die Hauptverwaltung Aufklärung, die Auslandsspionage der DDR. Er war live dabei, als in den 80iger Jahren ein Atomkrieg geplant wurde. Rainer Rupp ist es zu verdanken, dass die NATO – Übung “Able Archer” 1983 nicht zum atomaren Armageddon führte. Er verhinderte es, als die Sowjetunion eine irrtümliche atomare Gegenreaktion auslöste.  Er wurde von der BRD-Justiz 1994 wegen Landesverrats zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Er arbeitete unter dem Decknamen „Topas“ und war der wichtigste Spion des Warschauer Paktes im NATO-Hauptquartier. Seit seiner Entlassung arbeitet er als Publizist. Im März 2023 organisierte er in Berlin die Friedenskonferenz «Dialog statt Waffen» mit ehemaligen Generälen der Bundeswehr und der Nationalen Volksarmee. 

Rainer Rupp ist Mitglied des Beirats des Deutschen Freidenker-Verbandes

Disclaimer: Berlin 24/7 bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion Berlin 24/7 widerspiegeln. Wir bemühen uns, unterschiedliche Sichtweisen von verschiedenen Autoren – auch zu den gleichen oder ähnlichen Themen – abzubilden, um weitere Betrachtungsweisen darzustellen oder zu eröffnen. 

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