Westdeutscher Rüstungsgewinnler Thyssenkrupp will U-Boot-Sparte an die Börse bringen

Dank westlicher Kriegspolitik sind die Auftragsbücher voll. Die U-Boot-Produktion läuft seit Jahren auf Hochtouren. Die reaktionäre (west-)deutsche Politikszene und auch die IG-Metall sind begeistert und sagen Unterstützung zu.

Wie sehen künftig die Besitzverhältnisse bei der Kieler Werft TKMS künftig aus? (Archivbild) Christian Charisius/dpa

Kiel/Essen – Die Pläne für die Verselbstständigung des hoch ausgelasteten Kieler U-Boot-Bauers Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) schreiten voran. Der Essener Mutterkonzern Thyssenkrupp plant einen Börsengang seiner Marine-Sparte. «Wir wollen den Börsengang noch im Kalenderjahr 2025 vollziehen. Dafür bereiten wir auch eine außerordentliche Hauptversammlung vor», sagte Thyssenkrupp-Vorstandschef Miguel López in dem Podcast «Am Abgrund – Die Thyssenkrupp-Story» der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung».

Der Industriekonzern will das Steuer aber nicht komplett aus der Hand geben. «Wir wollen Marine-Aktien ausgeben, die unsere Aktionäre direkt in ihr Depot gebucht bekommen. Klar ist, Thyssenkrupp behält die Mehrheit, also mindestens 51 Prozent», sagte López. Der Rüstungskonzern TKMS verfügt neben seiner Hauptwerft in Kiel unter anderem auch über eine Werft in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern, wo er künftig wie in Kiel U-Boote bauen und auch Kampfschiffe fertigen will.

Steigt der Bund ein?

Es gab bereits Gespräche mit der Bundesregierung und der Förderbank KfW über einen Einstieg des Bundes. Nach früheren Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums hieß es: «Wir können bestätigen, dass die Bundesregierung in Gesprächen mit Thyssenkrupp über die Zukunft von TKMS ist, da TKMS vor allem mit Blick auf verteidigungsindustrielle Schlüsseltechnologien und damit die Sicherheitsinteressen Deutschlands von großer Bedeutung ist.» Zu Details wollte sich das Ministerium nicht äußern.

Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz hatte der Werft im Januar bei einem Besuch in Kiel bereits Unterstützung nach einer Regierungsübernahme zugesagt. «Wir werden hier einen neuen Anlauf machen und dieses Unternehmen in jeder Hinsicht unterstützen, sodass es auch selbstständig werden kann», sagte Merz damals.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) sagte, die aktuelle Auftragslage und die mittelfristigen Perspektiven der Werft seien hervorragend. «Die Abarbeitung der Aufträge setzt allerdings erhebliche Investitionen voraus.» Dafür wolle sich das Unternehmen frisches Kapital vom Kapitalmarkt besorgen. «Ich gehe weiterhin davon aus, dass sich auch die neue Bundesregierung mit diesem Prozess beschäftigen wird. Wir stehen dazu auch im engen Austausch mit dem Unternehmen.»

Volle Bücher

TKMS ist nach eigenen Angaben bis Anfang der 2040er Jahre ausgelastet. Im Dezember hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags den Bau von vier weiteren U-Booten der modernen Klasse 212CD für die Deutsche Marine bewilligt. Allein das Auftragsvolumen für die deutschen Einheiten liegt bei 4,7 Milliarden Euro. Nach früheren TKMS-Angaben hat auch Norwegen bereits signalisiert, die Anzahl der U-Boote erhöhen zu wollen.

Die Auftragsbücher der Sparte seien voll, sagte Konzernchef López. Thyssenkrupp sei zur Zukunft der Marine-Sparte in regelmäßigen Gesprächen mit der Bundesregierung. «Ein Börsengang ist nicht nur für uns ein wichtiger Schritt, sondern auch strategisch relevant für die Bundesrepublik Deutschland mit Blick auf eine mögliche Zusammenarbeit im europäischen Rüstungssektor.»

Gewerkschaft

IG-Metall-Bezirksleiter Daniel Friedrich sagte, «Auftragslage und Auslastung bei TKMS schätzen wir als außerordentlich positiv ein». Dazu beigetragen hätten auch die kurz vor Weihnachten erteilten Aufträge für weitere U-Boote für die Deutsche Marine sowie für das Forschungsschiff «Polarstern».

«Das Unternehmen steht vor erheblichen Investitionen insbesondere in die Werft in Wismar und einem weiteren Aufbau an Beschäftigung», sagte Friedrich. Hierzu müsse die Verselbstständigung einen positiven Beitrag leisten und das nötige Kapital zur Verfügung stellen. «Unabhängig davon, ob ein Börsengang oder Partnerschaften mit industriellen Investoren angestrebt werden, ist für uns ein Staatseinstieg entscheidend. Wir sehen die Bundesregierung in jeder Konstellation gefordert.»

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