Wir brauchen eine Wehrpflicht!

Heute gehen junge Leute auf die Straße, um gegen die Wehrpflicht zu protestieren. Dabei ist eine Wehrpflicht nötiger denn je! Ein Aufruf zur Wehrpflicht.

Ein Beitrag von Roberto J. De Lapuente

Dr. Frank GaethCC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Bis zu 5.000 Euro Bußgeld drohten denen, die gerstern der Schule fernblieben, um gegen die Wehrpflicht zu demonstrieren. Von Rheinische Post bis rbb, von SWR bis MDR: Was Schülern – oder besser deren Eltern – heute blühen könnte, wenn sich von der Schulbank gedrückt und auf die Straße bewegt wird, musste natürlich nochmal explizit betont werden. Zwar liest man auch, dass kein Fall von einem derart hohen Bußgeld beim Schwänzen der Schule bekannt sei, aber theoretisch sei eine solche Sanktion möglich. Also titelt man furchtheischend auf diese Weise: Denn alles was der Angsterzeugung dient, ist erlaubt.

In verschiedenen deutschen Städten haben junge Leute ein Zeichen gegen die Wehrpflicht gesetzt, die bis dato freiwillig ist, die aber so wenig »in Anspruch genommen« wird, dass man von einer baldigen Wehrpflicht, die dem Namen dann auch gerecht wird, ausgehen muss. Dieser Thursday to Tackle Conscriptionist, mehr als jeder verdammte Freitag vorher, ein Friday for Future. Gegen die Wehrpflicht stehen die Jungen auf. Es wäre jedoch gut – auch wenn es seltsam klingen mag –, wenn man gleichzeitig auch für die Wehrpflicht werben würde.

Marschieren – jetzt!

Dieses Land besteht nur noch aus Totschlagargumenten – es will Andersdenkende totschlagen. Metaphorisch zumindest. Nicht wenige träumen wohl von physischen Eingriffen. Völlig gleich, um was es thematisch geht, die Debattenräume sind Zonen für Totschläger – keine Seite lässt die andere sprechen, geschweige denn gelten. Jedes Weltereignis polarisiert dermaßen, dass letztlich das Klima leidet – dieser Klimawandel, der sich in den letzten zehn, fünfzehn Jahren brutal vollzogen hat, ließ aus dieser Bundesrepublik eine ziemliche Hölle werden.

Dazu kommen andere Entwicklungen, die schon früher angelegt waren: Investitionszurückhaltungen, eine Kultur des Verschleißens und Mürbemachens von Arbeitskräften, Lohnzurückhaltung und damit einhergehend ein Grad an Verarmung, der nun auch immer gezielter die Mittelschicht erfasst und auch den unternehmerischen Mittelstand, dem einst goldener Boden nachgesagt wurde – heute liegt er auf selbigen und spürt: Das bisschen Stroh ist halt doch kein Gold – und aus Stroh lässt sich nur in Märchen welches spinnen. Das Stadtbild: Grau, chaotisch, kaputt und das ist in aggressive Grundstimmung getaucht. Ist es das, was junge Leute verteidigen sollen?

Deutschland ist ein missgestimmtes, ein gezielt auf schlechte Laune ausgerichtetes Land – eine Lebensart von Format kennt man hier nicht; das hiesige »Savoir-vivre« geht ungefähr so: Gürtel enger schneller, Maul halten, irgendwie weiterwursteln und bloß nicht auffallen durch kritische Äußerungen – und wenn es drauf ankommt, dann mit dem Chor der Regierungshörigen singen, denn das macht alles leichter. Streitkultur gibt es keine. Das, was man stattdessen implementiert hat, ist soziale Ächtung, Cancel Culture, Ausblenden und Wegzappen: Totschlagen eben. Über ergebnisoffene Diskurse entscheidet hierzulande der Medienbetrieb. Was geht und was nicht: Das ist seine Expertise. Er weiß, was gesagt werden darf und wo man Ansichten besser sofort totschlägt.

Ist das der Way of Life, für das junge Menschen – und auch alte Knacker, wenn es eng wird – selbiges hingeben sollen? Nach dem Lieferhelden und dem Pflegehelden mal wieder ein Sterbeheld? Humanressourcen für den Wahn von Versagern, deren letzte Option es ist, den Nachwuchs in Schlachthaus zu führen? Wenn die Jungen und Alten nun marschieren sollen, dann doch bitte nicht an die Front irgendwo an Außengrenzen, sondern an jene Fronten, die man durch Missachtung, Verachtung, Ignoranz und auch aus Kalkül im Inneren aufgetan hat. Da braucht es eine Wehrpflicht!

Wehrpflicht – sofort!

Und zwar eine allgemeine Pflicht, sich zu wehren. Sich zur Wehr zu setzen gegen eine Politik, die gegen die Interessen der Menschen geht, die immer mehr in den Lebensalltag der Bürger eingreift, sie bevormundet, sie entmündigt und am Ende gar zum Schweigen bringen will. Es wird Zeit, dass man sich gegen jene dummdreiste Politik wehrt, die jeden Einwand als Extremismus und als rechts und damit als böse denunziert und jede Kritik zur Gefahr erklärt, der man beikommen muss – wenn nötig auch mittels der Inanspruchnahme einer Netzagentur, die dann ohne richterliche Anordnung Redakteuren auflauern darf. Her mit der Wehrpflicht gegen eine politische Klasse, die sich längst daran gewöhnt hat, dass Widerspruch nur noch als Störung behandelt wird. Wehrpflicht heißt auch: Nicht kuschen, verdammt nochmal! Das Land gehört uns – den Bürgern und nicht den Apparatschiks.

Wehrpflicht hieße auch, sich gegen einen Medienbetrieb zu stellen, der mehr und mehr zum Scharfmacher geworden ist. Der Konflikte aufbläst, Empörung kultiviert und moralische Frontlinien zieht, um sich auf diese Weise lieb Kind bei den politischen Machtfunktionären zu machen.

Und schließlich braucht es eine Wehrpflicht gegen die Vereinnahmung durch Propaganda, die man überall antreffen kann – und die auch immer mehr Menschen durchschauen, die es aber nicht laut aussprechen, weil sie ahnen, was ihnen dann blühen könnte. Gegen einen Zeitgeist, der nur noch erlaubt, entweder dafür oder dagegen zu sein, braucht es Wehrhaftigkeit – wir müssen wehrtüchtig, wehrbereit werden.

Am Ende wäre diese Wehrpflicht nichts anderes als eine Erinnerung daran, dass das, wovon alle ständig sprechen, ohne es zu meinen, Demokratie nämlich, keine Komfortzone ist. In ihr muss man streiten, laut werden, sich mitteilen und sich auch wehren. Das ist ihr Normalzustand. Der politische Betrieb und dessen Medienanstalten erzählen uns seit langem, dass demokratischer Diskurs etwas ist, was die gnadenvolle Politik genehmigt, über was sie verfügt, was sie den Bürgern zuteilt. Gegen den Parteienstaat, der die Mitbestimmung und die Mitsprache derart eingezäunt hat, braucht es wehrhafte Bürger – Leute, die sich eine Wehrpflicht auferlegen. Was da auf Deutschlands Straßen stattfand, kann nur ein Beginn sein. Erst diffamierte der Mainstream besorgte Bürger, dann brandmarkte er Wutbürger – vor dem Wehrbürger sollte er zu kuschen lernen.

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
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Disclaimer: Berlin 24/7 bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion Berlin 24/7 widerspiegeln. Wir bemühen uns, unterschiedliche Sichtweisen von verschiedenen Autoren – auch zu den gleichen oder ähnlichen Themen – abzubilden, um weitere Betrachtungsweisen darzustellen oder zu eröffnen.

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