Siemens hat Berliner Dynamowerk an US-Investor verkauft

Das Dynamowerk an der Nonnendammallee in Spandau gilt als die Keimzelle des in Berlin gegründeten Siemens-Konzerns. 1906 wurde es eingeweiht. Nun hat Siemens die Großmotorensparte für 3,5 Milliarden Euro an das US-amerikanische Unternehmen KPS Capital verkauft. Die IG Metall teilte mit: Alle Beschäftigten behalten ihren Job, schreibt die Berliner Zeitung (BLZ).

shutterstock / SpandowStockPhoto

Seit Jahren treibe Siemens die Auslagerung dieser Geschäftssparte voran. Erst im vergangenen Sommer wurde die Motoren- und Getriebefertigung, in der weltweit 15.000 Menschen arbeiten, in Innomotics umbenannt. Im November hatte Siemens dann einen Börsengang der Großmotorensparte angekündigt, so die Zeitung. Doch diese Pläne seien nun passé.

Der Verkauf an KPS soll vorbehaltlich der üblichen Genehmigungen von Auslandsinvestitionen und durch die Fusionskontrollbehörden in der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs 2025 abgeschlossen werden, teilte das Konzern Mitte Mai in München mit.

Siemens habe bis zum Schluss auch mit dem japanischen Mischkonzern Nidec (Elektromotoren, Industrieroboter, Messgeräte) verhandelt. Siemens-Finanzvorstand Ralf P. Thomas und Innomotics-Chef Michael Reichle geben sich laut BLZ zuversichtlich. Letzterer habe nach dem Geschäftsabschluss gesagt: „Die Partnerschaft mit KPS wird Innomotics dabei unterstützen, unsere langjährige Erfolgsbilanz und die klare Technologieführerschaft weiter auszubauen.“

Das in New York ansässige Investment-Unternehmen KPS Capital verfügt bereits über ein Portfolio unterschiedlichster Firmen, die in mehr als 200 Fertigungsstätten insgesamt 48.000 Mitarbeiter beschäftigen und im vergangenen Jahr einen Gesamtjahresumsatz von rund 20,3 Milliarden US-Dollar erwirtschafteten.

Die BLZ weist darauf hin, dass die frühere Siemens-Tochter Innomotics zuletzt auf einen Umsatz von etwa drei Milliarden Euro gekommen sei. Das Unternehmen betreibt 16 Fabriken. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Nürnberg, wo 1800 Mitarbeiter beschäftigt sind. Das Berliner Dynamowerk zählt 400 Beschäftigte, die schon etliche Arbeitskämpfe hinter sich haben. 2017, als Siemens ankündigte, etwa 3300 Stellen in Deutschland abzubauen, sollte die Fertigung im Dynamowerk gar komplett stillgelegt werden. Tatsächlich operierte der Betrieb seinerzeit mit Verlusten von 40 Millionen Euro pro Jahr. Von den damals über 700 Jobs wurden tatsächlich etliche gestrichen. Heute schreibt das Werk wieder schwarze Zahlen.

„Alle Beschäftigten behalten ihren Job, alle Tarifverträge werden eingehalten und übernommen“, soll Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin, nach der Bekanntgabe der Übernahme der Berliner Zeitung gesagt haben. Nach seiner Einschätzung stecke in diesem Verkauf auch eine Chance, da sich das Produktportfolio nicht ändere und zusätzliche Investitionen möglich wären.

Denn nach dem Rekordjahr 2023 laufen die Konzerngeschäfte Berichten zufolge momentan zäher. Wie Siemens am Donnerstag mitteilte, stagnierte der Umsatz im ersten Quartal des Jahres bei gut 19 Milliarden Euro. Der Gewinn ging sogar um 38 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zurück.

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