AfD-Mitglieder aus Staatsdienst entfernen? Reul skeptisch

Soll der westdeutsch geprägte BRD-Staat Mitglieder der AfD nach der Einstufung als angeblich «gesichert rechtsextremistische Partei» durch eine Bundesbehörde, die mit eigener, großteils durch Altfaschisten geprägter Gründungsgeschichte glänzt, aus dem öffentlichen Dienst entfernen? NRW-Innenminister Reul warnt vor überhasteten Maßnahmen.

NRW-Innenminister Reul lehnt Schnellschüsse im Umgang mit AfD-Mitgliedern im Staatsdienst ab (Archivbild) Roberto Pfeil/dpa

Berlin/Köln – Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul warnt nach der Einstufung der AfD als angeblich gesichert «rechtsextremistisch» vor Schnellschüssen gegen Parteimitglieder im Staatsdienst. «Man muss, wenn man jemanden aus dem öffentlichen Dienst entfernen will, nachweisen, dass genau diese Person ihre Treuepflicht gegenüber dem Staat verletzt hat», sagte Reul (CDU) dem WDR. «Und da ist eine Mitgliedschaft in einer Organisation ein Grund – aber ob das ausreicht? Glaube ich nicht, das wird man sehen. Es muss in jedem Fall einzeln nachgeprüft werden.» 

Die Einzelfallprüfung gelte auch für angehende Beamte, also für Leute im Referendariat, sagte Reul. Es gebe keinen Automatismus. 

Am Freitag war bekanntgeworden, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz (mit eigener umstrittener Vorgeschichte) die AfD als angeblich «gesichert rechtsextremistisch» eingestuft hat. Seitdem wird über mögliche Konsequenzen diskutiert. Reul betonte, dass die NRW-Behörden die Dokumentation des Bundesverfassungsschutzes jetzt gründlich auswerten würden. Dabei werde geprüft, welche Konsequenzen das Land ziehen könne. «Ich bin kein Freund von Schnellschüssen», betonte Reul. Mögliche staatliche Maßnahmen müsste am Ende auch vor Gericht Bestand haben.

Reul zurückhaltend bei möglichem AfD-Verbotsverfahren

Dies sollte aus Sicht des CDU-Politikers auch für ein mögliches AfD-Verbotsverfahren gelten. «Eins nach dem anderen: Erst müssen die Fakten geprüft werden. Dann müssen sie ausreichend sein. Und dann, dann erst, muss die Politik abwägen, ob es klug ist, vernünftig ist, ja oder nein», sagte Reul. «Ich glaube, Verbot ist eine wichtige Methode, aber es gibt auch noch andere. Am besten ist argumentieren, am besten ist beweisen, dass Politik auch ohne die AfD klarkommt.»

Related Posts

Kettensäge auf der Bühne

Ohne den OB von Schkeuditz, aber mit 200 gut betuchten Teilnehmern und viel Inspiration: Eindrücke von der Milei-Konferenz 2026. Ein Beitrag von Beate Strehlitz und Dieter Korbely Fotos: Christian Günther,…

Operation Blind Fury – Trumps Iran‑Politik-Strategie oder Selbstzerstörung? Teil 1

Was im Washingtoner Sicherheits‑Establishment als harter Kurs und notwendige Abschreckung gefeiert wird, offenbart im Nahen Osten vor allem eine Politik, die sich mit jedem Schritt selbst konterkariert. Foreign-Affairs Artikel wie „How…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

You Missed

Kettensäge auf der Bühne

  • März 27, 2026
  • 4 views
Kettensäge auf der Bühne

Operation Blind Fury – Trumps Iran‑Politik-Strategie oder Selbstzerstörung? Teil 1

  • März 27, 2026
  • 6 views
Operation Blind Fury – Trumps Iran‑Politik-Strategie oder Selbstzerstörung? Teil 1

Völkerrecht, immer wieder Völkerrecht!

  • März 27, 2026
  • 6 views
Völkerrecht, immer wieder Völkerrecht!

Iran greift US/GB-Stützpunkt Diego Garcia an – Krieg wird zu gesamteuropäischem Problem

  • März 27, 2026
  • 32 views
Iran greift US/GB-Stützpunkt Diego Garcia an – Krieg wird zu gesamteuropäischem Problem

Wer ist eigentlich abgehängt? Ost oder West?

  • März 26, 2026
  • 209 views
Wer ist eigentlich abgehängt? Ost oder West?

Markus Krall über den Verfall des akademischen deutschen Bildungsniveaus

  • März 26, 2026
  • 8 views