Aktuelle Statistikzahlen belegen – steigende Armut besonders in Ostdeutschland

Die Bundesregierung hat eine BSW-Anfrage zum Thema „Armut in Ostdeutschland“ mit aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts beantwortet. Die Armutsgefährdung in den neuen Bundesländern einschließlich Berlin ist demnach auf dem höchsten Stand der letzten fünf Jahre.

shutterstock/Maria Symchych

Jeder fünfte Bürger in Sachsen-Anhalt ist laut Mitteilung der „Landesarmutskonferenz Sachsen-Anhalt“ von Armut bedroht. Diese Information deckt sich mit Angaben einer Regierungsantwort an das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), welches erfahren wollte, wie es mit Erfahrungszahlen zum Thema „Armutsgefährdung in den neuen Bundesländern“ ausschaut. Die Beantwortung belegt, dass die Situation in Sachsen-Anhalt besonders bedenklich sei. Mit 21,5 Prozent wäre das Bundesland „nicht nur Spitzenreiter im Osten, sondern liegt auch deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 16,1 Prozent“, so die Berliner Zeitung „exklusiv“ berichtend.

Der aktuelle „Siebte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung“ aus dem Dezember des Vorjahres umfasst 657 Seiten. Zum Definitionsbegriff „Armut“ heißt es (Seite 136):

„Armut wird hier als ein multidimensionales Phänomen verstanden, dass fehlende Ressourcen zur sozialen Teilhabe umfasst. Daher wird einerseits die Einkommenssituation der jeweiligen Bevölkerungsgruppen betrachtet und darauf basierend die Armutsrisikoquote dargestellt.“ 

Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) bei der Bundesregierung angefragt hatte „und die der Berliner Zeitung exklusiv vorliegen“, würden nun „ein alarmierendes Bild der sozialen Lage in Ostdeutschland“ spiegeln. So heißt es nach Auswertung der Zahlen:

„Demnach ist die Armutsgefährdung in den neuen Bundesländern einschließlich Berlin auf den höchsten Stand der letzten fünf Jahre gestiegen.“

Auf Gesamtdeutschland bezogen lauten die Realitäten laut dem Bundesamt im Februar dieses Jahres, dass 16,1 Prozent der Bevölkerung als „armutsgefährdet“ bezeichnet werden müssen. Rein bezogen auf Ostdeutschland berichtet die Berliner Zeitung:

„Laut den ausgewerteten Mikrozensus-Daten lag die Quote im Jahr 2025 bei 17,3 Prozent – der höchste Wert seit 2021. Insgesamt sind demnach knapp 2,76 Millionen Menschen in Ostdeutschland von Armut bedroht.“

Neben den sogenannten „fünf neuen Bundesländern“ wurde auch die Hauptstadt in die aktuellen Zahlen mit einbezogen. Dazu berichtete der rbb bereits Ende Februar:

„In Berlin sind deutlich mehr Menschen armutsgefährdet als in den Vorjahren. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. Demnach ist die Armutsquote in der Hauptstadt auf 18,7 Prozent gestiegen. 686.000 Berlinerinnen und Berliner galten im vergangenen Jahr demnach als armutsgefährdet, das heißt, sie hatten weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Medianeinkommens) der Gesamtbevölkerung zur Verfügung.“

Für das Jahr 2024 wurde die monatliche Armutsgrenze für eine alleinlebende Person „bei etwa 1.380 Euro netto“ festgelegt, für ein Paar mit zwei Kindern „bei rund 2.890 Euro“, so die behördlichen Berechnungsgrundlagen. Weitere BLZ-Auswertungen lauten, dass demnach Sachsen-Anhalt „mit 21,5 Prozent nicht nur Spitzenreiter im Osten ist, sondern auch deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 16,1 Prozent liegt“. Damit rund 430.000 Menschen.

Zu den anderen vier ostdeutschen Bundesländern heißt es:

„Thüringen folgt mit 16,8 Prozent, Sachsen mit 16,6 Prozent. Mecklenburg-Vorpommern (15,9) und Brandenburg (14,5) liegen darunter.“

Besonders gefährdet von Armut sind laut Angaben des Statistischen Bundesamts in Deutschland „Alleinlebende, Alleinerziehende, Nichterwerbstätige und Personen im Ruhestand“. Zudem sind akut rund 2,2 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland ebenso armutsgefährdet.

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