Trumps autoritär-elitärer „Friedensrat – Wird die UNO überflüssig? – Teil 3

Am 19. Februar 2026 fand in Washington unter Leitung des US-Präsidenten Donald Trump der erste Gipfel des von ihm initiierten „Friedensrats“ (Board of Peace) statt. (1) Im Vorfeld hatte Trump den ehemaligen, wegen Kriegsverbrechen umstrittenen britischen Premier Tony Blair sowie mehrere enge Verbündete und Experten in seinen „Friedensrat“ berufen. (2)

Ein Beitrag von Wolfgang Effenberger

US-Präsident Donald Trump beantwortet Fragen von Reportern. Foto: dpa

Die 5 Pole nach Dugin

In „5 Pole des Trump-dominierten Westens“ (5 Poles of the Trumped West) (29) – eine geopolitische Analyse – argumentiert der russische Philosoph und Publizist Alexander Dugin –Dugin, dass Trumps Politik den einheitlichen „kollektiven Westen“ zertrümmert hat und dass sich fünf konkurrierende westliche Pole mit je eigener Ideologie und Geopolitik herausbilden.

West Nr. 1 – USA unter Trump 2.0
Trump ersetzt Globalismus und multilaterale Ordnung durch eine radikal nationalistische „America First“-Linie.
Er interpretiert die Monroe-Doktrin neu: totale US-Souveränität, Loslösung von internationalen Institutionen, Zurückdrängung anderer Mächte in ganz Amerika und faktische Hegemonie über beide Amerikas.
Neu sind laut Dugin Annexionsforderungen gegenüber Grönland und Kanada sowie eine offen verächtliche Haltung gegenüber EU und NATO; die USA verhalten sich wie ein Imperium mit abhängigen Randstaaten. (30)

West Nr. 2 – Die Europäische Union
Die EU war lange atlantisch ausgerichteter „Juniorpartner“ der USA, gibt dies aber ungern als Vasallenstatus zu.
Trump zerstört die Illusion einer selbstbestimmten Gemeinschaft komplett, zwingt Europa in die Rolle des untergeordneten „Sklaven“ und macht gleichzeitig Druck in Fragen wie Grönland und Verteidigung, wodurch in der EU erstmals ernsthaft über eigenständige Sicherheitsstrukturen gesprochen wird.
In der Ukraine-Frage will Trump den Krieg eher beenden, während die EU eine Fortsetzung und sogar stärkere direkte Beteiligung anstrebt; bei Israel/Gaza verurteilt die EU vieles, was Trump unterstützt. (31)

West Nr. 3 – Großbritannien nach dem Brexit
Das Vereinigte Königreich steht nach dem Brexit politisch vielen EU-Positionen nahe: es ist traditionell stark an Washington gebunden, aber nicht bereit, Trumps „Sklavenrolle“ anzunehmen.
London ist tief in den Ukraine-Krieg verstrickt, unterstützt Kiew militärisch und hat laut Dugin frühere Kompromissversuche (Istanbul 2022) torpediert.
Zugleich fehlen dem heutigen Großbritannien die Ressourcen für eine eigene imperiale Rolle; es bleibt stark anti-russisch, ohne realistische Chance auf alte Hegemonie. (32)

West Nr. 4 – Die Globalisten
Dieser Pol besteht aus globalistischen Eliten, Netzwerken und Institutionen (etwa Soros-Umfeld, WEF, Teile der US-Demokraten und neokonservative Republikaner), die ein Projekt „Weltregierung“ und eine entnationalisierte, einheitliche Weltordnung vertreten.
Sie bildeten früher den Kern des „kollektiven Westens“ und trugen den Globalismus, wurden aber durch Trumps Aufstieg geschwächt und stehen nun in offener Konfrontation zu „America First“.
Kanada unter Carney dient Dugin als Beispiel: Es warnt vor De-Globalisierung, weist Trumps Hegemonialansprüche zurück und ruft mittlere Mächte zur Bündelung gegen Trumpismus und zur Diversifizierung (inklusive stärkerer China-Beziehungen) auf. (33)

West Nr. 5 – Israel unter Netanyahu
Israel agierte lange privilegierter US-Proxy (Stellvertreter), umgekehrt gelt die USA als Israels wichtigster Verbündeter: Jährlich fließen Milliarden an Militärhilfe (z. B. 20 Mrd. USD für F-15-Jets 2024), Waffen und Technologie, um Israels „qualitative militärische Überlegenheit“ zu sichern. Kritiker sehen Israel als US-Vorposten zur Eindämmung von Iran, Russland oder China im Nahen Osten, mit gemeinsamen Übungen und Abkommen wie der Jerusalem-Deklaration. Befürworter der These argumentieren, Israel diene US-Interessen (z. B. Regionalstabilität, Anti-Terror), während Gegner betonen, Israel handle unabhängig und beeinflusse US-Politik stark (z. B. via AIPAC). Im Militärkontext (wie AR/BCI) teilen beide Technologien und Geheimdienstdaten, aber keine Belege für Proxy-Rolle speziell dort.

In Dugins Lesart tritt Israel inzwischen aber als quasi eigenständige Zivilisation mit messianischem Anspruch auf, die den Westen im Nahen Osten verkörpern will.
Die harte Politik Netanyahus in Gaza und der Anspruch auf ein „Groß-Israel“ stoßen bei EU, Großbritannien und Globalisten zunehmend auf Ablehnung, während Trump Israel vorbehaltlos unterstützt – was auch Spaltungen innerhalb des Trump-Lagers auslöst („America First oder Israel First? „). (34)
Die Enthüllungen um Epstein interpretiert Dugin als Bestätigung eines übergroßen israelischen Einflusses in der US-Politik, sodass Israel als eigener Machtpol erscheint.

Haltung der 5 West-Pole zum Ukraine-Krieg

Israel (West 5) ist für Dugin am wenigsten direkt am Ukraine-Krieg interessiert, steht Russland aber wegen dessen Unterstützung antiisraelischer Kräfte (v. a. Iran) feindlich gegenüber. Trump (West 1) betrachtet Russland nicht als Hauptfeind: er übt zwar Druck aus und liefert Waffen an Kiew, ist aber im Vergleich zu EU, Großbritannien und Globalisten weniger radikal antirussisch.
EU (West 2), UK (West 3) und Globalisten (West 4) seien klar globalistisch, stark antirussisch und bereit, die Ukraine langfristig und auch militärisch umfassend zu unterstützen, weil sie Putins traditionelles, multipolares Russland als ideologischen Hauptgegner sehen. (35) 
Zugleich gelten für sie Putin als auch Trump als Feinde, weshalb sich die Erzählung etabliert, Trump arbeite „für Russland“, obwohl Dugin betont, Trump handle aus eigenen Motiven. (36)

Dugin spekuliert, dass die wachsenden Gegensätze zwischen einem trumpistischen Amerika (West 1) und der EU (West 2) Westeuropa langfristig dazu bringen könnten, die Annäherung an Russland als Gegengewicht gegen Washington zu suchen, auch wenn dies momentan noch unrealistisch scheint.
Insgesamt sei der Westen nun in fünf relativ eigenständige Machtzentren aufgespalten; wie sich dieses Mosaik weiterentwickelt, bleibe offen, müsse aber bei jeder Analyse des Ukraine-Krieges und der Weltordnung berücksichtigt werden. (37)

Dugin sieht hierin eine Chance für Russland: Teile und herrsche im fragmentierten Westen. 

Dugin sieht Trumps Agenda („Trump-Hammer“) als massiven Beschleuniger der multipolaren Welt, (38) da sie den „kollektiven Westen“ zerreißt und Globalismus schwächt – eine Einschätzung, die zunehmend zutrifft. (39)

Dugin kritisiert die EU als globalistisch dominiert („Deep State“-Pole), ohne echte westeuropäische Souveränität oder Russland-Annäherung. AfD oder Front National (heute RN) passen zu seinem „populistischen“ Westen-Pole: Anti-globalistisch, pro-national, könnten EU-Spaltung vertiefen und multipolare Chancen für Westeuropa nutzen. (40)

Westeuropa zeigt zwei US-Fronten – Trump (America First, Populisten-freundlich) vs. Obama/Biden (globalistisch, NATO-treu) Unter Obama/Biden entstand im September 2014 das US-Dokument „Win in a Complex World 2020-2040“. Dugin betont, Trump spaltet EU-Eliten von Basis, was Russland nutzt. (41)

Kritik und Implikationen

Organisationen wie „Democracy International“ sehen im „Board of Peace“ transaktionale Politik: „Macht für die mit den tiefsten Taschen“. Friedensforscher warnen vor Symbolpolitik ohne Substanz, die UN-Prinzipien untergräbt. Dies schwächt US-Kritik an China oder Russland, da Trump selbst autoritäre Züge zeigt. (42)

Trotz Ergebnissen wie Gaza-Zusagen (7 Mrd. USD) fehlt die demokratische Legitimität – ein Muster, das Trumps „America First“-Politik als elitär-imperial ausweist. (43)

Die „gesteuerte Presse“ ist Dugins Kernkritik (globalistische Zensur vs. Wahrheit). Der Friedensrat (z. B. Potsdam-Gruppe) wird nicht nur von Dugin, sondern von Globalisten, Neokons und Mainstream-Medien als „Putin-freundlich“ diffamiert – ähnlich bei AfD/RN-Kritikern wie Sara Wagenknecht oder US-Isolationisten. (44)

Anmerkungen und Quellen

1)https://www.n-tv.de/der_tag/Der-Tag-am-Donnerstag-den-19-Februar-2026-id30379278.html

2)https://www.tagesschau.de/ausland/asien/gaza-friedensrat-mitglieder-100.html

3)https://www.deutschlandfunk.de/trumps-friedensrat-was-von-der-ersten-sitzung-zu-erwarten-ist-100.html

4)https://www.deutschlandfunk.de/deutschland-auf-hoher-beamtenebene-bei-morgiger-zusammenkunft-von-trumps-friedensrat-100.html

5)https://alexanderdugin.substack.com/p/the-5-poles-of-the-trumped-west

6)https://www.tagesschau.de/ausland/asien/nahost-grossbritannien-blair-100.html

7)https://unn.ua/en/news/end-of-the-un-what-is-trumps-peace-council-and-what-is-it-for

8)https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-trump-friedensrat-102.html

9)https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-trump-friedensrat-102.html

10)https://unn.ua/en/news/end-of-the-un-what-is-trumps-peace-council-and-what-is-it-for

11)https://www.theguardian.com/us-news/2026/jan/20/trumps-board-of-peace-is-an-imperial-court-completely-unlike-what-was-proposed

12)https://unn.ua/en/news/end-of-the-un-what-is-trumps-peace-council-and-what-is-it-for

13)https://dgvn.de/meldung/gruendung-eines-sogenannten-friedensrats-unter-us-fuehrung-und-deren-auswirkungen-auf-das-multilaterale-system

14)https://www.dw.com/de/trump-usa-friedensrat-board-of-peace-bop-un-vereinte-nationen-gaza-israel-nahost-friede-voelkerrecht/a-75567954

15)https://www.stern.de/news/nach-gruendung-von-trumps–friedensrat—guterres-betont-bedeutung-des-un-sicherheitsrats-37078676.html

16)https://www.democracywithoutborders.org/de/40346/trumps-friedensrat-in-der-kritik-kein-tragfaehiges-modell/

17)https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/trump-friedensrat-104.html

18)https://www.focus.de/die-debatte/erpressung-ist-die-neue-diplomatie-leser-lehnen-trumps-friedensrat-ab_ef7f2ed8-8629-4ed8-9756-0c363b0b07b7.html

19)https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-02/board-of-peace-donald-trump-friedensrat-washington

20)https://www.washingtonpost.com/national-security/2025/08/31/trump-gaza-plan-riviera-relocation/

21)https://www.globaltimes.cn/page/202508/1342199.shtm

22)https://theconversation.com/trump-plans-to-permanently-resettle-palestinians-outside-gaza-the-very-reason-unrwa-was-originally-created-249185

23)https://www.washingtonpost.com/national-security/2025/08/31/trump-gaza-plan-riviera-relocation/

24)https://theconversation.com/trump-plans-to-permanently-resettle-palestinians-outside-gaza-the-very-reason-unrwa-was-originally-created-249185

25)https://www.deutschlandfunk.de/laith-arafeh-palaestinensischer-botschafter-interview-100.html

26)https://www.fr.de/politik/land-palaestinenser-in-deutschland-das-ist-nicht-mehr-mein-93337073.html

27)https://www.washingtonpost.com/national-security/2025/08/31/trump-gaza-plan-riviera-relocation/

28)https://www.globaltimes.cn/page/202508/1342199.shtml

29)https://alexanderdugin.substack.com/p/the-5-poles-of-the-trumped-west

30)https://www.arktosjournal.com/p/the-5-poles-of-the-trumped-west

31)https://alexanderdugin.substack.com/p/the-5-poles-of-the-trumped-west

32)https://www.arktosjournal.com/p/the-5-poles-of-the-trumped-west

33)https://www.arktosjournal.com/p/the-5-poles-of-the-trumped-west

34)https://www.multipolarpress.com/p/the-irreversible-split-of-the-west

35)https://www.arktosjournal.com/p/war-is-ahead-of-us

36)https://www.novinky.cz/clanek/valka-na-ukrajine-trump-rozdelil-zapad-na-pet-casti-tvrdi-dugin-rusko-by-toho-podle-nej-melo-vyuzit-40562429

37)https://www.multipolarpress.com/p/the-irreversible-split-of-the-west

38)https://alexanderdugin.substack.com/p/the-5-poles-of-the-trumped-west

39)https://hpd.de/artikel/trump-revolution-23034

40)https://uncutnews.ch/trump-hat-den-westen-in-fuenf-teile-gespalten/

41)https://alexanderdugin.substack.com/p/the-5-poles-of-the-trumped-west

42)https://dgvn.de/meldung/gruendung-eines-sogenannten-friedensrats-unter-us-fuehrung-und-deren-auswirkungen-auf-das-multilaterale-system

43)https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-02/friedensrat-donald-trump-mitglieder-kritik-fa

44)https://www.saluut.de/pdf/Trumpismus-von-Dugin.pdf

Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete “atomare Gefechtsfeld” in Europa. Während seiner Verwendung als Wirkungsberater bereitete Effenberger vor allem nach Vorgabe des scharfen General Defense Plans (Ausschnitt bayerische Grenze zur damaligen Tschechoslowakei) Befehle für den Kriegsfall aus und studierte abends zum Ausgleich an der Hochschule für Politik. Mit der Einsicht in die geplante Vernichtungsorgie entschloss er sich, 1976 aus der Bundeswehr auszuscheiden. An der TU studierte er Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020) sowie “Die unterschätzte Macht” (2022).

Disclaimer: Berlin 24/7 bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion Berlin 24/7 widerspiegeln. Wir bemühen uns, unterschiedliche Sichtweisen von verschiedenen Autoren – auch zu den gleichen oder ähnlichen Themen – abzubilden, um weitere Betrachtungsweisen darzustellen oder zu eröffnen.

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