Kauf von Tennet-Stromnetz „hätte den Strom in Deutschland günstiger gemacht“

Der Ausbau der Stromnetze in Deutschland kostet viele Milliarden – der niederländische Netzbetreiber Tennet wollte deswegen sein deutsches Stromnetz an den Bund verkaufen. Die Verhandlungen darüber aber sind nun gescheitert. Die Bundesregierung habe mitgeteilt, dass sie die geplante Transaktion aufgrund von Haushaltsproblemen nicht durchführen könne, teilte Tennet laut der Nachrichtenagentur dpa mit.

shutterstock / Oleksiichik

Gesucht wird nun nach einem „Plan B“. Dabei könnte es auch um eine Minderheitsbeteiligung des Bundes an Tennet gehen. Tennet ist einer von vier Betreibern der deutschen Übertragungsnetze, der „Stromautobahnen“.

Die Verhandlungen zwischen der Tennet Holding und der staatlichen Förderbank KfW im Auftrag der Bundesrepublik über einen vollständigen Verkauf von Tennet Deutschland seien ergebnislos beendet worden, teilte Tennet mit. Der niederländische Staat ist Eigentümer der Tennet-Muttergesellschaft.

Es würden nun verschiedene Alternativen für den Verkauf des deutschen Stromnetzes des niederländischen Betreibers geprüft, sagte der niederländische Finanzminister Steven van Weyenberg. Tennet bereite „konkrete Optionen für einen (teilweise) privaten Verkauf oder einen Gang an die Börse von Tennet Deutschland“ vor. Die deutsche Regierung habe mitgeteilt, diese alternativen Szenarien zu unterstützen.

Tennet halte in der Zwischenzeit an seinen umfangreichen Investitionsplänen in beiden Ländern fest und werde dabei vom niederländischen Staat unterstützt. Dieser habe Tennet kürzlich ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von 25 Milliarden Euro für die Jahre 2024 und 2025 gewährt.

Der Tennet-Erwerb sollte ein wesentlicher Schritt sein auf dem Weg zu einer deutschen „Netz AG“, bei der der Bund Anteile an allen deutschen Übertragungsnetzbetreibern halten und mehr Kontrolle über den Stromnetzausbau erlangen könnte.

Habeck sagte am Rande einer Ostasien-Reise in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, er bedauere, dass es nicht gelungen sei, die vier Übertragungsnetzbetreiber Tennet, 50Hertz, Amprion und TransnetBW in einer Gesellschaft zusammenzufassen. Dies hätte den Strom in Deutschland am Ende günstiger gemacht, weil man Synergien etwa bei der Beschaffung hätte herstellen können.

Wirtschafts-Staatssekretär Philipp Nimmermann sagte, die Bundesregierung habe weiterhin Interesse an einer strategischen Minderheitsbeteiligung an Tennet Deutschland im Rahmen eines Konsortiums.

Aus Kreisen des Finanzministeriums hieß es mit Blick auf Kritik etwa des DGB, ein Kauf von Tennet sei nicht an der Schuldenbremse gescheitert. Finanzielle Transaktionen wie Unternehmenskäufe wären generell von der Schuldenbremse ausgenommen. Entscheidend sei der Klärungsbedarf, wie ein vollständiger und dauerhafter Staatsbesitz verhindert werde. Aus ordnungspolitischen Gründen werde nur eine Minderheitsbeteiligung des Bundes angestrebt.

Der FDP-Energiepolitiker Lukas Köhler sagte: „In Deutschland ist genügend privates Kapital vorhanden, um den Ausbau der Stromnetze zu finanzieren. Gerade Investitionen in Übertragungsnetze können über lange Zeiträume eine sichere Rendite bei geringem Risiko bieten. Ein staatlicher Einstieg hingegen würde die private Investitionsbereitschaft hemmen und sollte daher immer nur die Ultima Ratio sein.“

(red/dpa)

  • Related Posts

    Maschinen an die Macht!

    Die neuen Herren dieser Welt erhoffen sich vom ungehemmten Einsatz der Technik eine radikale Umwandlung aller Lebensbereiche. Dieser Ansatz ist nicht ganz neu. Ein Beitrag von Hermann Ploppa Wir sträuben…

    „Klimaschutz“ – Bis dass die Pleite euch scheidet

    Man hofft so sehr darauf, dass auch in Deutschland der Klimaglaube bröckelt. aber erst einmal gibt es noch einen Nachschlag. Den lieferte das Bundesverwaltungsgericht. Die Deutsche Umwelthilfe darf jetzt Klimaschutzmaßnahmen…

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    You Missed

    Grönland, Venezuela und Iran im Visier des „Friedenspräsidenten“ – Teil 1

    • Februar 12, 2026
    • 4 views

    Maschinen an die Macht!

    • Februar 12, 2026
    • 7 views
    Maschinen an die Macht!

    Irans Raketenbombe verblüfft Trump, Russland und die BRICS-Staaten schreiten ein

    • Februar 11, 2026
    • 6 views
    Irans Raketenbombe verblüfft Trump, Russland und die BRICS-Staaten schreiten ein

    Unser Boykottbrauchtum

    • Februar 11, 2026
    • 8 views
    Unser Boykottbrauchtum

    Am 2. Februar 1943 endete die Schlacht von Stalingrad

    • Februar 10, 2026
    • 22 views
    Am 2. Februar 1943 endete die Schlacht von Stalingrad

    Zum Arbeiten braucht ihr keine Zähne! – Union & Anhang im asozialen Rausch

    • Februar 10, 2026
    • 36 views
    Zum Arbeiten braucht ihr keine Zähne! – Union & Anhang im asozialen Rausch